Kapitel 9
Kaum Wolken am Himmel und die hochstehende Mittagssonne sorgten für eine heiße zweite Tageshälfte in der Siedlung. Den patroullierenden Jem Hadar-Truppen in den Straßen konnte das offenbar nichts anhaben; sie setzten unverändert ihre Kontrollgänge fort. Mit großer Vorsicht beobachtete Will Riker das Geschehen auf der Straße. Er schaute aus einem Fenster des Gebäudes heraus, in welches er und sein Team gebeamt worden waren. Langsam, in tief gebückter Haltung, entfernte er sich von seinem Aussichtsplatz. Er begegnete Deanna, die mit zwei Sicherheitsleuten eine Treppe herunterkam, aus dem langgezogenen Flurbereich der Etage kam Beverly Crusher mit dem restlichen Team. „Wie sieht es aus, Doktor?„ „In einer der Wohnungen haben wir vier tote Son’a gefunden. Sie wurden ermordet. Die anderen Räume sind leer.„, antwortete die Ärztin flüsternd. „Deanna, bei Euch?„ „In der Etage über uns sind sieben Wohnungen, vier davon sind bewohnt.„ Riker sah sich um. „Die Schäden an den Gebäuden stammen zweifellos von Waffen der Jem Hadar. Aber selbst ohne diese Zerstörung durch sie sind die Gebäude von enorm einfacher Art, um nicht zu sagen ärmlich, primitiv. Wie passt das zusammen mit einem so technisch hochentwickelten Volk wie den Son’a?„ Will zuckte etwas hilflos mit den Schultern. „Gehen wir nach oben, klopfen an und fragen sie.„ Deannas Vorschlag war eigentlich nur eine Erinnerung für Riker, dass sie wegen genau dieser Fragen ja schließlich hier waren. Riker drehte sich zu den beiden Sicherheitsoffizieren hinter Dr. Crusher um. „Sie beide bleiben hier auf der Etage. Einer wacht über die Straße, der andere über den Treppenaufgang.„ Die beiden Angesprochenen nahmen ihre Positionen ein. Captain Riker und die anderen gingen mit leisen Schritten die Treppe hoch. Auf der nächsten Etage angekommen verteilten sich die Sicherheitsleute an den Eingangstüren der Wohnungen, die bewohnt waren. Riker deutete auf die Tür, die er zuerst öffnen wollte. Troi und Crusher traten an seine Seite. Riker horchte an der Tür nickte dann den beiden Damen zu. Er holte nervös tief Luft, wollte gerade anklopfen hielt aber kurz inne trat neben die Tür. Er blieb vorsichtig. Auch Deanna und Beverly gingen auf die Seite für den Fall, dass die Antwort aus der Wohnung mit Waffen kommen würde. Schließlich klopfte Will etwas zaghaft an.
Die einhundertfünfzig Jem Hadar, welche als Wachen um den großen Anlagenkomplex verteilt waren, machten einen hochwachsamen Eindruck. Der überwiegende Teil von Ihnen stand fest und mit geradeaus gerichtetem Blick in gleichmäßigem Abstand um die Anlage verteilt. Einige wenige von ihnen liefen Patroullie um den Komplex. Das Dominion stattete seine Soldaten körperlich mit allem aus, was für den Kampf notwendig war. Unter anderem zählten hervorragende Augen dazu. Hervorragend, aber trotzdem nicht gut genug. Einer der fest an seinem Platz postierten Wachen, dessen Blick geradeaus in den Wald vor ihm gerichtet war, konnte trotzdem nicht sehen, dass sich jemand, obwohl in seinem Blickfeld, ihm bis an den Waldrand genähert hatte. La Forge lächelte. Das Dominion war auch nicht perfekt gewesen. Der Jem Hadar vor ihm mochte gute Augen haben, aber sie reagierten wie bei den meisten. Ab und zu glitt sein Blick auf den Boden oder zum Himmel, er folgte flüchtig den patroullierenden Jem Hadar, wurde für kurze Augenblicke unaufmerksam. Geordies überlegene künstlichen Augen hatten bereits im Wald, als er sich auf dem Bauch liegend langsam vorarbeitete, bei der ersten freien Sicht auf die Anlage den Wachtposten ins Visier genommen. Jede Unachtsamkeit des Postens hatte LaForge genutzt, um Stück für Stück, Meter für Meter, vorwärts zu kommen, bis zu einem Baum am Waldrand. Er sah hinter sich, er war allein. Die Truppen der Sternenflotte blieben ab einem gewissen Zeitpunkt zurück, damit LaForge alleine die Anlage untersuchen konnte, ohne erwischt zu werden. Er beobachtete die Wachen, Untersuchte das Gebäude und widmete dann seine Aufmerksamkeit dem Schutzschild. Geordies Blick blieb plötzlich an einer Stelle des Schutzschildes haften. Hinter einem Wachtposten war im Boden, direkt am Schutzschild, ein Gerät, offensichtlich ein Computer, halbwegs im Boden eingelassen worden. LaForge untersuchte ihn. „Oh, Mann.„, entfuhr es ihm. „Ein teuflischer kleiner Kasten. Verdammt, was verstecken die nur in dem Gebäude.
Ein Geräusch. Worf und Daniels reagierten sofort, zielten mit ihren Waffen auf den Punkt, von welchem das leichte Rascheln herkam. „Worf, ich bin’s!„ vernahmen beide die flüsternde Stimme von LaForge, der vorsichtig hinter einem Strauch hervorkam. „Sowas. Den Hinweg geschafft, ohne ein Geräusch zu verursachen, jetzt bleibe ich in dem Gestrüpp fast hängen.„, ärgerte dieser sich. „Besser so, als anders herum.„ Erwiderte Daniels. „Was jetzt Commander? Sollen die Truppen ihre Positionen im Wald um die Anlage herum einnehmen?„, wollte Worf wissen. „Nein, wir warten erst noch. Wir haben nämlich noch ein weiteres Problem. Der Schutzschild um die Anlage wird von einem Computer im Boden Aufrecht erhalten. Eigentlich leichtsinnig, ein Schuss und das Ding samt Schild sind hinüber. Aber dann sah ich, dass der Computer einen simplen Laserstrahl aussendet, der mit einer Sensorvor-richtung an der Anlage verbunden ist. Wenn wir also den Computer vernichten, ist zwar auch der Schutzschild weg ...„ „... Aber auch der Laser und dann fliegt hier alles in die Luft.„, beendete Worf den Satz. „Allmächtiger.„, reagierte Daniels wütend. „Muß ja enorm wertvoll sein, was die da drin haben.„, sprach er kopfschüttelnd weiter. „Vielleicht ein Waffendepot. Oder sie entwickeln hier neue Waffengattungen. Das würde den Selbstzerstörungs-mechanismus erklären. Sie werden verhindern wollen, dass ihre neuen Waffen in die Hände anderer gelangen.„, meinte Worf. „Was auch immer,„ antwortete LaForge. „Wenn wir gegen die Wachen vorgehen, wird einer von denen sofort, oder wenn sie unsere Übermacht feststellen, den Computer selbst zerstören und dann ist wohl auch für uns Sense. Ich erstatte erst mal dem Captain Bericht. Vielleicht hat auch Captain Riker inzwischen etwas herausgefunden was uns weiterhelfen könnte.„
* * *
Das Klopfen an der Tür wiederholte sich ein weiteres Mal. Es war kein lautes Klopfen, ziemlich schwach sogar. Sorjan wunderte sich. Die Jem Hadar kamen doch einfach herein, wenn man zur Arbeit abgeholt wurde. Und die anderen Son’a meldeten sich mit ihrem Namen. Wer also klopfte an die Tür, noch dazu so leise? Er erhob sich von seinem Bett, ging langsam zur Tür, öffnete sie vorsichtig einen Spalt. Noch bevor er seinen Kopf weiter in den Flur rausstrecken konnte, trat jemand von der Seite direkt vor ihn. Sorjan erschrak. Der Mann vor ihm stand erst mal nur da, tat nichts, sprach kein Wort. Sorjan schaute nach links den Flur entlang. Eine Frau mit auf ihn gerichtetem Phaser stand seitlich an der Eingangstür. Er ließ seinen Blick über den ganzen Flur gleiten. An jeder Tür, hinter der sich bewohnte Räume befanden, standen bewaffnete uniformierte Männer und Frauen. Er sah wieder den Mann vor sich an. Er betrachtete dessen Uniform, das Föderationsabzeichen auf der Brust. Er warf dem Mann einen geringschätzigen Blick zu. Mit diesem Blick starr auf Riker gerichtet, trat er zur Seite und bedeutete ihnen einzutreten. Troi und Dr. Crusher folgten ihm. Hinter den drei eingetretenen Personen machte er die Tür wieder zu. „Herzlich willkommen.„ Mit ausgebreiteten Armen, die Sorjan wieder schlaff an die Hüfte zurückfallen ließ, einem Gesichtsausdruck zwischen Misstrauen und Wut und einem abfälligen Tonfall in den Begrüßungsworten machte er den Ankömmlingen klar, dass sie hier eine wenig freundliche Aufnahme finden würden. Riker sah Beverly und Deanna an. Worauf Sorjan’s Begrüßung anspielte war klar. Doch Will hatte nicht vor, dem Son’a die Offensive zu überlassen. „Vielen Dank.„ Er trat vor Sorjan hin. „Und im übrigen ist es mir völlig egal, was sie von uns denken. Ich bin hier um Ihnen die Wahl zu lassen. Entweder wir, oder die Jem Hadar. Ganz einfach.„ Sorjan sah Riker mit ausdruckslosen Augen an. Einige Sekunden starrten sich die beiden Männer an. Dann ging der Son’a an Riker vorbei zu seinem Bett und setzte sich. Er sah auf den Boden, stützte den Kopf auf seine gefalteten Hände. Tränen rollten über seine Wangen und fast gleichzeitig begann er leise zu lachen. „Sie lassen uns die Wahl was? Wie großzügig, wirklich nett von Ihnen.„ Er sah zu Riker auf. „Wissen Sie, dass haben die Jem Hadar auch zu uns gesagt als sie hier auftauchten >Ihr habt die Wahl< sagten sie, >Entweder Ihr arbeitet für uns, oder Ihr werdet sterben!< Das ist doch wirklich großzügig. Uns eine solche Wahl zu offerieren.„ Troi trat vor Sorjan hin, ging vor ihm auf die Knie. „Wir sind mit einer großen Flotte hier, wir haben die Jem Hadar besiegt. Und wir wollen Ihnen helfen.„ Sie nahm Sorjan’s Hände und hielt sie fest. Der Son’a sah sie mit tiefer Verzweiflung an. „Zu spät. Viel zu spät.„ Er stand auf, ging in die Mitte des Raumes, ließ seinen Blick von Troi über Dr. Crusher zu Riker wandern und begann zu berichten. „Es war etwa einen Monat nach Kriegsende. Nach der Kapitulation des Dominion waren wir auf unsere Basisplaneten zurückgekehrt. Die Ketracel White Anlagen, die wir für das Dominion gebaut hatten und auch beaufsichtigten, ließen wir einfach zurück. Für uns selbst genügt die eine Anlage hier ...„ „Moment mal,„ unterbrach ihn Beverly. „Sie stellen das White für sich selbst her? Als wir mit Ihren Leuten bei den Ba’ku waren, habe ich einige von ihnen untersucht und keine Spur der Droge in ihren Körpern gefunden.„ „Natürlich nicht. Wir benutzen es nicht als Droge wie die Jem Hadar. Jeder Son’a hat zwei Totaloperationen im Jahr zu überstehen. Die Erholungs-phase dauert zwei Wochen. Ohne das White würde keiner die irrsinnigen Schmerzen aushalten.„
„Und dieser Planet hier ist gar nicht ihr zuhause?„, hakte Riker nach „Das ist richtig. Es ist ... es war unsere Arbeiter-siedlung. Es sollten hier ursprünglich noch mehr Anlagen gebaut werden. Alle gingen von einem Sieg des Dominion aus. Die eine Anlage draußen im Wald sollte nur der Anfang sein. Naja, es kam anders. Ganz anders. Wie gesagt, der Krieg war aus, wir zogen uns zurück, die Anlage hier verwendeten wir für uns selbst. Wir hatten hier mit Fünfundzwanzig Personen unsere Arbeit begonnen, als sie plötzlich auftauchten. Jem Hadar. Sie verlangten von uns, die Produktion auf das absolute Maximum hochzufahren. Sie würden in Zukunft noch sehr viel mehr White benötigen. Einig von uns schienen in diesem Augenblick zu vergessen, dass der Krieg vorbei war. Sie erhoben ihre Stimme, protestierten vehement. Der Anführer der Jem Hadar ließ die Leute vorteten. Er erklärte ihnen, dass er ihnen ja die Wahl gelassen hatte und dass sie nicht arbeiten müssten, wenn sie nicht wollten. Er hatte seinen Satz gerade beendet, da fielen Schüsse. Es waren fünf von uns die protestiert hatten. Jetzt waren sie tot. Exekutiert. Es wurde uns befohlen, sie genau dort liegen zu lassen, wo sie waren, als Mahnung. Als nach drei Monaten unsere Ablösung kam, wiederholte sich das Spiel auf grausame Weise. So fügten wir uns schließlich und arbeiteten für sie. Es kam bis heute nur noch selten vor, dass jemand von uns zu fliehen versuchte. Die Resultate dieser Versuche liegen draußen auf der Straße. Da aber eine Flucht sowieso keine reelle Aussicht auf Erfolg hatte, bin ich mir sicher, dass einige von ihnen mit Absicht in den Tod rannten.„ „Die Son’a haben sich auf den Heimatwelten der Ellora und der Tarlac niedergelassen. Sind die Jem Hadar dort auch eingefallen?„, wollte Troi wissen. Der Son’a nickte bejahend. „Während einer Schicht fragte ich einen Wachposten. Er bestätigte mir, dass beide Planeten sich in ihrer Gewalt befinden. Wir wurden gezwungen, in einer offiziellen Erklärung unsere Grenzen für Außenstehende dichtzumachen.„ Riker schüttelte den Kopf. „Ich verstehe nicht, dass von diesen Vorgängen niemand etwas mitbekommen haben soll. Der Geheimdienst der Sternenflotte, angrenzende Sternensysteme der Föderation an diese Welten.„ „Oh, dass war recht unspektakulär. Die Jem Hadar hatten auch unsere Schiffe längst in ihrer Gewalt. Und so bekam ein neutraler Beobachter nur zu sehen, wie unsere Raumschiffe in verstärktem Maße bei den Ellora und den Tarlac auftauchten und dort auch blieben. Niemand konnte sehen, dass die Besatzung aus Jem Hadar bestand. Die Schiffsbesatzungen und den Invasions-truppen. Sie nahmen auch zwei von uns mit, damit wir bei unserer Ankunft unseren Leuten bestätigen konnten, dass sie uns komplett in ihrer Gewalt hatten. Und mit der offiziellen Schließung unserer Grenzen waren wir endgültig von allen anderen Welten abgeschnitten. Bis heute, zwei Jahre später. Tja und jetzt sitze ich hier und frage mich, wieso ich drei Sternenflottenoffizieren diese Geschichte erzählen kann? Sie sagen, die Jem Hadar wären von Ihnen besiegt worden. Sie sind mit einer großen Flotte hier? Dann muss wohl etwas passiert sein.„ „Sie wurden vorstellig bei uns ... aber alles andere als unspektakulär.„, antwortete Riker und erzählte, was vorgefallen war. „Aufgrund unserer Untersuchungen kamen wir zu dem Schluss, dass die Angriffe von hier aus gestartet wurden. Wir gehen auch davon aus, dass sich hier in der Nähe Schiffswerften befinden, ein teil unserer Flotte sucht bereits danach.„ Fuhr Will Riker fort. „Da kann ich Ihnen nicht helfen, darüber weiß ich nichts.„, antwortete Sorjan. „Nach der Invasion der Jem Hadar kamen wir sehr schnell an einen Punkt, an dem wir feststellen mussten, wie gefährlich es ist, zu viele Fragen zu stellen. Sie überwachen uns bei der Arbeit, patroullieren durch die Siedlung. Nur hier in den Häusern lassen sie uns etwas Freiraum. Aber wir erfahren nichts von dem, was im All oder auf unseren anderen Welten vor sich geht. Seit fast zwei Jahren tun wir nichts anderes als für sie soviel White wie möglich zu produzieren, das ist alles.„ „Reden wir doch mal über diese Anlage. Sie sagen also, dass dort das White hergestellt wird. Die Sternenflotte ging immer davon aus, dass aufgrund der gewaltigen Menge, die die Jem Hadar benötigen, die Produktion quasi vollautomatisch vor sich geht und Personal nur für die Beaufsichtigung dient.„ Meldete sich Beverly zu Wort. Sorjan lächelte. „Da befinden Sie sich im Irrtum. Das Ketracel White, welches wir verwenden, ist nur die Basis für die Droge, die die Jem Hadar erhalten, sie wird synthetisch hergestellt, in absolut keimfreier Umgebung und konstanter Temperatur. Es kommen noch einige Aspekte dazu, die den Entwicklungsprozess in die Länge ziehen. Ich möchte nur anmerken, dass nur ein Teil mit Hilfe von Computern erledigt wird. Es dauert ungefähr zwei Wochen exakter Arbeit, bis wir den Basisstoff haben. Die Mengenproduktion übernehmen dann die Computer, das läuft dann alles deutlich schneller ab.„ „Ich wüsste trotzdem gerne, was das für ein Problem ist, dass die Computer nicht bewältigen?„ blieb die Ärztin neugierig. „Ich glaube nicht, dass sie Zeit für einen Vortrag haben, Verehrteste.„, meinte Sorjan. „Ein natürlicher Bestandteil des White wird bei der Synthetisierung instabil. Es gibt keine verlässlichen Werte, auf die wir uns stützen können. Die Produktion ist kein Andauernder Prozess. Wir nehmen uns eine bestimmte Menge für die Synthetisierung vor, arbeiten daran bis zur Vollendung. Und dann geht das Spiel von vorne los, als wenn es das aller erste Mal wäre.„ „Ich verstehe. Aber wenn soviel White benötigt wird, warum gibt es nur diese eine Anlage? Bei der zahlenmäßigen Präsens der Jem Hadar reicht eine Anlage doch niemals aus, oder?„, fragte die Ärztin. „Und die zurückgelassenen Anlagen aus der Zeit des Krieges wurden von der Sternenflotte abgebaut.„, fügte Riker hinzu. Alle drei sahen Sorjan an, der jedoch nur hilflos mit den Schultern zuckte. „Da muss ich leider erneut passen. Ich sage Ihnen was ich weiß, aber das ist eine Frage, die sie selbst lösen müssen.„ Riker wiegelte ab. „Gut, dann lassen wir dieses Thema erst einmal sein. Die nächste Frage ist, wie bringen wir Sie und Ihre Leute von hier weg?„ Sorjan reagierte erstaunt. „Sie wollen uns zur Flucht verhelfen? „Wir sind nicht vorbeigekommen, nur um mal `Hallo` zu sagen.„, gab Troi von sich. Sorjan senkte den Kopf, atmete heftiger. „Sie wollen uns wirklich helfen, nach allem was vorgefallen ist?„ „Zum einen ist es fast nie zu spät für eine zweite Chance und zum anderen ... sind wir einfach ein bisschen netter als das Dominion.„ Lächelte ihn Deanna an. „Soll heißen, wir sind die Guten.„ Setzte Beverly mit gleichem Gesichtsausdruck einen drauf. Sorjan stand auf, überlegte kurz. „Wir sind einundsechzig Personen insgesamt. Davon arbeiten zwanzig ständig draußen in der Anlage, ein Tag und eine Nacht, dann die nächste Schicht. Uns alle hier in der Siedlung zu erfassen und hoch zu beamen, dürfte wohl kein Problem sein, aber ihre Transportererfassung wird den Schutzschild der Anlage nicht durchdringen können.„, klärte der Son’a sie auf. Riker nickte zustimmend. „Das Problem ist bekannt. Wir haben eine zweihundert Mann starke Truppe postiert. Sie werden sich um die Jem Hadar kümmern. Danach widmen wir uns dem Schutzschild und der Befreiung Ihrer Leute. „Nein, Sie dürfen nicht angreifen. Die Jem Hadar haben eine Vorrichtung installiert. Bei einem Angriff wird irgendein Jem Hadar ein Signal geben und die ganze Anlage explodiert.„ Riker sah zu den beiden Frauen, die seinen Blick erschrocken erwiderten. „Verdammt, ein Problem mehr.„ Er betätigte seinen Kommunikator. „Riker an LaForge.„ „Hier LaForge. Was gibt es, Captain?„ „Geordie, das Problem mit dem Schutzschild ist schwieriger als gedacht.„ „Haben wir schon herausgefunden, Captain. Wir haben der Enterprise alles über die Detonationsvorrichtung berichtet, man sucht nach einer Lösung. Wir sollen hier bis auf weiteres die Stellung halten.„ „In Ordnung, Geordie. Riker, Ende.„ „Ihre Leute sind gut, Captain. Um die Vorrichtung überhaupt entdecken zu können, muss man sehr nahe an die Anlage kommen und über gute Augen verfügen.„ „Ich leite Ihr Lob gerne an Commander LaForge weiter. Er ist der Mann mit den sehr guten Augen.„ „Was werden Sie jetzt unternehmen?„ fragte Sorjan besorgt. Riker biss sich leicht auf die Unterlippe, die Son’a alle vom Planeten herunter zu bekommen war längst nicht mehr so einfach. „Die Truppen im Wald zu verstärken, wird nichts bringen. Beamen wir die Son’a jetzt alle aus der Siedlung heraus, werden die Patroullien es schnell merken, die Wachen an der Anlage verständigen und die machen dann der Sache ein schnelles Ende.„ Riker tart vor Sorjan hin. „Wir können im Augenblick hier nichts weiter tun. Ich beame mit meinen Leuten auf unser Schiff zurück. Ich bitte Sie, nichts zu tun oder zu sagen, was unsere Präsenz hier verraten könnte. Wir werden alles mögliche tun, um Ihnen zu helfen. Haben Sie noch etwas Geduld.„ Sorjan starrte vor sich auf den Boden. „Geduld? Ich kann Ihnen versichern, dass hier kein Son’a ist, der nicht schon mit seinem Leben abgeschlossen hat. Hier gibt es schon lange keine Hoffnung mehr. Unsere medizinische Versorgung wurde drastisch reduziert. Und nicht alle würden das nochmal zwei jahre durchhalten.„ Riker sah Beverly und Deanna an. Er betätigte seinen Kommunikator, sah zu Sorjan hin. „Riker an Enterprise. Außenteam hochbeamen... Wir werden einen Weg finden.„ Sorjan vernahm die Worte Riker’s und sah zu, wie dieser und die beiden Frauen in der aufflackernden Transporterenergie verschwanden. Er blieb starr stehen, sah auf die Punkte, wo die drei eben noch waren. Er ging langsam zur Tür, trat hinaus auf den Gang. Niemand war das. Vorsichtig näherte er sich einem Fenster, sah hinaus auf die Straße. Zwei Jem Hadar-Patroullien liefen auf der Hauptstraße aneinander vorbei. Er blickte auf die toten Son’a auf der Straße. „Bitte ... bitte finden Sie einen Weg.„, flüsterte er leise unter Tränen.
* * *
Riker, Troi und Dr. Crusher betraten den Besprechungs-raum der Enterprise, wo Captain Picard und Data schon warteten. „Nehmen Sie Platz.„, forderte sie Picard auf. „Was haben Sie herausgefunden?„ Riker antwortete. „Bereits kurz nach Ende des Krieges tauchten die Jem Hadar auf und brachten sie in ihre Gewalt, zwingen sie seither das Ketracel White für sie zu produzieren. Sie haben auch die Heimatwelten der Elora und der Tarlac eingenommen und zwangen die Son’a, offiziell ihre Grenzen zu schließen. Sie gingen sehr geschickt und mit wenig Waffengewalt vor, so dass Außenstehende nichts mitbekamen.„ „Wenn wir ihnen helfen wollen, ist Eile geboten.„ Ergriff Beverly das Wort. „Der Son’a mit dem wir sprachen, sagte schon dass sie medizinisch nur mangelhaft versorgt werden. Während er sprach, habe ich ihn untersucht. Sollte er zu jenen gehören, die noch am besten dran sind, ist die Situation schon jetzt alarmierend.„ „Eine Chance haben sie nur noch, wenn wir sie alle vom Planeten wegholen. Aber da gibt es noch das Problem der Anlage. Haben wir überhaupt eine Möglichkeit an die Sona dort heranzukommen?, ohne dass die Jem Hadar etwas merken und alles sprengen?„, fragte Deanna mit Blick auf Captain Picard. „Leider haben wir nicht die Zeit, alle Optionen anzugehen und die Beste auszusuchen. Während ihr Team hoch beamte erhielten wir von der Grenze die Nachricht, dass eine Armada von Schiffen sich diesem Sektor nähert. Vermutlich Jem Hadar. In einer Stunde werden sie hier sein.„ Stoßseufzer und Kopfschütteln waren die Reaktionen auf die Worte des Captains. „Die Situation spitzt sich zu. Data ...„ Picard zögerte einen Augenblick, was er sagen wollte fiel ihm offenbar nicht leicht. „Nun, Data hat einen Plan entwickelt. Der Punkt ist nur, dass ... derjenige, der ihn ausführt, aller Wahrscheinlichkeit nach, nicht wieder lebend herauskommt. „Was ist das für ein Plan und wer soll ihn ausführen?„ fragte Riker erschrocken. „Es ist von mir die Rede, Captain Riker.„, antwortete Data. „Und warum Sie, Data?„, fragte Troi, wie alle anderen am Tisch sichtlich um Fassung bemüht. Der Androide antwortete kühl und sachlich. „Aufgrund seiner visuellen Möglichkeiten, war Commander LaForge in der Lage, die Detonationsvorrichtung am Schutzschild sowohl optisch wie auch von technischer Seite sehr detailliert zu beschreiben. Ich sehe eine Möglichkeit, dass Gerät so einzustellen, dass der Laserstrahl mit der Anlage verbunden bleibt und wir trotzdem den Schild beseitigen können. Die Neueinstellung vorzunehmen, wird eine Minute dauern.„ „Das wird eine verdammt lange Minute werden.„, hörte die Ärztin sich nur wenig optimistisch an. „Noch dazu in Gesellschaft von ein paar Jem Hadar, die ihnen wohl kaum zur Hand gehen werden.„, klang auch Riker wenig zuversichtlich. „Was die Jem Hadar betrifft, kommt hier die Bodentruppe zum Einsatz.„, fuhr Data fort. „Commander LaForge läßt in diesem Augenblick einen Ring um die Anlage bilden, jeder Soldat nimmt einen Jem Hadar ins Visier. Da wir von der Anzahl her im Vorteil sind, konzentriert sich das Hauptangriffsfeuer auf den Bereich der Detonationsanlage.„ Er sah zu Picard rüber, der weitersprach. „Die ganze Aktion wird nur etwas mehr als eine Minute dauern. Drei Schiffe des Verbandes haben die Son’a in der Siedlung mit ihren Transportern erfasst. Auf mein Signal hin werden sie hoch gebeamt. Erhalte ich die Bestätigung für den erfolgreichen Transport, erhält LaForge das Signal zum Feuern auf die Jem Hadar Wachen. Im selben Moment wird Data direkt zur Detonations-vorrichtung gebeamt. Bei erfolgreicher Durchführung, das heißt, Ausschalten des Schutzschildes, holen wir die restlichen Son’a an Bord und verschwinden hier.„ Alle saßen schweigend da, jeder schaute auf den Tisch vor sich. „Ich gebe es nur ungern zu, aber es könnte klappen.„, brach Riker die Stille. „Ich denke, wir wissen um das Risiko und die Gefahr.„ Der Captain sah Data an. „Aber ich glaube, dass ... wir die Son’a nicht im Stich lassen dürfen.„
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„Worf an LaForge. Sind Sie in Stellung gegangen? Wir sind bereit.„ Die stimme des Klingonen kam leise aus dem Kommunikator. „Verstanden Worf. Daniels ist mit seinen Leuten ebenfalls in Position. Haltet euch Bereit. Ich mache der Enterprise Meldung.„ „Commander, sollten wir nicht versuchen, noch etwas näher heranzurücken? Im Moment wäre es günstig.„ Geordie schaute sich um, er wusste, worauf Worf anspielte. Es ging ein ganz ordentlicher Wind, der das Heranrücken der Sternenflottentruppen an die Anlage enorm erleichtert hatte. Die Endposition hatte LaForge als jene ausgemacht, bis zu der man sich unentdeckt heranschleichen und die JemHadar ins Visir nehmen konnte. Er biss die Zähne zusammen, die Verlockung, noch näher heranzukommen war im Moment wirklich groß, das rascheln und die Bewegungen der Blätter und Gebüsche wären sicher eine gute Deckung. Geordie wusste genau, dass aus dieser Entfernung längst nicht jeder Schuss richtig sitzen würde. Zu gerne wollte er seinem Freund Data die bestmögliche Rückendeckung geben und das hätte bedeutet, wenigstens dreißig Meter näher heranzurücken. Vorsichtig sah er an seiner Position hinter einem Baum liegend nach vorne, musterte noch einmal das Randgebiet des Waldes. „Negativ, Worf. In Stellung bleiben. Ziele anvisieren und auf mein Kommando warten.„ Es dauerte ein paar Sekunden, bis Worf den Befehl bestätigte. LaForge nahm aus der Deckung heraus den Jem Hadar ins Visier, der direkt neben dem Apparat stand, an dem sich Data in wenigen Augenblicken zu schaffen machen sollte. Data. Roboter? Android? Wen hatte der Unterschied in diesen Bezeichnungen schon groß interessiert, als dieser wandelnde Computer auf zwei Beinen das erste Mal auftauchte. Von Riker hatte Geordie gehört, dass er ihn bei seiner aller ersten Begegnung Pinoccio genannt hatte. Eine Puppe, aus der am Ende ein Mensch wurde. Geordies Neugier war geweckt. Er wollte diesen Data unbedingt kennen lernen.
Die Freundschaft, die schließlich entstand sorgte dafür, dass LaForge Zeuge einer außergewöhnlichen Entwicklung wurde. Natürlich würde am Ende keine Fee auftauchen und ihn in einen Menschen verwandeln. Was sich aber wandelte, im Laufe der Zeit, war die ursprüngliche Frage nach seiner Existenz, ihrer Definition. Roboter? Androide? Oder gar... eine Lebensform? Schneller als gedacht, wurde diese Frage zum Mittelpunkt eines Prozesses. Ein spektakulärer Prozess, an dessen Ende der Androide nun ausgestattet mit den selben freiheitlichen Rechten wie ein Mensch die Chance und das Recht erhielt, für sich selbst als Einziger auf die Frage nach seiner Existenz eine Antwort zu suchen. An Bord der Enterprise wurde er ohnehin schon von den Menschen kaum anders betrachtet, als wenn er Vulkanier, Klingone oder sonst irgend einer außerirdischen Rasse angehörte. Er war und ist einfach einer von ihnen. Freund, Kamerad. Seit vielen Jahren. Man freute sich bei vielen Anlässen mit ihm, empfand Sorgen und Ängste bei schwierigen Situationen. So, wie jetzt. Um andere Leben zu retten, setzte er seines aufs Spiel. Sein Leben. So empfand es LaForge, und die anderen Offiziere sahen es nicht anders. So, wie bei Worf. Der Klingone war nie einer, der von sich aus über Gefühle redete. Er zeigte auf seine Art die Verbundenheit zu einem Kameraden. Die zögerliche Bestätigung von Geordies Befehl die Position beizubehalten und nicht doch noch etwas vorzurücken machte das für LaForge klar wie sehr auch der Klingone Sorgen machte. Geordie sah sich noch einmal um. In kurzen Abständen lagen rechts und links von ihm Sternenflottenoffiziere auf dem Boden Phasergewehre im Anschlag, die Ziele im Visier. Er blickte nach vorne in Richtung Anlage. „Mist.„, fluchte er leise, unhörbar für andere. Alles was ihm wegen Data durch den Kopf ging hatte ihn nervös werden lassen, noch mehr, als er ohnehin schon war. Aus Geordies Sicht lief alles irgendwie viel zu schnell. Seit Datas Abschied von der Enterprise hatte man sich nicht mehr gesehen. Dann ist er plötzlich wieder da, merkwürdig verändert, ein Experiment, wie er selbst erklärt, was Geordie aber noch viel mehr aufgeregt, sogar wütend gemacht hat anstatt zu beruhigen. Und jetzt in dieser Situation ein in gewaltiger Anzahl näherrückender Gegner im All und hier der Versuch mit einem schnell auszuführenden, aber auch regelrecht selbstmörderischen Plan Leben zu retten. Von Data erdacht. Und er soll ihn ausführen. Praktisch kein wirklicher Einwand dagegen. Klar, er ist mit seinen Fähigkeiten der Beste für diese Aufgabe. Doch LaForge fragte sich, wo der Einwand blieb, dass ein Freund bereit war, sein Leben mit großer Wahrscheinlichkeit zu opfern? Keiner hatte seine Stimme in diese Richtung erhoben. Und was Geordie am meisten ärgerte; er selbst auch nicht. Er nahm langsam sein Gewehr auf und visierte wieder sein Ziel an. Als er auf den Jem Hadar anlegte, fühlte er, wie die Nervosität, die ganze Unruhe sich in Wut verwandelte. Dann muss dieser verdammte Plan einfach funktionieren. Er muss. „LaForge an Enterprise. Haben Position eingenommen. Erwarten Ihre Befehle.„ „Verstanden Nummer eins.„ Auf der Brücke der Enterprise herrschte große Anspannung. Picard sah zu Data hin nickte ihm zu, woraufhin der Androide zum Turbolift schritt. „Data!?„ Man konnte die Nervosität in Picards Stimme wirklich nicht überhören. Der Androide blieb stehen, drehte sich zu Picard um. „Wir werden alles tun um sie wieder herauszuholen... viel Glück.„ „Danke, Captain.„, war die kühle emotionslose Antwort. Ohne weitere Umschweife verließ Data die Brücke. Picard schüttelte leicht den Kopf. Datas merkwürdiges Verhalten ging ihm durch den Kopf, doch nur einen kurzen Augenblick. Die Sorgen um seinen ehemaligen Brückenoffizier wegen der bevorstehenden Aktion überlagerten alles andere. „Captain, eine Nachricht von der Grenze. Die näherrückende Armada ist nur noch vierzig Minuten entfernt. Und sie wurden definitiv als Jem Hadar identifiziert.„ Die Worte des Fähnrichs am Pult von Sicherheitschef Daniels machten deutlich, dass keine Zeit mehr war. „Und spätestens jetzt wissen Sie, dass auch wir hier sind.„ Obwohl Picard um die Sensorenreichweite eines Jem Hadar Schiffes wusste und seine Aussage darauf bezog, war er sich eigentlich ziemlich sicher, dass das rasche Auftauchen dieser großen Streitmacht bedeutete, dass die Jem Hadar schon länger von der Anwesenheit der Föderationsflotte wusste. „Transporterraum an Brücke, wir sind soweit.„ „Verstanden Transporterraum.„ Picard schaute wieder zu dem Fähnrich am Sicherheitspult hin. Dieser nickte bestätigend. „Die drei Schiffe signalisieren Bereitschaft. Alle Son’a in der Siedlung sind erfasst. Sie erwarten nur noch ihr Kommando Sir.„ Picard betrachtete den Planeten auf dem Hauptschirm, atmete tief durch. „Picard an die Schiffe ... Energie!„ Das Warten begann. Picard lief langsam vor dem Steuerpult hin und her, den Blick vor sich auf den Boden richtend, ab und zu auch auf den Hauptschirm. Die ganze Brückencrew verharrte still auf den Stationen blickten entweder in Richtung des Captains, oder sahen zu dem Fähnrich hin, in Erwartung einer Meldung. Die Spannung stieg an und doch wusste jeder, dass dieser Teil des Planes noch der Einfachste war. „Captain, Meldung von den drei Schiffen. Transport erfolgreich durchgeführt. Bestätigte Anzahl: Einundvierzig Son’a wurden hochgebeamt. Sir, ich habe die Jem Hadar Patroullien beobachtet, bis jetzt ... noch keine Reaktion.„ Picard betätigte seinen Kommunikator. „Picard an Bodentruppe ... Feuer frei ... Transporterraum drei ... Ener-gie!„ LaForges Phaserschuß und der des Fähnrichs rechts von ihm trafen den Jem Hadar, den er ins Visier genommen hatte und der neben der Vorrichtung stand. Nur wenige Sekunden später materialisierte Data an dieser Stelle. Ohne sich weiter umzuschauen kniete er sich vor den Apparat hin und begann seine Arbeit. Die Jem Hadar um ihn herum lagen am Boden, rührten sich nicht. Doch das anhaltende Phaserfeuer machte Geordie klar, dass erwartungsgemäß nicht alle Treffer ihr Ziel erreicht hatten. Längst nicht alle Jem Hadar waren beim ersten Angriff tödlich getroffen worden. Es war klar, was geschehen würde. Die überlebenden Jem Hadar würden versuchen, nach vorne zu kommen um die Anlage hochgehen zu lassen. Geordie sah, dass Data noch immer seine Arbeit unbehelligt fortführte, die Wachen um ihn herum schienen tot zu sein. Es kam auf jede Sekunde an. „LaForge an gesamten Bodentrupp, wir stürmen nach vorne zum Eingang. Auf Data aufpassen, wir müssen ihm Zeit verschaffen.„ Geordie erhob sich von seiner Position und rannte mit den anderen nach vorne. Das Feuergefecht, welches in einiger Entfernung zu hören war, kam schnell näher. Ein beunruhigendes Zeichen. Es schienen eine Menge Jem Hadar überlebt zu haben. Und sie näherten sich Datas Position. Als LaForge mit der Truppe aus dem Wald auf das freie Feld gestürmt kam sah er entsetzt, wie zwei Schüsse dicht bei Datas Standort einschlugen. Der Androide fuhr ohne darauf zu achten mit seiner Arbeit fort. LaForge sah nach links. Zwei Jem Hadar rannten in Richtung Data und feuerten. Während einer der Beiden von einem Treffer zu Boden geworfen wurde, nahm Geordie den anderen ins Visier. Er traf ihn an der Schulter, der Jem Hadar geriet ins Straucheln, fiel aber nicht um. Statt dessen blieb er stehen, ließ seine Waffe fallen und griff nach einem kleinen Apparat, der an seiner Hüfte angebracht war. Geordie erkannte eine Taste, die der Jem Hadar betätigen wollte. Blitzschnell feuerte LaForge einen Schuss ab, der den Gegner an der Schläfe traf, tödlich getroffen riss es ihn zu Boden. Geordie rannte zu ihm hin, untersuchte den Apparat. Es musste die Bedienung für die Detonationsvor-richtung sein. Er schaute zu dem Androiden hinüber. „Data!„, rief er. „Noch zweiunddreißig Sekunden.„ Rief dieser zurück. LaForge sah nach beiden Seiten. Es näherten sich enorm viele Jem Hadar. Geordie fluchte innerlich, während er wieder das Feuer eröffnete. Es waren viel mehr durchgekommen, als er angenommen hatte. Und die Jem Hadar begannen nun den Beweis anzutreten, warum sie so gefürchtet wurden. Einige von ihnen stellten sich den aus dem Wald heranstürmenden Sternenflottentruppen. Trotz zahlenmäßiger Unterlegenheit gelang es ihnen, den Gegner an diesen Punkten zurückzuhalten und ihm auch Verluste beizubringen. Die anderen rannten in Richtung Eingang der Anlage wo LaForge mit seinen Leuten versuchte Data Schutz zu geben. Sie bezogen vor Data im Halbkreis Stellung und nahmen die von allen Seiten heranstürmenden Gegner unter Beschuß. Trotz heftiger Gegenwehr schienen die Jem Hadar näher zu kommen. Die eigentlich übermächtigen Sternenflottentruppen hatten ohne Deckung auf freiem Feld im Kampf allergrößte Schwierigkeiten, den Gegner im Schach zu halten. Die Jem Hadar zielten exakter, schossen schneller und trafen fast immer tödlich. LaForge begann zu verzweifeln. Der eigentlich klare Ausgang dieser Schlacht wurde immer offener. Die Jem Hadar wirkten wie entfesselte unbezwingbare Killermaschinen, die sich ihren Weg durch die gegnerischen Truppen bahnten. Urplötzlich flackerte hinter LaForge etwas auf. Er drehte sich um, sah Data an. „Der Schutzschild ist deaktiviert.„, rief der Androide ihm zu. Geordie aktivierte den Kommunikator. „LaForge an Enterprise. Mission erfüllt. Holen Sie uns ...„ LaForge brach ab. Direkt vor, aber auch hinter ihm materialisierten sich aus dem nichts Jem Hadar Soldaten und nahmen ihn und seine Leute sofort unter Beschuss. Geordie rollte sich auf die Seite um einem Angriff auszuweichen. Er feuerte sofort auf den Jem Hadar vor sich, verfehlte aber das Ziel. Zu spät sah er den nächsten Gegner auf sich zukommen. Mit einem brutalen Schlag von dessen Waffe wurde Geordies Kopf zu Seite gerissen. Er lag auf dem Boden, nicht bewusstlos, aber wie betäubt. Er sah vor sich wild kämpfende Jem Hadar, der junge Fähnrich, der im Wald neben ihm postiert war lag nun tot neben ihm. Geordie atmete schwer. Alles schien irgendwie unwirklich zu sein. Ein Albtraum nahm seinen Lauf. Er versuchte sich aufzurappeln, aber es gelang nicht. Er sah zu den Mitgliedern seines Trupps. Die meisten waren tot. Ein Jem Hadar lief zu Data, wollte ihn angreifen, doch ein Treffer in den Rücken verhinderte es. LaForge sah, wie Data mit scheinbarem Desinteresse einfach nur dastand und sich kaum rührte. Hilflos musste Geordie mitansehen, wie zwei weitere Jem Hadar auf den Androiden zustürmten, vor ihm halt machten ihn ins Visier nahmen und das Feuer eröffneten. „Wehr dich, oh Gott ... wehr dich doch!„, schrie Geordie heraus. Doch Data stand nur da und ließ den Beschuss auf sich niedergehen. Seine Konstruktion hielt eine Menge aus. Doch die Jem Hadar konnten ungestört weiter auf ihn feuern. Langsam gab er nach. Die Schüsse durchdrangen den Körper. Data fiel auf den Boden. Doch die Jem Hadar in ihrer rasenden Wut hörten nicht auf. Sie feuerten auf den regungslos daliegenden Körper ihres Opfers. Es schien eine Ewigkeit zu dauern, bis Geordies Sicht auf die grausame Aktion von hellen Lichtschlieren, die vor seinen Augen auftauchten verdeckt wurden. Er schloss seine Augen und ließ zu, dass die Dunkelheit von ihm Besitz ergriff.
Picard betrat die medizinische Station. Sie war voll belegt. Die leichtverletzten standen oder saßen auf dem Boden und wurden versorgt. An den Krankenbetten arbeiteten mehrere Teams an den schweren Fällen. Dr. Crusher führte eine Operation durch, Worf und Daniels standen bei ihr, der linke Arm des Klingonen war bandagiert. Picard kam dazu, es war Geordie, der auf dem Bett lag. „Schädelbruch Captain. Aber er kommt wieder in Ordnung.„ Sie hatte nicht einmal aufgeschaut, wusste dass er da war. Nur eine Sekunde gestattete sich Picard sich den Anflug von Amüsement deswegen. Er sah die beiden Männer an. „Kommen Sie.„ Die beiden folgten dem Captain nach draußen. Als die Tür sich hinter ihnen schloss blieb der Captain stehen, drehte sich zu Worf und Daniels um. „Was ist dort unten passiert?„ Die beiden sahen sich kurz an. Worf ergriff das Wort. „Um es auf den Punkt zu bringen Sir, hätte der Kampf nur etwas länger gedauert, hätten wir ihn verloren. Ich habe mit den Jem Hadar häufig genug zu tun gehabt, ich kenne sie gut, weiß wie sie kämpfen. Wir waren heute in genügender Überzahl. Jeder wurde von uns ins Visier genommen. Doch nur am Eingangsbereich, wo Commander LaForge jeden Wachtposten mit zwei Schützen angriff, waren die Jem Hadar außer Gefecht gesetzt worden. Der größte Teil der Wachtposten auf die nur ein Schütze angelegt hatte überstanden den Angriff unbeschadet.„ „Wollen sie mir sagen, dass die Schützen schlecht geschossen haben, oder die Distanz doch zu groß war?„ „Nein Sir, daran lag es nicht.„, antwortete Daniels. „Aber uns ist etwas aufgefallen. Worf und ich zielten auf den Brustbereich der Wachen. Und wir trafen auch, absolut perfekt. Sie wurden von den Füßen gerissen. Aber keine zehn Sekunden später standen sie wieder auf den Beinen. Keine Anzeichen einer Beeinträchtigung, keine Verletzung. Nichts. Statt dessen begannen sie gleich aktiv zu werden, feuerten zurück. Als wir auf das freie Gelände stürmten, lagen nur wenige Jem Hadar am Boden. Ich sprach eben mit Commander Worf darüber. Wir meinen gesehen zu haben, dass es nur jene waren, die Treffer am Kopf hatten. Der restliche Körper, ausgenommen Schulter und Rückenbereich, muss einen verstärkten Schutz haben. Wie gesagt, nur doppelter Beschuss zeigte auch sofort Wirkung.„ Worf ergänzte. „Und im Kampf auf freiem Feld waren sie uns klar überlegen. Sie waren so unglaublich schnell und präzise. Captain, ich glaube nicht, dass diese Jem Hadar einfach nur der übriggebliebene Rest des Dominionkrieges ist. Ich vermute, es handelt sich um eine ganz neue Generation von Kriegern. Genetisch enorm weiterentwickelt. Und das bedeutet, wer auch immer das geschafft hat, ist auch in der Lage, eine neue gewaltige Armada von Jem Hadar heranzuzüchten und aufzubauen.„ Picards Mine war versteinert. „Wir könnten am Beginn eines neuen Krieges stehen. Eines Krieges, den wir diesmal nicht gewinnen würden.„ „Brücke an Captain Picard.„ „Hier Picard, was gibt es?„ „Sir, die Flotte hat sich versammelt und meldet Bereitschaft zum Abflug. Und die Defiant kehrt soeben mit den anderen Schiffen zurück. Colonel Kira möchte sie sofort sprechen.„ „Verstanden, ich komme auf die Brücke.„ Picard stieß einen tiefen Seufzer aus. „Hoffentlich bringt sie gute Nachrichten.„ „Sir, was ist mit Data? Konnte schon irgendjemand sagen, was passiert ist?„, wollte Worf wissen. „Nein, ein Fähnrich hat erzählt, dass Geordie mit seinen Leuten sich vor Data postiert hatte und in schwere Bedrängnis geraten war. Plötzlich wären mitten unter ihnen Jem Hadar materialisiert, vermutlich Wachen, von innerhalb der Anlage. Mehr konnte er nicht berichten, er musste selbst um seine Leben kämpfen wie alle. Barcley untersucht seinen ... seinen Körper. Ich habe noch nichts von ihm gehört. Ich fürchte aber, dass es schlecht aussieht.„ Die drei Männer standen einen Augenblick schweigend im Gang. Ohne weitere Worte trennte sie sich, Picard betrat einen Turbolift. Auf dem Weg zur Brücke ging er im Gedanken noch einmal die Geschehnisse der letzten Tage durch. Die Untersuchung der Überfälle, der Gegenangriff auf den Planeten der Son’a. Man wusste nun einiges mehr, doch die wichtigste Frage war mehr denn je offen. Wer ist der eigentliche Gegner, der Drahtzieher, der Feind im Hintergrund, welcher die Fäden in der Hand hält? Wer auch immer, er hatte es bis jetzt sehr gut verstanden, keine Spuren zu hinterlassen, die zu ihm führen könnten. Das Dominion, dessen war sich Picard sicher, kam nicht in Betracht. Die Geschehnisse der letzten Zeit, die Informationen, die man hatte, deuteten darauf hin, dass alles seinen Anfang unmittelbar nach Ende des Krieges genommen hatte, als das Dominion sich aus dem Alphaquadranten offiziell zurückzog. In einer Phase also, wo sich alle Parteien erst einmal die Wunden leckten, hatte es irgendjemand verstanden, die Hinterlassenschaften des Dominion für sich nutzbar zu machen. Und nicht nur das. Dieser Unbekannte Jemand hatte es nicht nur geschafft, eine neue gewaltige Armee von Jem Hadar heranzuzüchten, Kampfschiffe inklusive. Es gab in beiden Bereichen eine nicht zu übersehende Weiterentwicklung. Die Schiffe waren verbessert worden, verfügten über neue effizientere Waffensysteme. Und wenn Worfs Aussage zutreffend war, hatte man besondere Sorgfalt bei der Entwicklung neuer Krieger walten lassen. Die Jem Hadar, auf die man hier getroffen war, waren in jeder Hinsicht, was technische und körperliche Ausstattung betraf eine deutliche Weiterentwicklung gegenüber jenen, auf die man im Krieg gestoßen war. Solche Verbesserungen konnten nur von hochgradigen Wissenschaftlern durchgeführt werden. Doch wer war es, wer war in der Lage praktisch nahtlos nach Kriegsende die Jem Hadar, die es noch gab, einzusammeln? Wer konnte sich technischer Ausrüstung des Dominion bemächtigen, ihre Arbeit fortzuführen und im Endergebnis noch deutlich zu verbessern? Picard suchte im Gedanken versunken nach einem Hinweis. Als der Lift stoppte betrat Picard die Brücke und ging zu seinem Stuhl. Er nahm langsam darauf Platz, lehnte sich zurück. Er sah auf den Boden vor sich, schloss kurz die Augen verzog den Mundwinkel und schüttelte den Kopf. Er blickte zum Hauptschirm, stieß einen Seufzer aus. „Verbindung zur Defiant,„ befahl er. Hoffentlich hatte Colonel Kira etwas. Ihr Gesicht erschien auf dem Hauptschirm. „Hallo, Colonel, Sie kehren zu einem sehr günstigen Zeitpunkt zurück. Unsere Mission hier ist beendet. Wir sind bereit zum Abflug und sollten uns beeilen. Eine weitere Armada von Jem Hadar Schiffen trifft in Kürze hier ein. Was haben Sie herausgefunden?„ „Tut mir leid, Captain, nichts. Keine Schiffswerften, Raumbasen, Stationen auf anderen Planeten, gar nichts. Keinerlei militärische Anlagen. Wir haben uns in der kurzen Zeit die wir hatten auf das größtmögliche Gebiet verteilt, mit allen Sensoren nach allem nur denkbaren geforscht. Ohne Erfolg. Ich kann nur hoffen, dass sie etwas mehr Erfolg hatten.„ Bei Kiras Worten hatte Picard seine rechte Hand zur Faust geballt, dass einzige Zeichen von Verärgerung und Enttäuschung. Er tat es immer noch, als er ihr antwortete. „Nun ... wir wissen jetzt wenigstens, dass die Son’a nicht dahinterstecken. Die Jem Hadar haben sie hier wie auch auf den Planeten der Tarlac und der Elora in ihre Gewalt gebracht und hier das White für sich herstellen lassen. Es ist uns gelungen, alle Son’a aus der Siedlung wie auch aus der Anlage herauszuholen. Ich habe mit dem Oberkommando gesprochen, wir werden von hier verschwinden, ein Teil der Flotte ist abkommandiert, die Heimatweltel der Elora und der Tarlac zu befreien, wir vermuten, dass uns dort nur wenig Widerstand erwartet.„ „Und wer hinter dem ganzen steckt...„ „Wissen wir noch immer nicht.„, beendete Picard Kiras aufgeworfene Frage gleich mit einer Antwort. Kira sah den Captain der Enterprise an, sie schien über etwas nachzudenken. „Captain Picard, ... ich hätte da eine Idee.„ Picard verschränkte die Arme, runzelte die Stirn. „Und was ist das für eine Idee?„ Kira setzte ein leichtes Lächeln auf. „Eine, die möglicherweise mit viel Geduld und einer gehörigen Portion Glück verbunden wäre.„
* * *
Der Planet Galor IV sah der Erde vom All aus betrachtet nicht unähnlich. Den Spitznamen „Kleiner Bruder„ hatte er deswegen bereits erhalten. Anstelle eines ihn umkreisenden Mondes war ein riesiges Raumdock in der Umlaufbahn, sowie drei Reparaturdocks. Von der großen Armada an Schiffen, die mit Warpgeschwindigkeit in der Nähe vorbeiflogen, hatten sich sieben Schiffe abgesetzt, die nun mit niedriger Impulskraft näher kamen. Drei Schiffe steuerten die Reparaturdocks an, drei weitere das große Raumdock. Ein Schiff machte trotz seiner sichtbar starken Beschädigungen keinen Anstalten, es den anderen Schiffen gleichzutun. Während die anderen Schiffe langsam ihre Plätze in den Docks einnahmen, trat die Enterprise in eine nahe Umlaufbahn um den Planeten ein. In einem schwach beleuchteten Raum, saß Will Riker auf einer Bank. Er starrte ausdruckslos auf den Sarg, der vor ihm stand. Er war mit Deanna zusammen hierher gekommen. Sie hatten beide lange über Data gesprochen, hatten Anekdoten ausgetauscht Und über ihre jeweilige Beziehung zu ihm geredet. Nach einer Weile hatten Sie nur noch stumm dagesessen. Deanna ging schließlich, Will wollte noch etwas bleiben. Er hing seinen Gedanken nach, sein Gehirn holte für ihn immer wieder Bilder, Ereignisse in Zusammenhang mit dem Androiden vor das geistige Auge. So viele Begebenheiten, kleine Geschichten, die durch Datas Anwesenheit, seine geradezu kindlicher Neugier beim betrachten menschlicher Eigenheiten eine besondere Note erhielten. Und vielfach eine ungewollt komische. Riker fing an zu lächeln, als er in diese Gedankenflut eintauchte. So merkte er im ersten Augenblick nicht, wie die Tür aufging und Geordie eintrat. „Na, Leidensgenosse,„, begrüßte er den Ankömmling schließlich. „Was macht der Schädel?„ Geordie sah stumm auf den Sarg, ging um ihn herum und nahm neben Riker Platz. „Besser.„, kam dann die knappe Antwort. Der Sarg vor ihnen war mit dem Föderationsbanner bedeckt. Die beiden Männer starrten auf die Torpedohülle, die üblicherweise dazu diente, die sterblichen Überreste aufzunehmen. Nach einigen Augenblicken sah Riker zu Geordie hin. Ihm fiel dessen Unruhe auf. Er atmete heftiger, der ganze Körper strahlte große Nervosität aus. Riker legte seine Hand auf Geordies Schulter. „So etwas miterlebt haben zu müssen, zu akzeptieren, dass es nicht verhindert werden konnte, ist schwer.„ Versuchte er ihn zu trösten. Geordie schüttelte den Kopf. „Wenn’s ja nur das wäre. Aber was ich dort sah, er... er hat sich nicht mal gewehrt. Stand nur da und ließ sich ohne den Anflug eines Widerstandes einfach abknallen. Die Mistkerle hatten alle zeit der Welt. Ich kapiere es nicht. Es will mir nicht in den Sinn.„ Er wirkte verzweifelt, wütend. Die Tür öffnete sich, es war Captain Picard. „Entschuldigen sie die Störung meine Herren. Wir sind im Orbit von Galor IV und falls auch sie Antworten auf ein paar Fragen haben möchten ...„ Die beiden Männer standen abrupt auf und folgten Picard. Im Transporterraum trafen sie auf die anderen Offiziere. Alle waren da. Picard, Riker, LaForge, Worf Crusher und Troi. Schweigend sahen sie einander an. Irgendwie war dies ein besonderer Moment. Trotz des traurigen Hintergrundes, der sie hier zusammenführte, begannen sich die Minen bei allen ganz langsam etwas aufzuhellen. Ohne dass es eine Erklärung dafür zu geben schien, fühlten alle dasselbe. Anstelle der Trauer machte sich ein Gefühl der Zuversicht breit. Langsam betraten alle die Transporterplattform. Picard nickte Lieutenant Daniels nur wortlos zu. „Energie!„, gab dieser den Befehl an den Fähnrich weiter, der neben ihm den Transporter betätigte.
Auf Galor IV materialisierten die sechs Offiziere vor einem großen Gebäudekomplex, eine Grünanlage zog sich vor und zwischen den Gebäuden durch. Über dem Eingang des Gebäudes vor ihnen standen die Worte „Daystrom Institut„. Ein junger Lieutenant kam aus dem Eingangsbereich auf die Ankömmlinge zu. „Captain Picard?„ Der Captain nickte ihm zu. „Willkommen auf Galor IV. Wenn sie mir alle bitte folgen wollen.„ Die Gruppe betrat das Gebäude. Auf der linken Seite hing an der Wand ein Bild des Namensgebers des Instituts, ein Pionier auf dem Gebiet der Weiterentwicklung von Computern. Wie wohl jeder Sternenflottenoffizier, so kannte auch Picard die Geschichte dieses Mannes und sein Lebenswerk und die Schattenseiten, die Gefahren, die mit seinem enormen Engagement für seine Arbeit verbunden war; zu Lebzeiten das verzweifelte Bemühen um die Anerkennung für seine Tätigkeit. Und als es schließlich geschafft war, nach vielen harten Jahren der Forschung, als er begann, den verdienten Respekt einzuheimsen, kam es zum tragischen Zwischenfall an Bord der Enterprise unter Captain Kirk. Die Krone seiner Schöpfung, das Computerprogramm M5 sollte an Bord des Sternenflotten Flaggschiffs getestet werden. Es sollte der Höhepunkt seines Schaffens sein. Der Computer sollte die Aufgaben der Besatzung übernehmen, wissenschaftliche Forschung und Kampfeinsatz in Simulationen getestet werden. Beeindruckte es die anwesende Führungsriege der Enterprise zu Beginn noch, nahm das Unglück im simulierten Kampf mit vier anderen Schiffen seinen Lauf. Der Computer machte einen echten Kampf daraus, was die Vernichtung eines Schiffes und den Tod Hunderter zur Folge hatte. Für Daystrom, der an die Unfehlbarkeit seiner Schöpfung fest glaubte, ein Schock. Er drehte durch. Nur mit Mühe gelang es, den Computer zu stoppen. Für Daystrom war sein Lebenswerk zerstört; er erholte sich nie von diesem schrecklichen Ereignis. Kurz nach seinem Tod wurde dieses Institut gegründet und nach ihm benannt. Picard betrachtete nachdenklich das Bild dieses Mannes. In seinen Augen war Daystrom ein Beispiel dafür, wie der Wunsch nach Anerkennung, gepaart mit einem Übermaß an Arbeitseinsatz, schließlich in einer Katastrophe endete. Er dachte an Data, sein Verhalten in der kurzen Zeit an Bord, die Erklärung, die er Geordie dafür gegeben hatte und an dessen Bericht, wie er sich praktisch wehrlos von den Jem Hadar hatte erschießen lassen. Er fragte sich, ob auch Data in seiner Arbeit zu weit gegangen war. Gab es da, wenn auch entfernt Parallelen zu Daystrom? Er ging weiter den Gang entlang und schloss wieder zur Gruppe auf, die vor einer großen Tür halt gemacht hatte. „Wir sollen hier warten„, wurde Picard von Riker empfangen. Der Captain der Enterprise wollte etwas erwidern, als die Tür aufging und eine junge Frau auf sie zukam. Picard erkannte sie als diejenige, mit der er gesprochen hatte, bei seinem Versuch, Data für die Mission zu gewinnen. Mit strahlendem Lächeln schüttelte sie dem Captain die Hand. „Captain Picard, willkommen in unserem Institut. Ich schätze, dass unsere Unterhaltung diesmal störungsfrei verlaufen wird.„ Picard empfand das Auftreten der jungen Dame als höchst unangebracht und hätte ihr das am liebsten auch in aller Deutlichkeit gesagt. Aber als diese Frau ihm direkt gegenüber stand, wurde dieser Gedanke von einem gänzlich anderen verdrängt. Er hatte das Gefühl, ihr schon einmal begegnet zu sein, sie von irgendwoher zu kennen. „Entschuldigen Sie, aber würden Sie mir bitte mal sagen wer Sie sind?„ Die junge Frau schaute in die Runde, der vor ihr stehenden Offiziere ihr Blick blieb an Deanna haften. „Vielleicht kann Commander Troi Ihnen einen kleinen Hinweis geben.„ „Woher wissen Sie meinen Namen?„, reagierte Deanna erstaunt. Die Frauen sahen sich kurz an, dann riss Troi die Augen weit auf. „Wenn sie mir jetzt folgen wollen„, drehte sich die Frau um und ging voraus. Die Offiziere folgten ihr, alle machten einen verwirrten Eindruck. Was sollte dieses komische Verhalten nur? Als alle durch die Tür gingen, trat Picard an Troi heran. „Was ist los Deanna?„, fragte Picard. „Ich habe eine Vermutung, warten Sie noch einen Augenblick„, antwortete Deanna. Picard zuckte hilflos mit den Schultern und schluckte seinen Frust darüber hinunter, dass man ihn wohl noch länger im Unklaren lassen wollte. Sie betraten einen großen Raum, Computerkonsolen an allen Seiten, im Raum verteilt Tische, an denen Wissenschaftler arbeiteten. Sie alle stellten ihre Arbeit ein, als Picard und seine Leute eintraten. Die Frau drehte sich wieder zu ihnen um. „Das ist das Hauptlabor, in dem mein Vater und ich arbeiten. Die Grundlage unserer Arbeit ist, wie man es bei einem Haus, das diesen Namen trägt, vermuten kann, die Erforschung und Weiterentwicklung der Computertechnologie.„ Sie trat wieder näher zu Captain Picard hin. „Mein Vater hat es sich dabei vorrangig zum Ziel gemacht, mit den Technologien von Morgen den Weg für eine ganze Generation von Androiden frei zu machen. Als Basis für die Arbeit dienen uns Doktor Noonien Soongs Forschungs- und Entwick-lungsdaten bezüglich des Aufbaus und der Funktion eines positronischen Gehirns. Innerhalb des ersten Jahres unserer Tätigkeit hier, sind phänomenale Ergebnisse gelungen. Wir sind weitaus schneller vorangekommen als gedacht.„ Plötzlich trat Deanna nach vorne. „Und sie stellen eines dieser ... Ergebnisse dar ... Lal!?„ Alle schauten Troi er-staunt an. Sie lächelte die Frau an, die vor ihnen stand. „Wie haben Sie sie eben genannt?„, fragte Picard fassungslos nach. „Sie hat meine Tochter mit ihrem Namen angesprochen, Captain Picard.„ Der Captain und die anderen drehten ihre Köpfe in die Richtung, aus der die Stimme geantwortet hatte. Einer der Wissenschaftler drehte sich zu ihnen um und kam auf sie zu. Er hatte sein silbergraues Haar nach hinten gekämmt, die Gesichtshaut war gleichwohl von leichten Falten durchzogen. Erstaunen, absolute Fassungslosigkeit, spiegelte sich bei seinem Anblick auf allen Gesichtern wieder. Der Mann nahm die junge Frau in den Arm und trat vor Picard hin. Der Captain schüttelte den Kopf und begann zu Lachen. „Data, sie haben uns in all den Jahren so viele Male überrascht. Aber das hier übertrifft alles je gewesene noch bei weitem. Und deswegen ... bitte ... erklären Sie endlich, was passiert ist, sonst stehe ich morgen noch mit diesem Gesichtsausdruck vor Ihnen.„ Data und Lal sahen sich lachend an. Es wirkte auf den Betrachter völlig natürlich, nichts künstliches konnte man in dem Auftreten der Beiden sehen. Nur Datas Gesicht, das trotz der reiferen Züge, der grauen Haare und den Falten immer noch den Androiden zeigte, aber das war auch schon alles. >Menschlich<, war das Wort, das Picard durch den Kopf ging. Data begann zu erzählen. „Captain, es tut mir zunächst einmal leid, dass ich Ihnen bei dieser Mission nicht persönlich helfen konnte. Ich bedaure auch, dass die Lösung, die ich und meine Tochter für dieses Problem hatten, bei Ihnen für ... Naja, Verwirrung gesorgt hat.„ „Milde ausgedrückt„, antwortete Geordie, alle lachten. Data fuhrt. „Lal benachrichtigte mich, dass Sie versucht hatten, Kontakt zu mir herzustellen, weil Sie mich bräuchten. Ich nahm zum Oberkommando Kontakt auf und erfuhr von der geplanten Aktion. Lal und ich suchten nach einer Möglichkeit, Ihnen trotzdem zu helfen und ersannen eine wie wir glaubten akzeptable Lösung für das Problem. Da ein weiterer Androide zu Vefügung stand, schlug ich Lal vor, ihn mit den notwendigsten Daten und Parametern bezüglich seiner Arbeit auf der Enterprise und des Umgangs mit den Kameraden auszustatten. Am Ende der Mission wären die Daten wieder gelöscht worden, um ein Experiment fortzuführen, welches zu diesem Zeitpunkt gerade lief.„ „Wir alle glaubten, dass Sie selbst an Bord wären. Hätte der Android nicht sagen können, dass er nicht Data ist? Im Nachhinein gesehen, finde ich das uns gegenüber unfair Data. Wir alle haben in den letzten Tagen einen Kameraden betrauert, dachten Sie wären tot.„ „Ich bedaure das aufrichtig Geordie. Aber zum einen hatten wir nicht die Zeit, um den Androiden mit allen Daten zu versorgen, zum anderen war ich der Meinung, dass diese Mission all Ihre Aufmerksamkeit erfordern würde und die ganze Wahrheit eine Belastung und Ablenkung wäre.„ Picard wurde bei diesen Worten hellhörig. „Die ganze Wahrheit? Data ... haben Sie uns noch etwas zu sagen?„ Data wirkte bei dieser Frage tatsächlich etwas verlegen. „Nun, um ehrlich zu sein Captain ... Der Android, der bei Ihnen an Bord war; es handelte sich bei ihm um keine Neukonstruktion ...„ Alle sahen Data verwirrt an, aber bei Geordie fiel der Groschen. „Oh Mann ... Lore. Sie haben uns Lore geschickt.„ Data nickte bestätigend. „Das ist richtig. Nachdem ich ihn damals außer Gefecht gesetzt hatte, löschte ich seine Programmierung, alles was seine Persönlichkeit darstellte komplett. Er selbst war also tot, aber sein Körper, wie auch sein positronisches Gehirn, halfen uns hier bei unserer Forschung. Und so hielt ich es auch für angemessen, dass er, wenn auch mit meinem Programm ausgerüstet, bei Ihnen an Bord etwas von dem Schaden welchen er angerichtet hatte, wieder gutmachen würde.„ Picard sah die anderen Offiziere an, dann wieder Data und Lal. „Hmm ... Ich würde sagen; es ist ihm gelungen. Ich werde veranlassen, dass er hier ins Institut zurückgeführt wird, ich denke, das ist in Ihrem Sinne Data.„ „Das ist es. Danke, Captain.„ Picard schaute die beiden einen Moment lang wortlos an. „Vater und Tochter, bemerkenswert. Bevor wir hier herein kamen, habe ich mir Daystroms Bild angesehen und über ihn nachgedacht. Angesichts seiner Lebensgeschichte hatte ich vermutet, nach den Geschehnissen der letzten Tage, dass auch Sie in gewisser Weise Ihrem Forschungsdrang zum Opfer gefallen waren.„ „Ein interessanter Gedanke Captain. Aber ich glaube, dass da doch ein Unterschied zwischen Dokter Daystrom und mir ist. Er hatte in jungen Jahren mit seiner Arbeit einen riesigen Erfolg, galt als Wunderknabe. Doch ihm schlug auch Misstrauen entgegen, da es ihm nicht gelang, diese Erfolge auszubauen oder zu erneuern. Hinzu kam, dass Projekte, die er ersann, von anderen aufgegriffen und weitergeführt wurden. Die Anderen ernteten die Lorbeeren, er nichts. In seinem Bestreben, allen zu beweisen, zu welchen Leistungen er fähig ist, verlor er den Blick für seine Umgebung. Er isolierte sich, war ein einsamer Mann. Niemand war an seiner Seite, machte ihm klar, wieviel bedeutsames er schon geleistet hatte. Niemand sprch für ihn. Ich dagegen hatte das Glück für meine Arbeit Lob und Anerkennung zu erhalten, genauso wie ehrlich gemeinte Kritik. Und zwar von einer ganzen Reihe von Personen die mir nahe stehen. Und die ich meine Freunde nennen darf, meine Familie.„ Bei diesen Worten sah Data jeden seiner alten Kameraden an und blickte dann zu Lal. „Worte eines Androiden.„ Sagte Picard stolz. „Nie war mir so klar wie in diesem Augenblick, zu welcher Entwicklung sie fähig sind. Sie haben Ihren Platz im Leben gefunden.„ „Dank Ihnen, Captain. Sie haben sich mehr als einmal für mich und mein Recht auf Selbstbestimmung eingesetzt, dafür sogar Ihre Karriere riskiert. Ohne das wäre ich heute nicht hier. Und wir wären keine Freunde. Hier kann ich die Arbeit meines Schöpfers Doktor Soong fortsetzen. Und ich arbeite nicht allein. Ich kann viel einbringen, lerne aber auch immer noch sehr viel dazu. Dadurch ist es mir gelungen, meine eigene Entwicklung auch auf geistiger Ebene fortzuführen und so zu mehr Reife zu gelangen.„ „Sie werden keinen Widerspruch ernten Data.„ Die beiden Männer reichten sich die Hände. „Wenn Sie meine Dienste wieder benötigen sollten Captain, versichere ich Ihnen, dass ich selbst kommen werde.„ „Das wüsste ich zu schätzen. Wir sind alle sehr stolz auf Sie Data.„ „Danke, Captain Picard. Und Euch meine Freunde, alles Gute.„ Alle verabschiedeten sich von Data, während Picard Lal ansah. „Passen Sie gut auf Ihren Vater auf!„ „Das werde ich, versprochen.„ Lachte sie zurück. Sie ging zu Data und nahm seine Hand. Beide sahen der Gruppe nach, die den Raum verließ, von jedem erhielten sie einen letzten Blick, ein Lächeln, sorgar von Worf. „Das sind Freunde„, merkte Lal an. „Oh ja,... das sind sie wirklich„, antwortete Data und gab seiner Tochter einen Kuss auf die Wange.
Kira Nerys betrat die Brücke der Defiant. „Was gibt es Lieutenant?„ „Colonel, das Jem Hadar Geschwader zieht wieder vom Planeten ab.„ „Gut. Verfolgungskurs eingeben und auf Distanz bleiben. Wenn wir dem Planeten Nahe kommen, kontrollieren, dass auch alle Schiffe weg sind!„ „Verstanden, Colonel„, wurde ihre Anweisung vom Steuermann bestätigt. Die Defiant löste sich aus ihrer Position im Asteroidenfeld welches in der Nähe des Son’a Planeten war. Langsam näherte sich das Schiff dem Planeten. „Was sagen die Scanner?„, wollte Kira wissen. „Keine Schiffe zu sehen, nur eine... Moment... eine Energiesignatur.„ „Sofort halten!„, befahl Kira und ging an das Steuerpult; sie warf einen Blick auf die Anzeigen. „Kaum auszumachen. Irgendwas ist da im Orbit. Gut aufgepasst, Lieutenant. Und was halten Sie von diesen Werten?„ Der junge Sternenflottenoffizier analysierte die Anzeige. „Offengestanden, Colonel, sieht das nach einer Tarnvorrichtung aus.„ „Und eine wesentlich bessere als jene, die die Jem Hadar bei ihren Angriffen verwendet haben. Haben sie uns entdeckt?„ „Nein, Colonel.„ „Sehr gut, dann lassen wir die Jem Hadar mal ziehen. Wir bleiben hier und behalten dieses getarnte Schiff schön im Auge.„ Julian trat an ihre Seite. „Wenn wir hier im freien Raum bleiben, werden sie uns entdecken.„ „Ich weiß, Doktor. Antrieb deaktivieren, Computer abschalten, nur den Scanner auf den Planeten gerichtet lassen.„ Kira nahm auf dem Kommandostuhl platz. Die Brücke verdunkelte sich. Julian stieß einen Seufzer aus. „Auf der alten Defiant war zwar nicht so dunkel, aber dafür war dann auch unsere Tarnung aktiviert. Ich wünschte wir hätten sie jetzt.„ „Hey, ein bißchen mehr Optimismus Julian. Meine Idee, nicht mit der Flotte zurückzufliegen, sondern hier zu bleiben und mal die Augen aufzuhalten, ob außer den Jem Hadar noch jemand auftaucht hat sich schon bezahlt gemacht. Und mit etwas Glück reicht das Abschalten der wichtigsten Systeme schon aus, um nicht entdeckt zu werden. Wir brauchen nur etwas Geduld, dann kommen wir einen ganz entscheidenden Schritt weiter.„ Bashir behielt seinen pessimistischen Gesichtsausdruck bei, als er an seiner Konsole wieder Platz nahm. Kira blickte nach vorne. „Scanner?!„ „Negativ, Colonel. Das getarnte Schiff ist immer noch in der Umlaufbahn des Planeten. Sie haben auch keine Abtaster aktiviert.„ Meldete der Steueroffizier. „Wer sagt es denn?„, antwortete sie in Richtung Julian. „Sie bleiben hier, wollen die Situation auf dem Planeten beobachten. Dafür werden sie nicht lange brauchen. Und wenn sie wegfliegen, hängen wir uns dran.„
* * *
Jean Luc Picard stand am Aussichtsfenster und blickte auf die Sterne. Er beobachtete ihre Veränderung aus langgezogenen Strichen wurden wieder kleine Punkte, als die Enterprise von Warpgeschwindigkeit auf Impuls-geschwindigkeit herunterging. Das heimatliche Sonnen-system war erreicht, die Erde würde bald vor ihnen auftauchen. Er drehte sich um, als Beverly Crusher einen erschrockenen Ton von sich gab. Sie sah den Captain mit hochrotem Kopf und einem Blick der Verlegenheit an. Sie legte die Gabel hin, bückte sich unter den Tisch. Picards Blick folgte ihr. Ein großes Stück Ananas lag auf dem Boden. Sie hob es vorsichtig wieder auf. Der Captain grinste amüsiert. „Den Mund mal wieder zu voll genommen, hm?„ „Tut mir leid, Jean Luc. Heute Morgen ist irgendwie der Wurm drin.„ Nicht nur heute Morgen, dachte Picard. „Hinterläßt Ananas eigentlich Flecken? ... ist das peinlich, schon das zweite mal auf dieser Reise ... es macht doch keine Flecken oder?„ Picard schloss die Augen und schüttelte nur den Kopf. „Wie wäre es, wenn Sie einfach dafür sorgen, dass ich mir diese Frage nicht stellen muß.„ „Bin schon dabei.„ Mit ihrer Serviette bearbeitete die Ärztin äußerst konsequent den Teppichboden. Mit eiligen Schritten ging Picard zu ihr hin und zog den Tisch ein Stück weg, gerade als die Ärztin sich wieder aufrichtete. „Oh, ... danke.„ Sie lächelte wieder etwas verlegen den Captain an. Hätte er den Tisch nicht weggezogen, wäre es zum unangenehmen Kontakt mit Beverlys Hinterkopf gekommen. „Kein Fleck zu sehen, Glück gehabt.„ Die Ärztin setzte sich wieder auf ihren Stuhl. Picard rückte den Tisch wieder nach vorne und nahm ebenfalls Platz. Er sah Beverly an, die seinen Blick nur kurz erwiderte und ihm dann auswich. „Beverly, ich denke, wir alle müssen jetzt erst einmal die Geschehnisse der letzten Tage verdauen. Innerhalb kurzer Zeit mussten wir den Verlust vieler Leben hinnehmen, unsere Mission mit der Flotte war bis jetzt nur ein Teilerfolg. Wir mussten den Tod von Freunden annehmen. Die Sache mit Data. Aber in beiden Fällen hatten wir Glück. Sie kehrten Lebend zurück. Erst recht nach der Geschichte mit Data konnte ich feststellen, dass die Stimmung an Bord auf dieser Rückreise deutlich besser geworden ist. Ich bin mir aber auch im klaren, dass dieser Effekt nur vorrübergehend ist. Und bin mir bewusst, dass all diese Dinge nichts mit Ihnen zu tun haben. Seit unserem Abflug haben Sie in meiner Gegenwart ein zumindest merkwürdig zu nennendes Verhalten an den Tag gelegt. Sie wirken so übernervös. Nach der Abreise von Galor IV habe ich mich auf der Krankenstation umgesehen. Ich betone das Wort >umgesehen<. Ich habe mich nicht nach Ihnen erkundigt. Ich konnte sehen, dass dort alles einwandfrei funktioniert. Sie führen Ihre Abteilung, wie üblich, hervorragend Beverly. Während der Mission haben Sie großartiges geleistet. Absolut vorbildlich. Komisch ist es nur wenn wir zwei alleine sind. Ich kann nicht sagen, dass etwas besonderes passiert wäre; es sind nur kleine Sachen, so wie das hier eben. Sie können gerne sagen, dass ich übertreibe, etwas sehe was gar nicht ist. Falls es aber etwas gibt über das sie mit mir sprechen möchten, dann tun Sie es bitte jetzt.„ Der Verlegenheitsblick wich aus dem Gesicht der Ärztin sie sah Picard gefasst an. „Ich weiß, ich habe mich in letzter Zeit bei Ihnen zum Narren gemacht. Ich habe mich wie ein bescheuertes Huhn aufgeführt ... es gehen mir schon seit längerem Gedanken durch den Kopf, was ich mit dem Rest meines Lebens anfangen möchte. Es hat in den letzten Jahen hier einige Veränderungen an Bord gegeben, die mich zum Nachdenken gebracht haben. Vor allen Dingen, was sich zwischen Will und Deanna abgespielt hat. Ich habe mich damals so gefreut für die beiden. Es war auch der Ausgangspunkt, von dem aus ich begann, häufiger über mich nachzudenken. Und ich fühle, dass es an der Zeit ist mein Leben in andere Bahnen zu lenken. In zwei Jahren endet meine Dienstzeit in der Sternenflotte. Ich habe lange darüber nachgedacht. Ich möchte bleiben, weitermachen, aber nicht mehr hier, nicht mehr an Bord eines Raumschiffes. Ich möchte zurück auf die Erde.„ Jean Luc Picard lehnte sich in seinem Sessel zurück. „Ich verstehe sie Beverly. Das Leben geht für uns alle weiter, wir werden älter. Einstellungen, Ansichten ändern sich. Obwohl ich gestehe, nicht nur als Kommandant, mehr noch als Freund, dass ich Ihren Abschied sehr bedauern würde.„ „Bedauern ... wäre das alles?„ Picard wurde von ihrer Frage überrascht. Er sah sie an, blickte in ein Gesicht, dass einen flehenden Ausdruck angenommen hatte. Langsam dämmerte es ihm, worum es der Ärztin wirklich ging. „Beverly... ?!„ „Ich möchte einfach wissen, Jean Luc, gäbe es in diesem Leben auch eine Chance ... für uns?„ Die Ärztin und der Captain sahen sich an, Picard suchte nach Worten, aber es kam nur ein hilfloser Blick in Richtung Beverly. „Jean Luc, all die Jahre war zwischen uns etwas gewesen, ein Gefühl, dass unsere Beziehung mehr darstellte, als eine einfache Freundschaft. Es gibt wahrscheinlich einige Gründe, die jeder von uns nennen könnte, warum es nie mehr wurde. Warum der letzte Schritt ausblieb. Hatte es mit Wesley zu tun, mit unserer Arbeit hier an Bord? Sie sagten selbst, das Leben geht für uns alle weiter. Und meines, das weiß ich, wird nicht hier an Bord weitergehen. Als wir zu dieser Mission aufbrachen, dachte ich beim Abflug noch, dass das Weltall hoffentlich noch etwas für mich bereithält. Aber nein, diese letzten Tage haben mir gereicht. Während des ganzen Rückfluges habe ich es noch überspielt, aber ich merke es jetzt. Ich werde meine Dienstzeit hier an Bord erfüllen. Aber weiter mache ich nur noch auf der Erde.„ Ihr fester Gesichtsausdruck machte Picard deutlich, dass es sich hier um mehr als bloße Gedankenspielerei handelte. Sie würde gehen, so oder so. Es war eine andere Frage, die offenblieb, und nur er konnte sie beantworten. Er sah sie an, senkte den Kopf, lächelte. „Und in dieses Bild Ihres neuen Lebens soll ich hineingehören?„ Sie nickte stumm als Antwort, ein paar Tränen lösten sich. Picard seufzte, blickte auf den Tisch. „Was unsere Beziehung betriftt, kann ich nicht widersprechen. Als Sie ihren Dienst damals an Bord der Enterprise D antraten, war mir von vornherein bewusst, dass da mehr war. Ich hatte das Gefühl, dass auch Sie es so empfanden. Und mit der Zeit hat sich unsere Beziehung intensiviert. Es stimmt, der letzte Schritt blieb aus. Es sind jetzt ... einige Jahre vergangen. Und ... ehrlich gesagt ... hat der Tod meines Bruders Robert und seines Sohnes René dazu geführt, dass ich den Gedanken an einen Rückzug aus meiner Arbeit völlig verdrängt habe. Ich habe mich seit damals noch mehr meinen Verpflichtungen gewidmet. Der Captain auf seinem Raumschiff. Ich habe die Enterprise zu meinem Zuhause, zu meinem Leben gemacht. Ich weiß nicht, ob ich es aufgeben kann, Beverly. Ich weiß es wirklich nicht.„ Beverly saß einen Moment wortlos auf ihrem Stuhl. Sie starrte Picard an. Sie wischte sich die Tränen aus dem Gesicht, stand auf und ging zur Tür. Sie stoppte, drehte sich langsam zum Captain um. „Wissen Sie, Anij sagte mir, dass sie Sie liebt. Sie erzählte mir aber auch, dass ihr klar sei, dass es keine Chance für sie beide gäbe, da Sie Ihre Arbeit nicht für sie aufgeben würden. Ich rede nicht davon, dass Sie die Arbeit aufgeben sollen. Ich bitte Sie nur darum, vielleicht jemandem eine Chance zu geben, dem etwas an Ihnen liegt. Das Leben bietet mehr als ein Raumschiff Enterprise.„ Die Ärztin warf dem Captain noch einen kurzen Blick zu, dann verließ sie den Raum. Picard starrte auf die Tür. Beverly Crusher hatte es tatsächlich geschafft, dass er, der Captain, sich mit einem Thema auseinandersetzen musste, welches er in den letzten Jahren wirklich verdrängt hatte. Seinem Leben, seiner Zukunft. Eine Zukunft, an der sie teilhaben wollte. Es war wahrhaftig so, dass er nach dem Tod seines Bruders und seines Neffen das Thema Privatleben abseits der Arbeit bis auf den obligatorischen Landurlaub und die Freizeitgestaltung an Bord verdrängt hatte. Kein Gedanke daran, was sein würde, wenn seine Dienstzeit einmal zu Ende sein würde. Obwohl die Ärztin es nicht von ihm verlangen würde, war der Gedanke jetzt in ihm. Das Leben geht weiter, was würde es ihm bieten? Sollte Beverly Crusher ein Teil der Antwort sein? Er schloss die Augen, schüttelte leicht den Kopf. Nein, so einfach war es nicht. Urplötzlich, nach all den Jahren, hatte sie sich ihm offenbart. Er wusste, es gab eine Zeit, da hätte er sofort ja gesagt, Jahre zuvor. Doch jetzt war es ihm nicht möglich, sofort zu antworten. Er wusste nicht einmal, wie sie ausfallen würde.
* * *
Die Defiant jagte mit Warpgeschwindigkeit durch das All. Kira Nerys saß auf dem Kommandostuhl und sah gebannt auf den Schirm. „Hält das Schiff noch immer den Kurs?„ „Ja, Colonel.„ Kam die Bestätigung vom Steuermann. Kira sah zu Julian hin. „Keine fünf Minuten mehr und die Grenze ist erreicht. Und ich glaube nicht, dass sie ihren Kurs noch ändern werden.„ Julian zog die Stirn in Falten. „Und wenn sie uns doch entdeckt haben? Uns nur in die Irre führen wollen?„ „Das glaube ich nicht, wir waren vorsichtig ...„ Sie sah auf den Schirm. „Also, gut, wir können es nicht ganz ausschließen. Aber wenn wir entdeckt wurden und der eingeschlagene Kurs nur Ablenkung ist, werden Sie bei Erreichen der Grenze abdrehen müssen. Seit sie vom Son’a Planeten weggeflogen sind, haben sie diesen Kurs eingehalten ...„ Sie lächelte den pessimistisch dreinschauenden Doktor an. „Kommen Sie Julian. Positiv denken.„ Bashir wandte sich seiner Konsole zu. „Na ja, wir werden es in wenigen Augenblicken vielleicht heraus-bekommen. Wir erreichen die Grenze.„ Kira sah nach vorne auf den Hauptschirm. „Wie lange noch?„ „Einen Moment, Colonel ... es ist soweit, sie überschreiten die Grenze. Sie behalten Kurs und Geschwindigkeit bei.„ „Auf Impuls-geschwindigkeit zurückgehen!„ Die Defiant verlangsamte ihren Antrieb, auf der Brücke herrschte große Anspannung. „Mit den Sensoren das Schiff verfolgen so lange es geht!„ „Was nicht allzu lange gehen wird, Colonel. Sie werden schnell außer Reichweite sein, wenn sie weiter auf Warp bleiben.„ Gab Bashir zu bedenken. „Julian, wenn wir den Kontakt verlieren und das Schiff nicht umdreht, haben wir eine andere Gewissheit. Nämlich die Gewissheit, dass das Schiff sein Flugziel erreicht hat. Und dass es keine Ablenkung war. Deswegen beziehen wir hier für eine Weile Position und absolvieren einen kleinen Patroulliendienst. Ich denke, dass wir in spätestens zwei Tagen...„ „Entschuldigen Sie, Colonel, aber da tut sich etwas.„ Wurde Kira vom Steuermann unterbrochen. „Was gibt es denn?„ „Das Schiff, es deaktiviert seine Tarnung.„ „Auf den Schirm!„ Alle sahen zum Hauptschirm. „Maximal-vergrößerung!„ befahl Kira. Das sichtbar gewordene Schiff war zuerst nur ein kleiner Punkt auf dem Schirm, Als die Vergrößerung Wirkung zeigte, konnte jeder das Gefährt überdeutlich sehen und auch identifizieren. Kira stand vor dem Schirm, die Arme hinter dem Rücken verschränkt. „Ich glaube, wir haben die letzte Antwort erhalten.„
Kapitel 10
Präsident Jerosh Indio sah aus dem Fester seines Arbeitszimmers heraus. Eine ganze Reihe verschiedenster Gedanken gingen ihm durch den Kopf. Kaum, dass seine zweite Amtszeit als Präsident der Föderation begonnen hatte, brach wieder die Gewalt im Weltall aus. Er sah sich als Mann des Friedens, ein Vermittler, Diplomat. Er hatte mitgewirkt am Zustande-kommen des Friedensvertrags mit Cardassia. Siebzig Jahre Krieg waren beendet worden. Krieg war für ihn ein Bestandteil seiner politischen Tätigkeit. Ein Aspekt von vielen, der Wichtigste aber wohl, denn kein anderer Anlaß forderte ihn als Politiker so sehr wie dieser. Krieg ffand für ihn aber nur auf politischer Bühne statt, real miterlebt hatte er noch keinen. Als er zum Präsidenten gewählt wurde, machte er es sich zum Ziel, in einer großen Phase des Friedens, die Völker, die bis dato noch nicht der Föderation angehörten, in diese einzubinden. Je größer diese Gemeinschaft wäre, desto stärker wäre sie auch und damit sicherer für alle. So dachte er. Der Dominion-Krieg machte ihm klar, dass es so einfach nicht war. Die Auswirkungen des Krieges bekam er so deutlich wie nie vor Augen geführt. Und er musste erleben, wie während der ersten Invasionswelle des Dominion viele Welten Nichtangriffs-pakte mit ihnen abschlossen. Und nicht erst bei Ausbruch des Krieges war ihm auf bittere Weise klar geworden, dass dieses mal auch die Erde selbst ein ziel sein konnte. Er mußte sich der Tatsache stellen, als Präsident der Föderation in einem Krieg an der Spitze zu stehen, der in seinen Ausmaßen und seiner Brutalität alles je dagewesene übertraf. Der Krieg wurde gewonnen und Indio hatte mit der Hoffnung auf einen längeren Frieden und den Neuaufbau einer zweiten Amtsperiode zugestimmt. Doch jetzt musste er mitansehen, wie auch diese neue Hoffnung zerstört wurde. Noch immer hatte die Föderation sich nicht gänzlich von den Auswirkungen des Krieges erholt. Stand sie nun, zwei Jahre später vor dem Ausbruch eines Neuen? Sorgen und Zweifel nagten an ihm. Er glaubte nicht, dass die Sternenflotte in der Lage sein würde, in einer erneuten Konfrontation bestehen zu können. Er drehte sich um, als die Tür aufging und die Teilnehmer dieser Konferenz eintraten. Admiral Hayes, oberster Chef der Sternenflotte; Admiral Ross, Oberbefehlshaber der Sternenflotte im Krieg gegen das Dominion; Captain Picard und Colonel Kira folgten. Alle nahmen Platz, bis auf Kira. Präsident Indio nahm nun ebenfalls hinter seinem Schreibtisch Platz. „Ich denke wir sind somit vollzählig. Kommen wir gleich zur Sache. Colonel, Ihren Bericht bitte!„
Kira begab sich an den Sichtschirm, welcher sich an der gegenüberliegenden Wand von Präsident Indios Tisch befand. „Der Bericht von Captain Picard über den Ablauf der Mission liegt Ihnen vor, meine Herren. Die von uns verdächtigten Son’a befanden sicht tatsächlich in der Gewalt der Jem Hadar. Sie wurden von uns befreit. Da uns ziemlich klar war, dass die Jem Hadar als Hauptagressor nicht in Frage kamen, musste eine dritte Kraft dahinterstecken. Die Son’a konnten uns keine Information hierüber geben. Ich machte Captain Picard den Vorschlag, dass die Defiant zurückbleibt, wenn unsere Flotte wieder verschwindet. Ich hoffte, dass nach einer Weile jemand anderes außer den Jem Hadar auftauchen würde. Wir mussten nicht lange warten. Die Sensoren entdeckten ein getarntes Schiff im Orbit, welches wohl zusammen mit den Jem Hadar eingetroffen war. Wir hielten Kontakt, als es wieder verschwand und folgten in sicherm Abstand ... bis wir die neutrale Zone erreichten.„ Kira aktivierte den Sichtschirm. „Kurze Zeit nach passieren der Grenze wurde es sichtbar.„ Das sichtbar gewordene Schiff sorgte bei den Anwesenden für überraschte Gesichter „Ein Warbird ... die Romulaner?„, entfuhr es Admiral Ross, „Wie kann das sein?„, erhob sich Admiral Hayes erregt. „Sie haben mit uns Seite an Seite gegen das Dominion gekämpft. Wir waren Verbündete.„ Admiral Ross stand auf, trat in die Mitte des Raumes. „Das ist richtig. Wir waren Verbündete. Solange der Krieg anhielt. Als er wieder endete, war auch das Bündnis beendet. Und während bei uns der Heilungs-prozess bis heute andauert, waren die Romulaner auch nicht gerade untätig. Am Ende des Krieges waren die Jem Hadar ohne Führung. Das nutzen sie aus. Sie wussten von den Son’a und deren Ketracel-White Anlagen; sie machten es sich zu Nutze. Die drei Son’a Planeten wurden geschickt eingenommen. Sie wurden wahrscheinlich gezwungen, das Herstellungsverfahren für das White preiszugeben. Die Romulaner wiederum boten den Jem Hadar eine neue Existenz und ein neues Ziel, auf das hingearbeitet werden sollte. Sie bauen eine neue, riesige Flotte auf von den Son’a erfahren sie, wie das White produziert wird und schon haben die Jem Hadar neue, mächtige Führer. Und das Ziel, auf das sie hinarbeiten, dürfte nun klar sein. Eroberung des Alpha-Quadranten. Einen ... Vorgeschmack ... auf das, was uns wohl noch erwartet, haben wir jetzt erhalten.„ Captain Picard stand auf, trat vor den Präsidenten. „Die Romulaner gehen zweckmäßig vor. Sie nutzen die sich ihnen bietenden Möglichkeiten immer voll und ganz aus, im großen, wie im kleinen Maßstab. Braucht ein Sache Zeit, dann nehmen sie sich diese auch. Im Endergebnis bedeutet es immer die Erhaltung ihrer Machtposition ... oder ihrer Ausweitung. Sie haben die Jem Hadar auf ihre Seite gebracht. Sie haben garantiert auch das White. Wir alle wissen, in welch rasantem Tempo während des Krieges neue Raumschiffe gebaut und neue Jem Hadar herangezüchtet wurden. Das und die Tatsache, dass die Romulaner seit zwei Jahren völlig ungestört arbeiten konnten und das auch weiterhin tun.„ Picard sah jeden Einzelnen im Raum an. „Versuchen wir doch nur mal eine grobe Schätzung, wie gewaltig diese neue Flotte in dieser Zeit geworden ist.„ „Allmächtiger.„ Präsident Jarosh Indio blickte entsetzt auf das Raumschiff auf dem Schirm. „Wir hätten nicht den Hauch einer Chance. Die Föderation wäre nicht nur in ihrer Existenz bedroht, beim derzeitigen Stand der Dinge wäre ein erneuter Krieg unser definitiver Untergang.„ Admiral Hayes, ansonsten ein eher ruhiger Mann, war von allen sichtlich am meisten erregt. Präsident Indio stand auf, ging zu ihm hin. „Ein bewaffneter Konflikt kommt nicht in Frage. Wie sollten wir dann Ihrer Meinung nach reagieren, Admiral?„ Die Frage des Präsidenten zwang Hayes, ruhiger zu werden. „Mr Präsident ... ich werde anordnen, dass der Aufbau unserer Flotte etwas schneller vorangeht. Wir werden die neutrale Zone stärker im Auge behalten. Ich möchte Ihnen Empfehlen, Sir, unsere Bündnispartner zu informieren. Ich denke, nach den Erfahrungen im letzten Krieg werden sie kooperativer sein, als wieder Nichtangriffspakte mit dem Gegner abzuschließen.„ „Was, wenn wir damit ein Chaos auslösen?„, warf Admiral Ross ein. „Unsere Verbündeten wissen um unsere Flottenstärke. Sie würden wissen, dass wir bei einem erneuten Krieg keine Chance hätten. Bei allem Respekt, Mr Präsident, aber während des Krieges ist viel Vertrauen in die politische Führung verloren gegangen. Ich frage mich, ob wir in dieser Sache noch den vollen Rückhalt unserer Verbündeten hätten.„ Der Präsident sah Admiral Ross einen Augenblick gebannt an. Ein Anderer an seiner Stelle hätte des Admiral’s Worte als Beleidigung empfunden, als Angriff auf Amt und Würde des Präsidenten. Doch er kannte den Admiral und dessen Neigung , sich vom Pfad allzu diplomatischer Äußerungen zu entfernen. Eigentlich schätzte er Admiral Ross sogar deswegen. „Seien Sie versichert Admiral, am Ende des Krieges gab es von beiden Seiten Worte der Entschuldigung. Ich werde mit unseren Verbündeten Kontakt aufnehmen. Ich werde uns alle zur Ruhe mahnen, nur dann bewahren wir einen klaren Kopf und den brauchen wir. Wir müssen einen Weg finden, diese Situation anzugehen. Wir müssen; es geht um den Fortbestand der Föderation, es geht um unser Leben.„ „Und wir werden alles tun, was in unserer Macht steht„, versicherte Admiral Ross.
* * *
Der Mann auf der Anhöhe blickte hinunter auf das Dorf, welches knapp einen Kilometer entfernt vor ihm lag. Als Kind ging er hier zur Schule. Außerhalb der Schulzeit war er meist zuhause auf dem elterlichen Hof. Half auf Geheiß des strengen Vaters bei der Arbeit auf den Weinfeldern, zusammen mit seinem Bruder Robert, der auch noch als älterer Bruder den Aufpasser spielte, da der Kleine immer wieder ausbüchste und sich viel lieber mit seinem Kumpel Lois die Zeit vertrieb. Der Mann auf der Anhöhe lächelte still vor sich hin. Wie lange war das alles schon her. Seit seinem Eintritt in die Sternenflotte war er nicht merh allzu häufig hier gewesen. Doch seit dem Tod seines Bruder Robert, versuchte er, häufiger nach Hause zu kommen. Ob aus einem Gefühl der Verpflichtung für seine Schwägerin Marie heraus, die sich nun um den Hof und das Weingut der Picard’s kümmerte, oder dieses merkwürdige Gefühl, das in ihn etwas hierherzog. Beverly hatte er erzählt, dass der Tod seines Bruders dazu geführt hatte, dass er sich noch mehr seiner Arbeit gewidmet hatte, ein Rückzug wohl nicht in Betracht käme. Wenn dem so war, warum dann gleichzeitig das Bemühen, häufiger hierher zu kommen. Beverly sagte, es gibt mehr im Leben als ein Raumschiff Enterprise. Wollte er es sich selbst gegenüber nur nicht eingestehen, dass er tief im Inneren genauso empfand? Und gleichzeitig der belastende Gedanke, am Vorabend eines neuen, vielleicht alles verändernden Krieges zu stehen. Rückzug? Jetzt? Nein, undenkbar. Nicht in der jetzigen Situation. Er horchte auf. Ihm war, als vernehme er aus der Ferne kommende Geräusche. Die Stimmen von spielenden Kindern. Er hörte den Stimmen zu. Er lächelte dabei. Unbeschwerte Kindheit. So, wie auch er seine eigene in Erinnerung hatte. Er hörte auf zu Lächeln, sein Blick wurde ernst. Allen, aber besonders diesen Kindern, musste die Aussicht auf eine hoffnungsvolle, friedliche Zukunft erhalten bleiben. Es würde seinen Einsatz erfordern, vielleicht so stark wie noch nie, um dies zu bewahren. Und für diese Kinder war er dazu auch bereit. Er ging. Hoffnung für die nächste Generation.
