In dem Moment, in dem der Doktor das Hangardeck betrat, sah er gerade noch wie ein Shuttle der Föderation abhob und von der Enterprise wegflog.
„Hier entlang bitte.“ sagte ein Offizier der eine Technikeruniform anhatte, und wies dabei auf das kleine kyrianische Schiff.
Der Doktor war etwas befremdet folgte aber dem jungen Offizier der eilig vor ihm einher schritt in der Hoffnung, dass er ihn wohl schnellstens loswerden wollte.
„Ihr Shuttle wurde mit Energie und allem Nötigen versorgt um Ihren Weiterflug sicherzustellen. Viel Glück!“
Damit ließ er den Doktor der Voyager am Eingang zum Shuttle stehen und sah zu dass er das Weite suchte.
Das MHN bestieg das kleine Schiff und aktivierte die Startsequenz. Innerhalb von wenigen Sekunden waren alle Systeme online und er startete aus dem Shuttlehangar. Das kleine Schiff der Sternenflotte war unweit voraus und auf seinem Display erschien eine Textbotschaft die Ihn anwies auf einen Kanal zu wechseln der Ihm gut bekannt war. Es war der Notfallkanal der Voyager, der mit einer besonderen Verschlüsselungssequenz gesichert war, die Seven of Nine einmal für brisante Nachrichten mit einem Borgalgorhythmus versehen hatte.
Allerdings funktionierte dieser nur mit einer Audioverbindung.
Das MHN stellte die entsprechende Frequenz ein und erhielt sogleich eine Nachricht.
„Ich sende Ihnen über diese Frequenz einige Einstellwerte, verändern Sie bitte Ihre Com-Anlage nach dem beiliegenden Muster und melden Sie sich dann. Wir fliegen am besten schon einmal los, es ist zwar nicht mehr weit bis zur Erde aber ein wenig Abstand zur Enterprise kann nicht schaden. Weisen Sie Ihr Shuttle an meinem Kurs zu folgen.“ erklärte Dennis Gábor.
Die notwendigen Änderungen waren innerhalb von wenigen Minuten erledigt und als er aus dem Fenster sah, hatte das Shuttle gerade den blauen Planeten erreicht. Sie befanden sich auf der Nachtseite der Erde und folgten dem Orbit.
Der Doktor aktivierte den Bildschirm und sah Professor Gábors Rücken, der an der hinteren Shuttlewand einige Kontrollen bediente.
„Sie hatten angemerkt, dass ich scheinbar kein Heim habe, das ist absolut inkorrekt. Im Gegenteil, mein Heim wird Ihnen möglicherweise sogar sehr bekannt vorkommen.“ Erklärte der Professor.
Als das MHN aufsah erblickte es einen weitläufigen Park von Raumschiffen, die nahe des Orbits in der geostationären Bahn über der Erde schwebten.
„Was um alles in der Welt ist das?“ fragte er den Professor.
„Das mein Freund ist der Raumpark der Föderation oder wie es so schön heißt ‚Federation Space Park’. Hier sind alle nennenswerten Raumschiffe der Föderation ausgestellt vom Orbiter 101 bis hin zu den letzten Errungenschaften der Raumschiffbauer. Viele davon sind Nachbildungen wie die U.S.S. Enterprise 1701 oder auch die Defiant, die im Dominion Krieg verloren ging. Aber mein ‚Heim’ wie Sie es so schön nannten ist noch das Original und ich bin Stolz darauf, dass ich es so lange habe erhalten können. Übrigens darf ich Sie ganz herzlich zu einem ganz besonderen Meeting einladen.“ gab Professor Gábor zurück, während sie verzögerten und langsam in den gigantischen Park voller Raumschiffe eintauchten.
Die Schiffe mit dem Namen Enterprise, angefangen mit dem Orbiter der Space Shuttles bis hin zur Enterprise-J waren nun direkt auf der linken Seite zu sehen aber auch viele andere Klassen die dem Doktor ein Begriff waren wanderten durch sein Blickfeld. Akira, Steamrunner, Norway und eine Nebula Klasse, die den wohlklingenden Namen Alexandria trug. Sogar ein Schiff der Prometheus Klasse war dabei, das eindrucksvoll getrennt in drei Teile den Multivektor Angriffsmodus veranschaulichte.
Weiter glitten Sie durch den Raumschiffpark der auch viele kleine Schiffe wie Shuttles und Frachter enthielt auf eine Silhouette zu, die dem Doktor unwahrscheinlich bekannt vorkam. Das konnte nur eines sein, ein Schiff der Intrepid Klasse.
Langsam flogen sie über den Bug und das MHN konnte auf der silbergrauen Hülle deutlich den Namen lesen:
U.S.S. VOYAGER
NCC-74656
Er war endlich zu Hause.
Langsam flogen sie über das Schiff zum Shuttle Hangar und kurz bevor die Schiffe aufsetzten sah das MHN noch einmal auf den Monitor.
Vor lauter Staunen hatte er das Gespräch mit Gábor völlig außer Acht gelassen. Aber er war mehr als überrascht als er auf dem Schirm plötzlich sein Spiegelbild sah.
In dem Moment als der Professor erkannte, dass das MHN ihn anblickte fragte er:
„Aha… Und, wo warst Du als ich Dich gebraucht hätte? Zum Beispiel als die Varosi versuchten mein Programm zu dekompilieren?
B’Elanna hat geschlagene 2 Monate gebraucht um ein neues Backup Modul herzustellen. Kannst Du Dir vorstellen wie ich mich einschränken musste, damit meinem Programm nichts passiert?“
Inzwischen war die automatische Landesequenz beendet und die beiden Hologramme stiegen aus Ihren Fahrzeugen aus.
Zum ersten Mal seit über 770 Jahren setzte das Backup MHN der Voyager wieder einen Fuß auf die Decksplanken seines Schiffes.
„Wie ich sehe, hast Du dir einen eigenen holografischen Emitter gebaut. Beeindruckend!“ bewunderte Dennis Gábor das kleine rautenförmige Emblem am linken Arm des MHN.
„Ja und wie ich sehe, hast Du dir inzwischen einen Namen ausgesucht, was ich offensichtlich völlig versäumt habe.“ gestand der Backup Doktor der Voyager.
„Nun ja, der Name ist auch nur geliehen von einem ungarischen Wissenschaftler der 1947 das erste Mal den Begriff ‚Hologramm’ verwendet hat. Aber ich fand ihn treffender als all die Namen der vielen berühmten Ärzte, die ich seit meiner Aktivierung kennen gelernt habe.
Außerdem war er hilfreich auf der Enterprise, genau wie mein verändertes Aussehen. Und nun lass uns in unser Zuhause gehen. Du kennst ja sicherlich noch den Weg, oder?“
Der Doktor aus dem Delta Quadranten schaute sein Gegenüber an und verzog das Gesicht.
„Soll das ein Witz sein, ich habe im Museum auf Kyria Prime jeden Tag vier Vorführungen über das Leben auf der Voyager gehalten. Natürlich kenne ich den Weg!“
Gemeinsam schritten sie durch die Flure und Turbolifte zur Krankenstation der Voyager.
Jetzt endlich konnte sich der holografische Arzt der Voyager fallen lassen. Hier war er zuhause. Hier wo für ihn alles begonnen hatte.
Dankbar sah er sein Ebenbild an, welches ihm zulächelte und auf das Büro der Krankenstation wies. Sofort hatte das Backup Programm begriffen und ging mit schnellen Schritten hinter den Schreibtisch und ließ sich langsam und genussvoll in den Sessel sinken. Genau das hatte er vermisst. Es war kein gewöhnlicher Sessel, es war vielleicht nicht einmal der bequemste Sessel, aber es war sein Sessel!
„Wenn Du genug vom Anblick der Krankenstation hast, dann gib mir Bescheid, wir haben noch einen Termin. Um 19:00 Uhr im Kasino. Bitte nicht vergessen!“ mit einem übertrieben freundlichen Lächeln auf den Lippen verschwand Dennis Gábor, der Mann, der sein Ebenbild war, durch die Tür.
Um genau 7 Uhr abends stand der Holodoktor vor dem Eingang zum Kasino und wagte den Schritt durch die aufgleitenden Türhälften. Da waren sie. Allen voran Captain Janeway genau so wie er sie in Erinnerung hatte Tom Paris an der Seite von B’Elanna Torres, Chakotay, Tuvok und Harry Kim der ewige Fähnrich. Ein wenig abseits stand Seven und betrachtete die Szenerie mit einigem Abstand.
Es gab ein großes ‚Hallo’ und innerhalb von Sekunden war der Doktor der Voyager der so viele Jahre auf die virtuelle Wiedervereinigung warten musste im Pulk der Senioroffiziere verschwunden.
Alle wollten gleichzeitig Ihre Wiedersehensfreude zum Ausdruck bringen und einer nach dem Anderen erzählte beim gemeinsamen Abendessen von den Erfahrungen die sie gemacht hatten, von denen der Doktor noch nichts wusste. Sie alle waren gesund und munter im Alpha Quadranten angelangt. Nur Neelix hatte die Crew vorher verlassen und hatte sich einer anderen Gruppe angeschlossen und sogar eine Angehörige seines Volkes gefunden, eine Partnerin die zu ihm, zu seiner Rasse gehörte.
Alle anderen waren mit dem Schiff durch einen Transwarpkanal der Borg in den Heimatquadranten gelangt und der Doktor nahm jedes Detail auf, was man ihm erzählte auch die Leistungen seines zweiten Selbst, der mit der Voyager in die Heimat gelangt war konnte er aus den Erzählungen entnehmen. Er hatte einen weiten Weg von einem Programm zu einer wahren Lebensform zurückgelegt. Ähnlich seinen eigenen Erfahrungen. Eine Entwicklung die wohl nicht einmal Dr. Lewis Zimmerman vorausgesehen hatte.
Die Nacht war lang und bis in die frühen Morgenstunden hatte sich der Doktor im Kasino aufgehalten, bis er sich schließlich verabschiedete.
Total überwältigt kam er in den Flur und sah sein Ebenbild, welches auf ihn wartete.
„Wie haben Sie das gemacht? Es ist alles so… ich weiß nicht… so real!“
Dennis Gábor grinste.
„Es war eine wirklich schwierige Aufgabe. Aber Dr. Zimmerman half mir dabei die Gedächtnisengramme der Crew zu scannen und sie in eine eigene holografische Matrix umzuwandeln. Ich hätte nicht weiterexistieren können ohne sie. Sie sind meine Familie und nun, wenn man so will, sogar im wahrsten Sinne des Wortes.
Es war klar, dass sie irgendwann versterben würden. Viele ließen sich sogar kurz vor ihrem Tod noch einmal Scannen um die Daten zu aktualisieren.
Die Voyager wurde nach ihrer Rückkehr zum Synonym für Durchhaltevermögen und gründete förmlich dieses Museum, wenn man es so nennen will. Jedes Jahr zum Jahrestag der Heimkehr traf sich die ganze Crew hier um die gesunde Ankunft in den Alphaquadranten zu feiern. Harry hat es bis zum drei Sterne Admiral gebracht.“ erklärte das original Hologramm und daraufhin folgten einige betretene Minuten des Schweigens.
„Die letzte die Starb war Seven of Nine. Bedingt durch Ihre kybernetischen Elemente und ihre regenerativen Fähigkeiten die sie durch die Borg-Nanosonden hatte, hielt sie fast ganze zweihundert Jahre durch, aber dann letzten Endes war es auch den Nanosonden nicht mehr möglich den Zerfall Ihres Körpers aufzuhalten.
Sie war lange Zeit bei mir und führte das gesamte Konzept zum Erfolg. Hier steckt eine Menge von Ihr in jedem einzelnen Molekül dieser Ausstellung.“
Die beiden Hologramme gingen den Flur entlang bis zu den Quartieren und Dennis Gábor hielt vor einer Türe an, die bei normalem Betrieb der Intrepid Klasse als Gästequartier vorgesehen war. Von hier aus hatte das Backup Programm der Voyager einen wunderbaren Überblick über den gesamten Raumschiffpark und er saß noch lange am Fenster und blickte staunend nach draußen. Natürlich brauchte er keinen Schlaf aber dennoch mussten die Subroutinen in seinem Programm die Erfahrungswerte der letzten Stunden erst einmal richtig bewerten und im eigenen Speicher kategorisieren und ablegen.
