Prolog

Die U.S.S. Alexandria war ein stolzes Schiff der Nebula Klasse, eine kompaktere Form der Galaxy Großraumschiffe. Sie hatte ein ebenso großes Diskussegment, und zwei Warpgondeln, die jedoch im Gegensatz zu den Galaxy Schiffen nach unten gerichtet waren.
Zudem befand sich oberhalb der Warptriebwerke ein zusätzliches Modulsegment, in dem weitere Ausrüstungsdecks untergebracht waren. Obwohl die Alexandria bei ihrer Indienststellung als medizinisches Schiff ausgestattet wurde, entschied sich die Sternenflotte bereits nach einem Jahr zu einer Umrüstung und Modernisierung.
Die Alexandria wurde zu einem der wichtigsten Technologieträger von Starfleet. Neuartige Schilde, neuartige Surapht Photonentorpedos und sogar einige Prototypen der in der Entwicklung befindlichen Quantentorpedos zählten zu den interessantesten Neuentwicklungen, welche die Sternenflotte auf diesem Schiff einsetzte.
So war es nur logisch, dass die Alexandria häufig an Missionen teilnahm, die einen Einsatz der neuen Techniken möglich machten oder manchmal sogar als Trumpf in kritischen Situationen erforderten.
Nach dem Kampf bei Wolf 359 hatte die Sternenflotte erkannt, dass die Galaxis trotz weitreichender Erforschung immer noch gefährliche Geheimnisse preiszugeben hatte. So wurden alte, längst eingestellte Entwicklungsprojekte an Waffenprogrammen, Sensoren und Schildgeneratoren wieder reaktiviert und zur Perfektion ausgearbeitet.
All diese Technik stand unter dem Befehl von Captain Jan Erik Wikland, einem Mann mit imposanter Gestalt, der das Kommando über dieses schöne Schiff bereits in 2366 übernommen hatte und die Verantwortung für die 1209 Personen an Bord trug.
Auch wenn die Alexandria häufig an militärischen Kampfeinsätzen beteiligt war, so waren ähnlich wie auf den Schiffen der Galaxy Klasse viele Zivilisten und Kinder unter der Besatzung.
Eine besondere Bürde für den Captain eines solchen Schiffes. Hatten doch die Zivilisten nicht den Föderationseid geschworen, den jedes Mitglied der Sternenflotte leisten musste um im Dienst der Flotte an Missionen im All teilnehmen zu dürfen.
Sie alle hatten Ihr Leben der Erfahrung und den Fähigkeiten der Crew anvertraut und waren bei Konflikten die potentiellen Opfer, deren eventueller Verlust am meisten zu betrauern war. Jeder Offizier war sich seiner Aufgaben und Pflichten bewusst, und war sich darüber im klaren, dass er im Laufe seines Dienstes getötet werden konnte, ja sogar sein Leben hingeben musste um andere zu retten sofern die Situation dies erforderlich machte.

Kapitel1

An diesem Tag glitt die U.S.S. Alexandria nur langsam durch die dunklen Sektoren des Alls, da sie nur mit geringer Warpgeschwindigkeit unterwegs war.
Sie kam gerade von einem Kampfeinsatz an der argosianischen Grenze zurück, als sie die Nachricht der Sternenflotte erhielt, sich auf Sternenbasis 491 einzufinden, um ein neues Besatzungsmitglied an Bord zu nehmen.
Das Schiff war in dem harten Gefecht der rivalisierenden Parteien stark beschädigt worden und Captain Wikland verfluchte den Tag an dem er den Befehl erhalten hatte, die Neromianer in ihrem Konflikt mit der argosianischen Planetenverbindung zu unterstützen.
Die Föderation hatte aufgrund eines kleinen und seiner Meinung nach völlig unwichtigen Handelsabkommens zugestimmt die Alexandria zum Schutz abzustellen und somit war Captain Wikland mit seiner Crew mehrere Wochen in die eskalierenden Angriffe der Argosianer verwickelt worden.
Während Wikland die Brücke durchquerte murmelte er einige deftige nordische Flüche vor sich hin, und wäre die Alexandria nicht mit den üblichen automatischen Türsystemen ausgestattet, so hätte er sicherlich die Tür zu seinem Bereitschaftsraum mit einem heftigen Schwung ins Schloss gedonnert.
Das Schiff hatte erhebliche Schäden an der rechten Warpgondel erlitten und Wikland wollte lieber nicht daran denken, wie es dazu gekommen war. Er ballte die Fäuste und am liebsten hätte er diesen Bürohengsten der Sternenflotte nach dem Kampf einmal richtig die Meinung gesagt, die oft sehr vorschnell eine Unterstützung zusagten, ohne sich zuvor über die Hintergründe und die örtlichen Gegebenheiten zu informieren.
Obwohl die Neromianer über umfassende Kampfverbände verfügten, hatten sie die Hauptaufgabe bei der Verteidigung ihrer Heimatwelt der Alexandria überlassen.
Nur der Einsatz einer neuen Föderations-Technologie hatte letztendlich eine große Raumschlacht verhindert, welche auch die gut ausgestattete Alexandria mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht überstanden hätte.
Die Crew war vollends damit beschäftigt, die beschädigten Systeme wieder halbwegs flott zu bekommen um die Reise endlich wieder mit hoher Warpgeschwindigkeit fortzusetzen.
„Captain, eine Nachricht vom Hauptquartier der Sternenflotte.“ meldete sich die Stimme von Lieutenant Carah Pehl der bajoranischen Kommunikationsoffizierin.
„Stellen Sie durch“ antwortete Captain Wikland, der noch immer einen ziemlich grimmigen Gesichtsausdruck aufgesetzt hatte, mit deutlich knurriger Stimme.
Admiral Wellington vom Planungsstab der Sternenflotte, ein alter Freund von Wikland, erschien auf dem Display des Tischcomputers und war sichtlich gut gelaunt.
„Hallo Jan Erik, ich habe gehört, dass ihr euch wacker geschlagen habt...“ begann er, „...aber ihr solltet doch schon vor zwei Tagen auf Deep Space Fünf sein ?“
Captain Wikland atmete tief ein, und wollte all seinem Ärger in diesem Moment einmal richtig Luft machen. Diese Kommunikationsverbindung kam ihm gerade recht. Er beschloss aber dann doch, den Umgangsformen der Sternenflotte den Vorzug vor seinem nordischen Temperament zu geben.
„Die Hyperkondensatorenmatrix ist zusammengebrochen und die Spulen der rechten Warpgondel sind geschmolzen. Außerdem sind die Plasmainjektoren durch die Überlastung beim Kampfeinsatz eingebrannt, so dass wir nur noch einen besch...eidenen Wirkungsgrad von gerademal eben 43,223 Prozent erreichen. Wir kriechen bereits seit 3 Tagen mit nur einer intakten Warpgondel und jämmerlichem Warp 1,4 in Richtung Sternenbasis und haben nicht einmal ein Viertel des Weges geschafft ....“
Captain Wikland blickte währenddessen aus seinem Fenster und sah die Sterne, die nur langsam am Schiff vorüberzogen. „....außerdem sollen wir uns auf Starbase 491 melden, um einen neuen Offizier an Bord zu nehmen und es liegt noch keine Information vor, welche Funktion er an Bord übernehmen soll. Einen Wechsel in der Führungscrew kann ich bei den momentanen Problemen gar nicht gebrauchen.“
Mit ernster Mine blickte er seinen alten Freund an und fragte:
„Kennst du diesen Commander Roger van Dyke, der hier den Dienst antreten soll genauer?, die Dienstakte ist zwar voll von guten Beurteilungen, aber wie Du sicher weißt habe ich noch nie viel auf das Geschwafel von diesen Sesselwärmern gegeben, die jede bestandene Prüfung als Heldentat feiern. Abgesehen davon habe ich gar keinen neuen Offizier angefordert.“
Der Admiral beugte sich nach vorne und sagte:
„Mir ist keine Anordnung bekannt, die einen Offizier zu Deinem Schiff versetzt. Aber wenn es der van Dyke ist, der bereits an der Akademie der Sternenflotte durch seine ungewöhnlichen Problemlösungen angeeckt ist, wird er Dir sicherlich gefallen. Ich besorge und übertrage mal das interne Dossier der Sicherheitsabteilung, das von der Sternenflotte angelegt wurde, und ich verspreche hoch und heilig, darin sind keine Lobeshymnen“
Wikland nickte langsam,
„Wenn er ein internes Dossier der Sicherheitsabteilung hat muss er entweder einiges auf dem Kerbholz haben oder sonstwie aufgefallen sein“

„Lass Dich überraschen“ sagte der Admiral und um die Stimmung des Captains etwas zu verbessern fügte er hinzu:
„Die Neromianer haben sich beim Hauptquartier für die Hilfe überschwänglich bedankt, und nebenbei haben Sie sich dazu bereit erklärt, das Handelsabkommen auf Byzanium und Kerillit zu erweitern, was unsere lieben parlamentären Unterhändler seit sechs Jahren nicht geschafft haben.“ Erklärte der Admiral
„Na, dann hat der Aufwand wenigstens für die Sternenflotte einen Nutzen gebracht, aber meinem Schiff hilft das auch nicht bei der Genesung.“ brummte Wikland. Die beiden verabschiedeten sich und die Kom-Verbindung wurde getrennt.* * *Lt. Commander Jaqueline Jefferson, eine junge Frau voller Elan, war die Chefingenieurin der Alexandria. Sie stand inmitten eines Gewirrs von Leitungen, Röhren, und optronischen Bahnen und versuchte mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln mehr Energie aus dem Warpantrieb zu bekommen. Die kastanienbraunen schulterlangen Haare waren das einzige Anzeichen, welches noch an die leidenschaftliche Affäre mit Fähnrich Winston erinnerte, dem zuliebe sie ihre natürlichen aschblonden Haare mit einer Tönung versehen hatte.
Obwohl dieses Kapitel männlicher Enttäuschung bereits mehrere Wochen hinter Ihr lag, hatte sie die Haarfarbe bislang nicht wieder geändert. Die dunkleren Haare boten einen gelungenen Kontrast zu ihrem fein gezeichneten Gesicht, den blaugrünen Augen und den ohnehin etwas dunkleren Augenbrauen. Sie pustete eine Strähne vor ihrem Gesicht weg und ging zum Diagnosetisch des Antriebs.
Die gesamte Versorgung der rechten Warpgondel war ausgefallen und einige Leitungen waren beim Schmelzen der Warpspulen regelrecht explodiert. Zwar konnten die entstandenen Brüche sofort mit magnetischen Eindämmungsfeldern versiegelt werden, jedoch hatten die verschmorten Leitungsverbindungen negative Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit der noch intakten Systeme.
Der einzige Weg die Ausgangsleistung zu steigern bestand darin, die gesamte rechte Seite vom übrigen Netz zu trennen. Leider war hierfür konstruktiv keine Haupttrenneinheit vorgesehen, so dass jede Leitung und Röhre einzeln vom Hauptnetz getrennt und ordentlich versiegelt werden musste.

Lieutenant van Holt kam mit dem Phaseninduktor aus der Jeffriesröhre gekrochen und machte ein hoffnungsvolles Gesicht.
„J.J. Ich habe die Verteilerkupplung getrennt und den Energieflußregler vom Netz genommen, dass müsste die Nominalleistung um mindestens 10 Prozent verbessern.“ In ihrem Freundeskreis hatte sich diese Kurzform für ihren Namen schon weit verbreitet und sie hatte nichts dagegen, wenn sie so gerufen wurde. Jefferson schaute auf die Anzeigen der Diagnoseeinheit
„Das verstehe ich einfach nicht, nicht die geringste Änderung ist feststellbar. Diese Trennung müsste uns eigentlich mehr Energie auf der Hauptleitung geben.....“ Sie schüttelte den Kopf,
„...wir müssen uns nach einer anderen Möglichkeit umsehen, der Captain erwartet unseren Bericht und Vorschläge zur Reparatur bis 18:00 Uhr“ sagte Jefferson, dabei nahm sie sich noch mal den Energieflussplan und die Aufstellung der Beschädigungen zur Hand.
Die Crew der Alexandria war sehr tüchtig und hatte eine schnelle und effektive Lösung von schwierigen Problemen meist in kurzer Zeit parat. Im vorliegenden Fall hatte aber alle Erfahrung und Einfallsgabe bislang zu keinem Ergebnis geführt. Der Captain wollte so schnell wie möglich zur Sternenbasis und hatte daher angeordnet alle verfügbare Energie des Warpantriebs in die linke Warpgondel zu leiten um die maximal mögliche Reisegeschwindigkeit zu erreichen. Alle Freizeiteinrichtungen, Holodecks und Replikatoren waren bis auf weiteres abgeschaltet worden.
„Mit den beschädigten Plasmainjektoren und den ausgefallenen Hyperkondensatoren ist selbst bei bestmöglicher Energieverteilung nicht mehr als Warp 2 drin....“ sagte van Holt resignierend
„...und solange der Warpantrieb läuft können wir die Injektoren nicht einmal austauschen...“ ergänzte Jefferson und knallte das PADD wütend auf den Diagnosetisch
„...wenn wir denn überhaupt welche hätten. Laut Materialliste haben wir unseren Bestand vor zwei Monaten an die U.S.S. Lexington abgegeben. Wer hätte auch gedacht, dass wir diese Dinger jetzt brauchen.“
Sie stemmte die Hände in die Hüften, blickte wütend auf den Tisch sowie die darauf verteilten Berichte und schon ausgebauten Teile. Jan van Holt sah auf den Schadensbericht und wandte sich an Jefferson:
„Ich glaube es gibt noch eine andere Möglichkeit. Wir könnten die Injektoren vielleicht reparieren, ich habe da an einem Experiment in der Forschungsstation mitgearbeitet. Es ließe sich machen wenn wir den Antrieb für einige Stunden abschalten“ Von J.J. war ein kurzes und spontanes Lachen zu hören
„Captain Wikland spendiert Ihnen für diese Idee bestimmt ein Wikingerbegräbnis erster Klasse“ antwortete Jefferson und zwinkerte ihm mit einem leichten Lächeln zu.
Sie beide kannten die leicht aufbrausende Art ihres Captains die ihm mit seiner nordischen Herkunft in die Wiege gelegt worden war.

Kapitel 2

„Das kommt überhaupt nicht in Frage, wir kriechen ja jetzt schon wie eine flügellahme Ente durch’s Weltall“ polterte Captain Wikland los, als er erfuhr dass seine beiden besten Ingenieure auf die glorreiche Idee gekommen waren den Warpantrieb für annähernd drei Stunden abzuschalten.
Er hatte gerade sein Gespräch mit Admiral Wellington beendet und seine Laune hatte sich seitdem noch immer nicht gebessert. Im Gegenteil, diese Nachricht von Lt. Commander Jefferson war seinen derzeitigen Entspannungsversuchen eher abträglich. Sichtlich ungehalten, dass die Situation nicht zu verbessern war, verzog er sein Gesicht.
Er wusste, dass seine Mannschaft alles daran setzte um das Schiff wieder voll funktionstüchtig zu machen und er vertraute auf die Fähigkeiten seiner Offiziere, dennoch war er über die anhaltenden Anstrengungen und die ausbleibenden Ergebnisse verärgert.
„Ich erwarte das wir unsere Reise sobald als möglich beenden Commander Jefferson!“ sagte er und blickte auf die Uhr auf seinem Tisch, sie zeigte 17:54 Uhr.
„Captain, auch wenn sich dieser Vorschlag haarsträubend anhört, so bringt er uns doch mehr als wir im laufenden Zustand der Anlage machen können. Wir werden Ihnen das genaue Prinzip in wenigen Minuten im Besprechungsraum detailliert erklären. Jefferson, Ende“
Der Captain warf nochmals einen Blick auf die Statusanzeigen des Antriebs und informierte sich über die Fortschritte der Reparaturarbeiten. Dann stand er auf und ging zur Tür.
„Captain auf der Brücke“ rief der Wachposten am vorderen Turbolift, der den Captain als erster erblickte und sofort Haltung annahm. Wikland blickte auf den Hauptschirm und sah den gleichen jämmerlichen Anblick von langsam vorbeiziehenden Sternen den er bereits in seinem Bereitschaftsraum feststellen musste, aber auf dem großen Schirm sah es noch bedrückender aus.
Er durchquerte die Brücke mit großen Schritten und trat in den am hinteren linken Ende der Brücke gelegenen Konferenzraum. Die technischen Offiziere waren bereits anwesend, daher setzte der Captain sich ans Kopfende des Tisches und kam gleich zur Sache:
„Ihre Berichte zur Lage meine Damen und Herren, und bitte, nur gute Nachrichten wenn es Ihnen keine Mühe macht.“
„Captain...“ begann der stellvertretende Chefingenieur Otumbwe „...wir konnten die Langstreckensensoren und die Navigation soweit wieder voll funktionsfähig machen, allerdings ist nicht genügend Energie vorhanden um alle Systeme voll einzusetzen.“
Captain Wikland richtete seinen noch immer finsteren Blick auf Jaqueline Jefferson und sagte:
“Na dann wollen wir doch mal hören, wie uns da geholfen werden kann?“
Jaqueline Jefferson erhob sich und ging zum Wanddisplay, das eine schematische Darstellung der Materie/Antimaterie Mischkammer des Warpantriebs zeigte und die derzeitigen Beschädigungen durch hellblaue Konturen hervorhob.
„Wir haben leider nur wenige Optionen. Wenn wir den Antrieb weiterlaufen lassen, können wir nur mit minderer Energie weiterfliegen, dass bedeutet maximal Warp 2.“
Die Mine des Captains machte den Eindruck als sei sie aus Stein gemeißelt und seine stahlblauen Augen fixierten die Chefingenieurin bei jeder Bewegung. Seine Anspannung war deutlich zu erkennen und er konnte seinen Ärger nur mit Mühe unterdrücken.
„Das Hauptproblem hierbei sind die eingebrannten Plasmainjektoren, mit denen der Materiefluss aufgrund der Streuung nicht mehr genau dosiert werden kann. Hier hilft normalerweise nur ein Austausch, wofür uns allerdings kein Material zur Verfügung steht.“
Sie wandte sich dem Captain zu und fuhr fort,
„Lieutenant van Holt hat jedoch aus einer experimentellen Versuchsanordnung einen dipolaren Kalibrierungsstrahler den wir modifizieren können und mit dem die Bohrungen sowie die Austrittsöffnungen der Injektoren überarbeitet werden könnten. Danach ist zwar die Austrittsöffnung um 7,254 Prozent größer, aber das können wir durch den Versorgungsdruck wieder kompensieren.“
Der Captain hatte noch Zweifel bezüglich der zu erwartenden Vorteile und fragte:
„Wie lange dauert es, und was versprechen Sie sich davon?“
Jefferson schaltete das Display auf ein Arbeitsschema um. „Nach Abschalten des Warpantriebs eine Stunde für die Reparatur und zwei weitere Stunden für die Reinitialisierung des Warpkerns. Danach können wir bei einer Nominalleistung von 88 Prozent auch mit nur einer Warpgondel Warp 4 bis Warp 4,5 erreichen. Abgesehen davon könnten wir in der Zwischenzeit mit voller Impulskraft weiterfliegen und mit dem reinitialisierten Warpantrieb selbstverständlich wieder alle Schiffssysteme ans Netz nehmen.“

Die Mine des Captains erhellte sich langsam, auch wenn die zu erreichende Reisegeschwindigkeit noch immer deutlich unter seinen Vorstellungen lag. Allerdings würde das Wiedereinschalten der Holodecks und Freizeiteinrichtungen die Stimmung an Bord einschließlich seiner eigenen Laune wieder erheblich steigern.

„Irgendwelche anderen Optionen zu unserem Energie- und Antriebsproblem?“ fragte Wikland in die Runde, aber außer Stille und gesenkten Köpfen war keine Reaktion zu erkennen, die Crew war bereits seit vielen Stunden auf den Beinen und die Konzentrationsfähigkeit und Kreativität hatte in den letzten Stunden rapide abgenommen.
„Gut“ sagte Wikland „Der Vorschlag ist akzeptiert, halten Sie mich auf dem Laufenden und sobald genügend Energie vorhanden ist möchte ich, dass der Kindergarten, die Schule und der Kinderfreizeitbereich zuerst wieder ans Netz gehen.“
Wikland stand auf und während die anderen Offiziere den Raum verließen ging er hinüber zu Jefferson, die noch immer am Wanddisplay stand.
„Ehrlich gesagt war ich nicht davon überzeugt, dass diese Abschaltung des Antriebes meinen Tag doch noch retten würde, aber die Aussicht auf Warp 4,5 hat mich dann doch überzeugt.“ Jaqueline Jefferson blickte dem Captain fest in die Augen und sagte:
„Eine Änderung, die uns nicht mindestens doppelt so gut stellt wie bisher, hätte ich Ihnen gar nicht erst angeboten, Sir.“
Der Captain nickte verständnisvoll
„Machen Sie sich gleich an die Arbeit. Ich weiß, dass Ihre Schicht schon lange zu Ende ist, aber ich würde es begrüßen, wenn Sie die gesamte Aktion überwachen“
Jefferson winkte ab
„Wir sind ohnehin schon seit 13 Stunden ohne Pause an den Reparaturen, da machen die paar Stunden dann auch nichts mehr aus, wenn ich danach nur ungestört ausschlafen darf“
„Versprochen!“ sagte Wikland, dessen Laune sich inzwischen gravierend gebessert hatte
„Für Warp 5,5 würde ich Sie sogar mit einem alten schwedischen Wiegenlied in den Schlaf singen!“
Sie sahen sich lächelnd an und Jefferson verschwand kurz darauf durch den Gang in Richtung Turbolift während sich Captain Wikland wieder auf die Brücke begab.
„Captain auf der Brücke“ rief der Wachposten im hinteren Bereich der Brücke und zog seine Uniform glatt.
Wikland setzte sich auf seinen Stuhl,
„Lieutenant Ramirez, gehen Sie unter Warp und aktivieren Sie den Impulsantrieb. Wir fliegen mit vollem Impuls weiter“
„Aye, Sir“ kam es von der Conn zurück.
„Lieutenant Alisha, sichern und deaktivieren Sie die Computerkerne drei bis fünf und schalten Sie auf Reserveenergie um, der Warpantrieb wird in wenigen Minuten für Reparaturen abgeschaltet.“
Andy Duke der zweite Offizier und Ran Byrell, der die taktische Station überwachte, warfen sich fragende Blicke zu. Noch vor wenigen Minuten war der Captain extrem ungehalten über das dahinkriechen seines stolzen Schiffes gewesen. und jetzt war er sogar bereit, unter Warp zu gehen. Obwohl sie schon seit geraumer Zeit auf der Alexandria stationiert waren hatten sie diese Art von Verhaltensänderung beim Captain bislang nie verstehen können.

Kapitel 3

Die Crew der Alexandria war ein eingespieltes Team und stand voll hinter ihrem Captain der die Mannschaft mit der gebotenen Härte, aber auch dem nötigen menschlichen Verständnis befehligte. Er legte Wert auf äußerste Disziplin, Befolgung seiner Befehle und vollen Einsatz seiner Offiziere und Mannschaftsmitglieder. Bei der Crew galt er als hart aber gerecht. Sein nordisches Temperament hatte ihn schon manchmal in etwas unangenehme Lagen gebracht, aber er verstand es immer, sich aus diesen elegant zu befreien, ohne das ihm jemand böse sein konnte.

Seine Crew fühlte sich an Bord der Alexandria wohl und brachte bislang immer, auch in schweren Situationen, mehr Leistung als erwartet werden konnte. Die hohe Motivation der Crew wurde auf den besonderen Führungsstil des Captains zurückgeführt, der sich bemühte, Problemfälle direkt mit den betroffenen Personen zu besprechen und Reibungspunkte in der Mannschaft durch spezielle Dienstplanung oder Umbesetzung zu minimieren.
Obwohl das nicht die Aufgabe des Captains war, ließ er sich diesen Teil der Mannschaftsführung nicht aus der Hand nehmen.
Es wurde ihm durch die hohe Loyalität und das Pflichtbewusstsein seiner Crew gedankt.

Er war immer für einen Spaß zu haben, wenn er im richtigen Moment erfolgte. Er liebte es manchmal die Fäden hinter den Kulissen zu ziehen und dann die entgeisterten Gesichter der Unwissenden zu betrachten.
Im Übrigen hatte er eine Vorliebe dafür, besondere Leistungen seiner Offiziere und Mannschaftsmitglieder auf ungewöhnliche Art zu belohnen. Seine Ideen waren berühmt - berüchtigt und unter der Crew war der Spruch
„Jeden Tüchtigen erwischt es Irgendwann einmal!“ bereits zum geflügelten Wort geworden.

Gerade an diesem Tag fühlte er sich in seiner Haut besonders wohl. Kürzlich hatte er sich gegen den Rat seiner beiden Führungsoffiziere dazu entschlossen, Jaqueline Jefferson zur leitenden Chefingenieurin zu befördern.
Obwohl es andere Kandidaten mit besseren Qualifikationen gab, war er der Ansicht, dass gerade ihre manchmal etwas direkte und impulsive Art sie für die Stelle besonders geeignet machte. Zudem kam sie gut mit den anderen Kollegen in der Maschinensektion zurecht.
Gemeinsam mit Lieutenant Jan van Holt hatte sie ein aktives und kreatives Team gebildet, und so hatte er beschlossen, um Autoritätsprobleme auszuschließen, den stellvertretenden Chefingenieur, Kawumbwa Otumbwe der sich ebenfalls um den Posten des Leitenden Offiziers beworben hatte, mit der technischen Unterstützung der Science- und Sensorengruppe zu beauftragen, was ebenfalls eine verantwortungsvolle Aufgabe war.

Ein ganz anderes Thema waren die offenkundigen Wünsche des Captains. Wikland hatte sich schon oft beim Hauptquartier der Sternenflotte dafür verwendet, die Alexandria umbauen zu lassen, um eine große Anzahl von Marines auf dem Schiff unterzubringen. Die Admiralität hatte jedoch seine Anträge immer wieder abgelehnt mit der Begründung, die Alexandria sei kein reines Militärschiff sondern einer der Technologieträger der Sternenflotte und somit wäre die Unterbringung von Marines nicht erforderlich.
Dennoch war die Alexandria in Krisensituationen stets eines der Führungsschiffe im Kampfverband, da Sie durch die zahlreichen Extraausstattungen und die hervorragenden taktischen Kenntnisse von Captain und Crew eine wertvolle Ergänzung der Flotte und einen Trumpf in aussichtslosen Situationen darstellte.

Jan Erik Wikland kam nicht ganz freiwillig zur Sternenflotte. Nach dem Tod seiner Frau und den ungeborenen Zwillingen, der infolge eines Einbruchs in sein Haus von dem Täter verschuldet worden war, war er zunächst ein gebrochener Mann und nur der Weitsicht seines Onkels Sven Jorgensen war es zu verdanken, dass Wikland nicht ins Dunkel des kriminellen Sumpfs abgesunken war.
Der Onkel, ein hochrangiger Admiral der Sternenflotte mit weitreichenden Befugnissen berief sich auf ein kaum bekanntes, seit Jahrzehnten nicht mehr verwendetes Reserve Aktivierungs-Programm und ließ seinen Neffen einfach zur Spezial Sicherheitsabteilung einziehen.

Durch die notgedrungene Unterordnung und die strenge Disziplin wurde Wikland schnell klar, dass sein Leben noch nicht vorbei war und er sich neue Ziele stecken musste.
Bis heute hatte er jedoch nicht den starken Wunsch überwunden, den Kapitalverbrecher in die Finger zu bekommen, der den Tod seiner Familie zu verantworten hatte. Aufgrund eines Zeugenschutzprogrammes konnte dieser nicht verurteilt werden. Außerdem wurden seine Akten von der Sternenflotte unter Verschluss gehalten. Captain Wikland kannte nicht einmal dessen Namen.

Kapitel 4

Commander David Alexander Robinson hatte gerade die Überprüfung der Antimaterie Lagereinheiten abgeschlossen und glaubte seinen Ohren nicht zu trauen, als er den Turbolift auf Deck 24 verließ.
Dröhnender Rock & Roll schallte durch den Flur, und Jaqueline Jefferson und Jan van Holt waren mit rhythmischen Bewegungen damit beschäftigt die Kalibrierungsanordnung für die Plasmainjektoren aufzubauen.
„Was ist denn hier los?“ platzte es aus Ihm heraus
„Sind wir hier im Rockkonzert?“ Eine ausladende Bewegung seiner Arme begleitete den erstaunten Gesichtsausdruck, während er mit dem PADD in seiner rechten Hand herumwedelte.
„Nein Sir, aber die Musik hält uns wach und motiviert dazu im gleichen Tempo mitzuarbeiten. Sie wollen doch wohl auch wieder schnell nach Hause, oder ?“
Jaqueline Jefferson sah Robinson prüfend an und er verzog sein Gesicht zu einer strengen Mine, aber ein kleines Lächeln im Mundwinkel konnte er doch nicht verbergen.
„Dann lassen Sie wenigstens den Rest der Crew schlafen und drehen Sie die Lautstärke runter. In Anbetracht der Situation verzichte ich darauf den Captain über diese Disziplinlosigkeit zu informieren.“
Robinson drehte sich um und machte sich auf den Weg zu seinem Quartier, er hatte sich in seiner dienstfreien Zeit mit einigen anderen Offizieren zu einem kleinen Pokerspiel verabredet und war eigentlich schon spät dran.
Jan van Holt war mit dem Aufbau seiner Geräte gerade fertig geworden, da kamen die beiden Techniker schon mit den ausgebauten Plasmainjektoren zum Tisch.
Die Injektoröffnung war durch die Überhitzung sehr stark beschädigt und erinnerte eher an eine ausgefranste Jeanshose aus dem 20. Jahrhundert als an einen präzisionsgebohrten Diamant-Kerillit Plasmazerstäuber.
Mit Hilfe des dipolaren Kalibrierungsstrahlers wurde zunächst die Spitze des Injektors abgeschnitten um die Ausfransungen zu beseitigen.
Danach wurde im Anschluß an die besonders aufwendige Feinjustierung die Innenbohrung neu hergestellt. Schon die geringsten Unebenheiten führten zu einem unregelmäßigen Materiefluß und somit zu verminderter Leistung. Mit einem normalen Phaser wäre eine so glatte Oberfläche selbst bei höchster Präzision nicht erreichbar gewesen.
Der dipolare Kalibrierungsstrahler konnte jedoch das Verbundmaterial aus Diamant und Kerillit langsam und ultrafein abtragen.
Nach endlosen 22 Minuten war der erste Injektor fertig und konnte wieder eingebaut werden. Weitere 30 Minuten später war auch der zweite Injektor wieder auf dem Weg zur Mischkammer.
„Jetzt müssten wir nur noch einen Weg finden, wie wir die Matrix der Hyperkondensatoren neu aufbauen können, dann könnten wir wieder richtig Gas geben!“ sagte Jefferson zu van Holt der ihren Blick mit verbissener Mine erwiderte
„Vergessen Sie’s, wir kommen auch ohne die Dinger auf Warp 4,5. Mehr ist ohnehin nicht drin, da die Warpfeldharmonie bei einseitigem Antrieb so asymmetrisch ist, dass es dass Schiff bei hoher Beschleunigung glatt zerreißen würde.“
„Das weiß ich auch...“ entgegnete Jefferson
„...aber ich will mehr!“sagte sie trotzig.
„Alleine die Berechnung für das multiple Kennfeld der Kondensatoren beträgt 2 Tage, die variablen Energieverteilungsgitter nicht mitgerechnet.“ gab van Holt zu bedenken. Jefferson winkte ab,
„Schon gut, ich verabschiede mich von diesem Gedanken. Ich gehe erst mal zu Captain Wikland um Ihn über den neuesten Stand zu informieren. Beginnen Sie schon mal mit der Reinitialisierungssequenz.“
Damit verschwand sie im Gang zum Turbolift.

Auf der Brücke waren alle Stationen bereits mit der Nachtschicht besetzt. Auf dem Platz des Captains saß Commander Darian Wells, der leitende Schiffsarzt und bedeutete Jefferson mit einer leichten Geste, dass sich der Captain noch in seinem Bereitschaftsraum befand.
„Herein“ sagte Wikland, als er das Türsignal hörte, und Jaqueline Jefferson betrat den Raum.
„Captain, wir haben die Plasmainjektoren erfolgreich überarbeitet und bauen Sie gerade ein, Lieutenant van Holt beginnt bereits mit den Vorbereitungen für die Reinitialisierung des Warpantriebs. In ca. zwei Stunden kann der Antrieb wieder ans Netz gehen.“
Der Blick des Captains fiel auf den Tischcomputer. 19:05 Uhr zeigte das Display,
„Dann liegen wir also gut im Zeitplan nicht wahr?“ erwiderte der Captain
„Ja, Sir, auch wenn...“ sie stoppte mitten im Satz.
Der Captain schaute auf und blickte ihr direkt in die Augen
„...wenn was ?“ fragte er gedehnt.
„Nun Sir, ich bin mir sicher, dass mit funktionierenden Hyperkondensatoren noch mehr aus unserem Antrieb herauszuholen wäre, aber Lieutenant van Holt hat mit Recht darauf hingewiesen, dass alleine die Berechnung der neuen Matrix einige Tage in Anspruch nehmen würde. Abgesehen von der Warpfeld-Asymmetrie.“
Captain Wikland lehnte sich in seinem Sessel zurück und setzte einen gelassenen Hochschullehrerbilck auf.
„Da hat er natürlich Recht, und das ist ja auch nicht schwer zu erraten wenn man 1 und 1 zusammenzählen kann, zumindest unter normalen Bedingungen des Schiffsbetriebs.“
Jaqueline Jefferson stand etwas verwirrt vor dem Captain „Sir?“
Wikland nahm ein PADD mit dem Schiffsstatus vom Tisch auf und schaltete das Display eine Seite weiter.
„Was würden Sie sagen, wenn ich Ihnen die Mitarbeit von drei überaus eifrigen Helfern anbieten könnte, die sich voll auf Ihre Matrix konzentrieren?“ fragte der Captain.„Das ist ein überaus großzügiges Angebot Sir, aber bei der Erstellung der Matrix kommt es im Wesentlichen auf Berechnungen an. Die Kontrolle der Konsolen kann leicht von nur einer Person erledigt werden. Zusätzliche Crewmitglieder würden uns da nicht weiterbringen.“
„Oh, ich dachte eigentlich nicht an Crewmitglieder...“ begann der Captain mit einem schelmischen Ausdruck im Gesicht,
„...wir haben aus Energiegründen die Computerkerne drei bis fünf gesichert und deaktiviert. Sie sind von der Schiffskontrolle komplett getrennt und könnten alle drei zu 100 Prozent an dieser Aufgabe arbeiten.“
Die Augen von Jefferson begannen zu strahlen
„Das würde die Berechnungszeit auf wenige Stunden reduzieren Sir.“
Der Captain blickte Sie fragend an
„Worauf warten Sie dann noch?“
Jefferson machte auf dem Absatz kehrt und war schon durch die Tür als Ihr der Captain noch hinterher rief „Viel Erfolg Commander!“

* * *

Um Punkt 21:00 Uhr meldete sich die Stimme von Jaqueline Jefferson wieder auf der Brücke
„Maschinenraum an Brücke. Sir, wir sind so weit. Der Warpantrieb ist wieder am Netz. Bitte beschleunigen sie langsam, wir haben nur eine Warpgondel und wir arbeiten noch immer an der Warpfeldgeometrie um etwas mehr rauszuholen.“Gab J.J. dem Captain zu verstehen.
„Wie weit sind Ihre Heinzelmännchen mit der neuen Matrix?“
fragte Captain Wikland der aus seinem Bereitschaftsraum auf die Brücke getreten war. Die anderen Offiziere der Brücke wechselten belustigte und verständnislose Blicke untereinander, da sie den Hintergrund nicht kannten.
Lediglich K’Orak der klingonische Wissenschaftsoffizier hatte bemerkt, dass die Computerkerne drei, vier und fünf vor einer Stunde und 45 Minuten vom Maschinenraum aus aktiviert worden waren, ohne jedoch einen Teil der Schiffsaufgaben zu übernehmen.
„Die Matrix ist in ungefähr 45 Minuten fertig, bis dahin wollen wir noch eine Lösung für die Feldsymmetrie finden“ antwortete Jefferson.
„Wir versuchen jetzt erst mal diese langweilige Schleichfahrt zu beenden, Lieutenant Ramirez, beschleunigen sie langsam auf Warp 4 und prüfen Sie was darüber hinaus noch möglich ist.“ Befahl der Captain der zu Commander Wells in die Mitte der Brücke getreten war.
„Aye, Sir“ kam das Echo von der Conn und kurz darauf war das gewohnte vorbeiziehen der Sterne auf dem Hauptschirm zu sehen, die bei steigender Warpgeschwindigkeit zu immer länger werdenden Strichen verzerrten. Nach 8 Minuten vorsichtigen Beschleunigens meldete Lieutenant Ramirez mit freudig vibrierender Stimme
„Warp 4,6 Captain“ und fügte hinzu
„...der Antrieb hat zwar genug Energie, aber das Drehmoment um die Hochachse des Schiffes läßt sich durch die Stabilisatoren nicht weiter ausgleichen. Ich muss jetzt schon extreme Kurskorrekturen vornehmen um das Schiff auf einfachem direkten Kurs zu halten.“
„In Ordnung, behalten Sie Kurs und Geschwindigkeit bei, ich bin in meinem Quartier. Commander Wells, Sie haben die Brücke. Gute Nacht“
Damit verschwand er im Turbolift, begleitet von der Meldung des Wachoffiziers „Captain verlässt die Brücke.“* * *„Verdammt, ich habe gedacht, dass wir das Warpfeld harmonisieren könnten, wenn diese Hyperkondensatoren wieder laufen, aber die Energiesignatur hat immer noch einen deutlichen Überhang nach links.“
Jefferson schaltete das Display der Diagnoseeinheit ab und setzte sich enttäuscht an Ihren Tisch, der direkt gegenüber des Warpkerns in der Ecke des Maschinenraumes gelegen war. Sie war nun seit über 17 Stunden auf den Beinen und hatte immer noch keine Lösung für das Problem des asymmetrischen Warpfelds gefunden.

„Ich glaube Sie sollten sich schlafen legen Jaqueline“ sagte van Holt „Ich bin auch total erschlagen und außerdem fliegen wir ja schon mit Warp 4,6. Sie haben Ihr Versprechen gehalten, was wollen Sie mehr?“Aber J.J. war trotz ihrer stundenlangen Schicht nicht bereit klein beizugeben.
„Ich will, dass dieser Kasten den Arsch hochkriegt und gefälligst mit Warp 6 oder mehr nach Hause fliegt.“ erwiderte sie wütend.
„Es muss doch eine Möglichkeit geben dieses Warpfeld wenigstens teilweise zu harmonisieren.“
„Dazu müssten wir auf der rechten Seite einen gleichschwingenden Gegenpol erzeugen, der die Warpblase überdehnen kann...“ van Holt saß mit aufgestützten Ellenbogen am Tisch und legte müde den Kopf in die Hände „...und das geht mit der defekten Warpgondel nicht mehr.“
J.J. stand auf und ging zum Wanddisplay mit der Schadensdarstellung. Es gab keine Möglichkeit die jetzt noch immer hellblau markierten Systeme zu optimieren oder zu reparieren. Lange verweilte Ihr Blick auf der Anzeige der rechten defekten Warpgondel.
„Moment mal, Es sind eigentlich nur zwölf der insgesamt 18 Warpspulen durchgebrannt. Wenn wir die restlichen sechs einzeln mit Energie belegen, könnten wir durch die Induktion ein Elektromagnetisches Feld erzeugen...“
„...welches in gleicher Polarität und Stärke mitschwingt, auch wenn kein Antrieb in der Kammer erzeugt wird.“ ergänzte van Holt den Satz und war bereits mit dem Phaseninduktor unterwegs zur Jeffriesröhre um die Einzelverbindung zu den Spulen wieder herzustellen.
Die ganze Prozedur war in weniger als 35 Minuten abgeschlossen und zufrieden betrachteten Sie das Warpfeld, welches sich beim Einschalten der Energie deutlich mehr in Richtung Schiffsmitte verschob.
„Geschafft!“ Jefferson sprang in die Luft und umarmte van Holt ganz spontan. Sie klopften sich gegenseitig auf die Schultern und öffneten eine Kom-Verbindung zur Brücke.
„Maschinenraum an Brücke. Wir haben die Feldharmonie des Antriebs optimiert, versuchen Sie mal mehr rauszuholen!“
Commander Wells nickte Lieutenant Edison Carter zu, der Ramirez inzwischen an der Conn abgelöst hatte. Er ließ sogleich seine geschickten Hände über die Konsole wandern.
Mit vorsichtigen Steigerungsraten forderte er dem Antrieb immer mehr Energie ab und als der Punkt erreicht war an dem die Scherkräfte aufgrund des immer noch einseitigen Antriebes wieder auftraten zeigte die Skala Warp 6,2 an.
Der leitende medizinische Offizier, der die Nachtwache hatte lächelte und sagte
„Gute Arbeit Commander Jefferson, wir haben jetzt Warp 6,2 und werden bei dieser Geschwindigkeit in maximal 36 Stunden auf Sternenbasis 491 eintreffen.“ und als wollte er die Leistung der Chefingenieurin besonders honorieren erklärte er „Ich glaube es steht Ihnen zu, den Captain zu informieren, ich bin sicher, dass er noch nicht schläft. Wells, Ende.“

* * *Captain Wikland kam gerade aus der Dusche, als das Kom-Signal ertönte. Er befürchtete schon neue Hiobsbotschaften, dabei wollte er sich gerade zu Bett begeben, was er sich nach seiner eigenen Meinung an diesem Tag redlich verdient hatte.

„Wikland hier...“ tönte es aus dem Audiosystem im Maschinenraum und auf dem Display erschien das Gesicht des Captains. Er rubbelte sich gerade seine blonden Haare trocken und ließ dann das Tuch sinken.
„Hier spricht Lt. Commander Jefferson, Captain“ Jaqueline sah Lieutenant van Holt spitzbübisch lächelnd an,
„Ich hoffe ich habe Sie nicht beim Schlafen gestört, aber ich wollte Ihnen gerne noch mitteilen Sir, dass wir uns inzwischen mit Warp 6,2 in Richtung Sternenbasis bewegen und die Schleicherei endlich ein Ende hat“
„Gut gemacht Commander...“ entgegnete Wikland
„...Sie und Ihr Team haben hervorragende Arbeit geleistet. Ich werde mir das merken, und daran denken wenn sich wieder eine gute Gelegenheit für einen ausgedehnten Landurlaub oder Freigang bietet. Sie haben sich das ehrlich verdient. Aber jetzt sollten Sie den Maschinenraum der Delta Schicht überlassen und endlich schlafen gehen, Sie wollten doch in aller Ruhe ausschlafen oder ?“ Wikland war stets besorgt um seine Crew. Dazu gehörte bei aller Arbeit und Spitzenleistung auch eine geregelte Entspannungsphase, da nur so die gute Leistung auf Dauer aufrecht zu erhalten war.
„Ja Sir,...“ antwortete Jefferson
„Ich erwarte Sie dann in einer halben Stunde in meinem Quartier zum Wiegenlied!“
Wikland und Jefferson brachen gleichzeitig in schallendes Gelächter aus und van Holt blickte sie verständnislos an. Er hatte die scherzhafte Bemerkung des Captains bei der Besprechung natürlich nicht mitbekommen.
„Gute Nacht Commander, Wikland Ende.“

J.J. betrat ihr Quartier und war nur noch müde. Obwohl die Anspannung des langen Dienstes langsam von Ihr abfiel fühlte Sie immer noch eine gewisse Unrast in sich und trat vor den Spiegel. Das Bild das Sie sah jagte Ihr einen Schrecken ein. Die Haare klebten zusammen, und im Gesicht hatte sie einige Schmutzstreifen, die wohl bei der Arbeit in den Röhren entstanden waren. Auch die Passform der Uniform hatte durch die viele Kriecherei zu den unwegsamen Stellen des Schiffes deutlich gelitten. Jaqueline schüttelte den Kopf, so wollte sie den nächsten Arbeitstag nicht beginnen. Sie öffnete die Uniform und schälte Ihren hübschen Körper aus dem nachgiebigen Stoff. Mit schnellen Schritten hatte sie das kleine Badezimmer erreicht und entledigte sich noch schnell der letzten Kleidungsstücke bevor sie in die Ultraschalldusche trat.
Als sie nach mehr als einer Stunde den kleinen Raum wieder verließ, leuchteten auch Ihre Haare wieder in dem gewohnten aschblonden Farbton. Sie hatte sich entschlossen, dieses Kapitel ein für allemal zu begraben und nichts mehr zurückzulassen, was sie daran erinnerte.

* * *Im LOOKOUT, der kleinen Bar auf Deck 9 war nicht viel los. Die meisten Leute waren durch den harten Einsatz der letzten Tage sehr erschöpft und hatten sich gleich nach ihrem Dienst zur Ruhe begeben.
In der abgerundeten Sitzecke saßen der zweite Offizier Andy Duke und Alisha, die vor einer Stunde ihre Stationen an die Delta Schicht übergeben hatten, und schauten auf ihren Drink.
Es war ein ungeschriebenes Gesetz, dass diese Sitzecke nur den Senioroffizieren zur Verfügung stand und es wurde selbstverständlich von jedem Crewman und Junioroffizier respektiert.
Andy Duke drehte sich zu Alisha um und sagte:
„Wissen Sie etwas genaueres darüber, dass wir einen neuen Offizier an Bord nehmen sollen?“
Alisha drehte ihr Glas mit der rechten Hand auf dem Untersetzer aus Eropimasbaumrinde und antwortete leise: „Andy, Sie wissen doch, dass ich als Operationsoffizier lediglich die für die aktuelle Mission anstehenden Informationen erhalte...“
Sie blickte zu Andy und ergänzte
„...einen neuen Einsatzplan gibt es noch nicht, also auch keine neuen Daten.
Ich weiß nur, dass er den Rang eines Commanders begleitet und es geht das Gerücht um, dass er möglicherweise einen Brückenposten, vielleicht sogar den von David Robinson übernehmen könnte.“
Als Bolianerin verstand sie oft nicht mit welcher Logik die Personalentscheidungen der Sternenflotte getroffen wurden, da ihr Volk eine gänzlich andere Struktur und Gesellschaftsform hatte. Aber im vorliegenden Fall schien selbst Captain Wikland von diesem Wechsel überrascht zu sein, wenn sie seine Reaktion auf der Brücke richtig interpretiert hatte, die recht heftig ausfiel und einige nordische Flüche und Verwünschungen über den mangelhaften Informationsfluss enthielt.

Andy setzte einen traurigen Gesichtsausdruck auf und blickte auf den Tisch. Auch wenn er mit David Alexander in seiner Zeit an Bord nie eine richtige Freundschaft aufgebaut hatte so schätzte und respektierte er ihn doch als guten Kollegen und kam mit ihm immer gut zurecht. Er bedauerte sehr, dass David möglicherweise das Schiff verlassen würde.
Andy stand auf und ging die drei Stufen zur oberen Ebene hinauf. Er stellte sich direkt vor das Fenster das den Blick in Flugrichtung der Alexandria freigab.
Als Sicherheitschef hatte er in seiner bisherigen Laufbahn reichlich Erfahrung damit gesammelt, dass Personalwechsel in der Führungsebene oft mit vielen Problemen einhergingen. Er hätte zu gerne gewusst was da auf sie zukam. * * *

Captain Wikland stand auf der Brücke und blickte auf den Hauptschirm. Die Langstreckensensoren hatten bereits vor einer Stunde den Subraumleitstrahl von Sternenbasis 491 aufgefangen und er war zufrieden mit sich und seiner Mannschaft. Nach der Notreparatur konnte man die Reise mit hoher Warpgeschwindigkeit fortsetzen, und die Sternenbasis war gerade als winziger Punkt bei maximaler Vergrößerung auf dem Hauptschirm erschienen.
„Gehen sie langsam unter Warp Mr. Ramirez und bringen Sie uns zur Andockrampe“ befahl er dem Offizier an der Conn.
Innerhalb von wenigen Minuten verschwanden die typischen Warpsterne und es war wieder der fast statische Blick auf das Universum zu sehen.
„Sternenbasis 491, hier ist die U.S.S. Alexandria, wir bitten um Zuweisung einer Andockrampe und Einweisung über den Leitstrahl“ gab Carah Pehl die Offizierin an der Kommunikation auf Captain Wiklands Kopfbewegung hin durch.
„Hier Sternenbasis 491, willkommen im heimischen Hafen, Sie können am Andockring acht festmachen.“ kam die Stimme aus dem Audiosystem.
„Lieutenant Carah, stellen Sie eine Verbindung zu Admiral Parker her, ich will den Reparaturbedarf mit Ihm besprechen. Ich bin in meinem Raum.“ ordnete Wikland an und war im nächsten Moment bereits unterwegs in Richtung Bereitschaftsraum.
„Captain verläßt die Brücke“ war die logische Reaktion auf diese Aktion die auch sofort durch den Wachposten im hinteren Teil der Brücke erfolgte.* * *Wikland war direkt nach dem Andocken auf die Station gegangen und stand nun im Büro von Admiral Theo Parker, dem verantwortlichen Leiter für Materialbeschaffung sowie der Wartungs- und Reparaturcrews.
Er hatte seine Lage bereits vor der Ankunft geschildert und man hatte sich geeinigt direkt nach dem Eintreffen die nötigen Dinge zu besprechen.
„Sie haben Glück Captain Wikland...“ begann Admiral Parker, nachdem er die Schadensberichte überflogen hatte. Er machte mit der Pfeife in der rechten Hand eine ausholende Bewegung und stopfte dann den Tabak nach
„...wir haben für die Generalüberholung der U.S.S. Phoenix gerade zwei komplette Warpgondeln erhalten. Da das Schiff von Captain Galagher aber durch den derzeitigen Auftrag noch mindestens zwei Wochen gebunden ist, können Sie eine komplette Einheit bekommen und wir haben bis zum Eintreffen der Phoenix noch genug Zeit um eine Neue anzufordern.“ damit nahm er einen genüßlichen Zug aus der Tabakpfeife.
„Danke sehr, Admiral“ entgegnete Wikland,
„Ich weiß es sehr zu schätzen, dass sie mir und meinem Schiff so entgegenkommen. Wie kann ich mich dafür bei Ihnen revanchieren?“
Der Admiral trat ans Fenster seines Büros und blickte hinaus auf die Alexandria, die an der Andockrampe festgemacht hatte. Äußerlich waren eigentlich keine Schäden zu erkennen.
„Nun, wenn Sie mich so direkt fragen, Captain...“ Er drehte sich zu Wikland
„...wir werden in Kürze einige technische Probleme lösen müssen, und ich würde mich freuen, wenn sich einer Ihrer technischen Offiziere dieser Sache annehmen könnte. Jemand der diesen angeschlagenen Vogel dort draußen...“ er deutete mit Pfeife auf die Alexandria,
„...mit nur einer Warpgondel auf Warp 6,2 beschleunigt, ist sicher auch geeignet uns bei der Lösung einer besonderen technischen Herausforderung zu unterstützen.“
Wikland nickte mit dem Kopf,
„Selbstverständlich Admiral. Lassen Sie mir die Unterlagen über Ihr Problem zukommen, ich werde sehen, wer für diese Aufgabe am besten geeignet ist Sir“
„Wie ist es eigentlich zu dieser Beschädigung gekommen, soviel ich weiß ist Ihr Schiff doch eines der bestausgerüsteten unserer Flotte?“ wollte der Admiral von Captain Wikland wissen.

„Nun, wir hatten bereits einen Großteil der argosianischen Flotte zurückgedrängt, aber die Neromianer können sich nun mal nicht in die Föderationstaktiken einfügen. Sie bevorzugen die - Schlag zu und Hau ab - Taktik und haben unserem Schiff nur wenig Deckung gegeben.“
„Verstehe“ sagte der Admiral.
„Leider konnten wir die Neromianer nicht dazu bringen Ablenkungsmanöver zu fliegen und so konzentrierte sich das Feuer der Argosianer immer wieder auf unser Schiff.“
Wikland machte eine kurze Pause und sah zur Alexandria hinüber,
„Nachdem wir in einigen heftigen Salven von Photonentorpedos und dauerndem Phaserbeschuss zwei der Führungsschiffe kampfunfähig gemacht hatten, beschlossen wir, den Hauptverband, der aus zahllosen Einzelschiffen bestand durch den Einsatz unserer neuen Subraum-Verzerrungs Photonentorpedos zu zerstreuen.“ Wikland machte eine kleine Pause.
„Nach dem Abschuß gingen wir auf Warp eins und navigierten mit dem Delta 4 Ausweichmanöver eine Wende nach Backbord. Die Detonation erzeugte aber keine symmetrische Subraumverzerrung und ein Ausläufer erreichte unsere rechte Warpgondel genau in dem Moment als wir beschleunigten.“sagte er ärgerlich.
„Noch nicht ganz ausgereift diese Dinger, nicht wahr?“ war die Reaktion des Admirals, der noch einen Zug aus seiner Pfeife nahm „Was ist mit den Argosianern passiert?“
„Die Subraumschockwelle hat die Schilde und Anrtiebseinheiten der Argosianer lahmgelegt und die Neromianer haben die ganze Flotte kalt erwischt. Sie haben Ihnen die Wahl gelassen zwischen Kapitulation und Friedensvertrag oder vollständiger Vernichtung der Flotte.“
Wikland senkte kurz den Blick und schaute dann den Admiral an.
„Die Argosianer haben Gott sei Dank die Friedensverhandlungen vorgezogen, es hat ohnehin genug Opfer in dieser Auseinandersetzung gegeben.“ schloß Wikland seine Ausführungen.
„Wenn Sie erlauben, möchte ich jetzt gerne auf mein Schiff zurück, der neue Offizier wird um 15:00 Uhr an Bord kommen und ich möchte die technische Crew über die durchzuführenden Arbeiten informieren.“
Admiral Parker ging auf Wikland zu und reichte Ihm die Hand, „Das ist verständlich Captain, die Wartungscrew der Station wird die neue Warpgondel aus dem Hangar nehmen und die Ankopplung vorbereiten. Wenn alles klappt, ist Ihr prächtiges Schiff in vier Tagen wieder voll einsatzfähig.“
„Danke Admiral“ sagte Captain Wikland und machte sich auf den Weg zum Andockbereich.

Kapitel 5

Roger van Dyke war ein großer durchtrainierter Mann Anfang dreißig. Mit seinem mittelblondem kurzem Haar, den grauen Augen und einem angenehmen nicht übertriebenen Lächeln auf den Lippen machte er einen sympathischen Eindruck. Der korrekt gestutzte Vollbart gab seinem Gesicht ein ruhiges und integeres Aussehen.
Roger war ein sehr ausgeglichener Mensch und bevorzugte daher eine diplomatische Vorgehensweise zur Lösung von Konflikten.
Er trug gerne eine lockere und aber nicht allzu bunte Kleidung und hatte eine Vorliebe für Kraftfahrzeuge, die im 20. Jahrhundert als eines der Hauptbeförderungsmittel auf der Erde genutzt wurden. In seiner meist nur spärlichen Freizeit befaßte sich van Dyke zudem mit Science-fiction Literatur dieser Epoche sowie den alten visuellen Dateien, die in dieser Zeit oft in großen Sälen vor vielen hundert Menschen vorgeführt oder in Einzelzugangs-Terminals sogenannten Fernsehgeräten per Kabelübertragung eingespeist wurden.
Bislang hatten ihm schon viele verschiedene Schiffe der Sternenflotte als Zuhause gedient. Nach Beenden der Sternenflotten Akademie hatte er an einer zusätzlichen Ausbildung in Computertechnik und Wissenschaft teilgenommen, die Roger aufgrund seiner hervorragenden Fähigkeiten mit Leichtigkeit abschloss.
Commander Roger van Dyke packte die letzten Sachen in seine Tasche. Die persönlichen Dinge waren bereits mit dem mobilen Lastentransfer zur Alexandria gebracht worden, und so blieben Ihm nur noch einige Kleidungsstücke, die er nach dem Duschen gewechselt hatte.
Van Dyke verließ das Quartier, welches ihm die letzten 4 Tage zur Verfügung stand. Eigentlich sollte er bereits direkt nach seiner Ankunft auf sein neues Schiff wechseln. Da sich der Rückflug aber durch den Defekt verzögert hatte wurde Ihm für die Zwischenzeit ein Raum zugewiesen.
Er hatte die Zeit genutzt um sich mit den Ausstattungsmerkmalen des neuen Schiffes vertraut zu machen. Mehrere umfangreiche Dateien über Sondereinrichtungen musste Roger dazu studieren. Die Alexandria verfügte über neue, nicht standardisierte Schilde, Subraum-Verzerrungs Torpedos, Zusatz- und Spezialtransporter sowie besondere Sensoreneinrichtungen. Ein solches Potential an Waffen, Antrieb und Schutzeinrichtungen war ungewöhnlich für ein normales Starfleet Schiff, welches nicht direkt unter militärischem Befehl stand.Zu den besonderen technischen Einrichtungen hatte sich der Commander eigene Notizen gemacht, um im Falle eines Falles schnell auf wichtige Details zugreifen zu können.
Es war eine Eigenart von ihm, die einen Teil seiner besonderen Fähigkeiten darstellte. Häufig nutzte van Dyke diese Informationen für die kreative Gestaltung seiner oft ungewöhnlichen aber gleichwohl effizienten Lösungswege. In seiner bisherigen Karriere hatte er schon häufig mit seinen Ideen aussichtslose oder prekäre Situationen bewältigt, und die darauf folgenden Ehrungen mit Ruhe und Distanz entgegengenommen. Mehr als einmal hatte man ihm für seine Verdienste eine Beförderung angeboten, die er in solchen Situationen stets abgelehnt hatte. Er hatte seine Dienstgrade durch harte Arbeit und bedingungslosen Einsatz erreicht.
Roger van Dyke lächelte in sich hinein, denn er wusste, dass er längst Captain sein und ein eigenes Schiff befehligen könnte, hätte er alle angebotenen Hilfestellungen, Schulterklopfer und Beförderungen entgegengenommen die man ihm im Laufe seiner Dienstzeit unterbreitet hatte. Mit einem leichten Kopfschütteln verdrängte er die Gedanken an die Vergangenheit, die neben all den gelungenen Missionen auch ihre Schattenseiten hatte. An einige davon wollte er sich nie mehr erinnern.
Während er überlegte, was ihn an Bord der Alexandria erwartete, schritt er den Gang zum Turbolift entlang. Der Lift öffnete sich und van Dyke gab die Anweisung,
„Deck 15, Andockring acht“
Ohne einen Ruck setzte sich der Lift in Bewegung und schon nach wenigen Sekunden öffnete sich die Tür mit dem üblichen zischenden Laut.
Nachdem Roger aus der Kabine herausgetreten war stand er im Andockbereich, und konnte durch die Fenster den Rumpf der Alexandria sehen. Ein langer teleskopartiger Gang war mit einer Schleuse im Hauptrumpf auf Deck 9 verbunden.
Das Schiff war umgeben von hektischer Betriebsamkeit und viele Wartungsschiffe, sogenannte Workbees waren damit beschäftigt Material zu den unzugänglichen Stellen an der Schiffshülle zu bringen und Vorbereitungen für den Warpgondel-Austausch vorzunehmen.
Von diesem Punkt konnte man die Starfleet Insignien und die Schiffsidentifikation erkennen, wo in großen Lettern geschrieben stand „U.S.S. Alexandria NCC-75341“ und dahinter schloss sich in kleiner Schrift die übliche Signalisation der Sternenflotte an „United Federation of Planets“ Wo immer diese Wörter standen, so hatte er sich geschworen, da war sein Zuhause.
Mit zügigen Schritten ging er hinüber zur Luke und berührte den Sensorbereich für den Signalgeber.
Die Luke fuhr nach oben in den Rumpf und gab den Einstieg frei. Roger trat ein und öffnete die Luftschleuse. Etwas zu hastig trat er in den Flur auf Deck neun und hätte fast einen der beiden Wachposten umgerempelt, die am Eingang standen.
Vor Ihm stand ein junger Offizier, mit einem eher schüchternen Gesichtsausdruck, der sich in seiner momentanen Lage gar nicht wohl zu fühlen schien.

Van Dyke schaute sich um, sah aber kein anderes Crewmitglied außer den beiden Wachposten. Er hatte eigentlich den Captain erwartet, zumindest aber den ersten Offizier, der sich an Bord befinden musste.
Nachdem er erkannte, dass nur der junge Lieutenant gekommen war um Ihn zu empfangen stellte er seine Tasche ab und grüßte.
„Commander Roger van Dyke meldet sich zum Dienst. Erlaubnis an Bord zu kommen?“ meldete er sich nach alter Sternenflottentradition.
„Erlaubnis erteilt, Sir“ antwortete Ran Byrell, der Lieutenant junior Grade, der Roger van Dyke gegenüberstand.
„Darf ich Ihnen Ihr Quartier zeigen Commander...“ Ran Byrell drehte sich um und bedeutete van Dyke mit einer einladenden Geste, ihm zu folgen.
Auf Deck sieben angelangt erreichten sie im vorderen Bereich des Schiffes eine Tür mit der Aufschrift -Commander David Alexander Robinson- und van Dyke trat ein.
Ran Byrell war an der Tür stehen geblieben und sagte zu van Dyke:
„Commander Robinson hat erst heute Morgen den Raum gewechselt, die Beschriftung wird selbstverständlich heute noch geändert.“
Van Dyke sah sich kurz in seinem neuen Quartier um und antwortete spöttisch:
„Hoffentlich hat er wenigstens noch geputzt und den Klodeckel runtergeklappt bevor er gegangen ist.“
Ran Byrell setzte einen säuerlichen Gesichtsausdruck auf, eine solche herablassende Bemerkung hatte er nicht erwartet, auch wenn Commander Robinson die Abholung des neuen Offiziers einfach an Ihn delegiert hatte, weil er offensichtlich keine Lust hatte diese Aufgabe selbst auszuführen.
„Der Captain erwartet Sie um 15:00 Uhr in seinem Bereitschaftsraum“ sagte Ran knapp und verließ den Raum.

Kapitel 6

Roger van Dyke stellte seine Tasche ab und ließ seinen Blick nun ruhig durch den Raum wandern. Zu seiner linken war ein kleiner Arbeitsplatz mit allen nötigen technischen Einrichtungen abgetrennt durch einen Raumteiler, in den der Replikator integriert war. Vor den Fenstern die den Blick in den Weltraum gestatteten befand sich ein ovaler Tisch mit acht Sitzplätzen, über dem eine zusätzliche Schirmlampe angebracht war.
Der grüne Stoffüberzug verriet, dass hier wohl einige Poker Partien abgehalten worden sein mussten. Links daneben schloss sich eine bequeme und äußerst geräumige Sitzecke an, die von mehreren Pflanzen umsäumt war.
Im Nebenraum, der durch eine Tür vom Wohnbereich getrennt war, befand sich die Schlafkabine mit einem Bett, dass in Richtung Fenster aufgestellt war. Insgesamt machte das Quartier einen geschmackvollen und zweckmäßigen Eindruck. Er würde sich sicher wohl fühlen.
Van Dyke nahm eine persönliche Speichereinheit aus seiner Tasche und ging hinüber zum Arbeitstisch.
„Computer. Übertragen der Arbeitsdateien -Roger van Dyke- in die Schiffsdatenbank“ sagte er und schob die Speicherkarte in die Öffnung der Computereinheit.
„Anweisung kann nicht ausgeführt werden. Zur Übertragung von Daten in das Schiffssystem ist die Autorisation des Captains und des Wissenschaftsoffiziers nötig.“ war die Antwort des Schiffscomputers.
„Computer. Identifiziere Commander Roger van Dyke und dessen Befugnisse“ Jetzt wollte er es genau wissen.

„Van Dyke, Roger.
Commander der Sternenflotte,
An Bord der U.S.S. Alexandria seit 14:30 Uhr.
Status -GAST-
Befugnisse -KEINE-
Nachrichten -EINE-“

„Computer, Nachricht zeigen!“

Auf dem Display erschien ein kurzer Text, der Ihn dazu aufforderte sich in der Krankenstation zwecks Einsetzen des Transponders zu melden, der Ihn als Crewmitglied identifizierte. Darunter stand der Name des leitenden medizinischen Offiziers Dr. Darien Wells.
Roger van Dyke ließ für einen kurzen Moment die Schultern resignierend absinken. Die ganze Situation war für ihn mehr als enttäuschend. Zuerst wurde er von einem niederrangigen Offizier empfangen, obwohl es üblich war, dass der Captain einen neuen Offizier an Bord selbst begrüßt. Dann war das Quartier offensichtlich nur widerwillig und erst kurz vor seinem Eintreffen geräumt worden, und als krönender Abschluss erkannte der Computer ihn nicht einmal als Mitglied der Schiffscrew an.
Roger van Dyke lehnte sich zurück, verschränkte die Arme über der Brust und richtete den Blick an die Decke,
„Das fängt ja gut an. Wo bin ich hier nur hingeraten?“ sagte er zu sich selbst.

* * *Captain Wikland stand an der Regalwand in seinem Bereitschaftsraum, in der er einige alte Bücher aufbewahrte, als das Türsignal ertönte.
„Herein!“ Sagte er mit fester Stimme.
Roger van Dyke trat ein. Wikland ging auf ihn zu und reichte ihm die Hand. „Willkommen an Bord!“
„Danke, Captain...“ antwortete van Dyke und folgte der Geste des Captains, die auf die Sitzgruppe gerichtet war.
„...ich freue mich, dass ich auf diesem Schiff dienen darf, und versichere Ihnen, dass ich mein Bestes geben werde um Ihre Erwartungen zu erfüllen, Sir“ fuhr er fort, nachdem sie sich gesetzt hatten.
„Davon bin ich überzeugt Commander, aber seien Sie vorsichtig, ich erwarte viel von meiner Mannschaft und im besonderen von meinen Führungsoffizieren!“
Und um seinen Standpunkt deutlich zu untermauern fügte er hinzu
„Ich bin allerdings auch ein Freund von klaren Worten Mr. van Dyke und so möchte ich ihnen nicht vorenthalten, dass ich über diesen von der Sternenflotte angeordneten Personalwechsel nicht sehr erfreut bin. Auf meine Anfrage hin, warum und in welcher Position Sie auf meinem Schiff eingesetzt werden, habe ich vom Oberkommando bis heute keine Antwort erhalten. Dies ist mein Schiff und hier entscheide ich, wer welchen Posten einnimmt, besonders bei den Personen die in meiner Führungscrew sind.“ wobei er einige Worte besonders betonte.
Van Dyke spürte, dass sich im Captain eine Abneigung gegen Ihn aufbaute und er konnte dessen Position durchaus verstehen. Er wäre sicher auch nicht erfreut, wenn man sich in seine Befugnisse einfach einmischen würde und Ihm einen neuen Mann in ein eingespieltes Team setzen würde.
„Captain,...“ begann van Dyke „...darüber ist mir leider auch nichts bekannt. Mir ging lediglich der Versetzungsbefehl zu und ich wurde von der U.S.S. Pegasus zur Sternenbasis gebracht. Ich war der Annahme, dass Sie mich angefordert haben und habe mir auch schon überlegt, welcher Grund hierfür wohl ausschlaggebend war.“
Der Captain musterte van Dyke mit skeptischem Blick.
„Aus Ihrer Dienstakte geht hervor, dass Sie alle Prüfungen auf der Akademie mit Auszeichnung bestanden haben.
Allerdings vermutete man gelegentlich eine Manipulation der Computerprogramme, weshalb Sie einige Tests mehrmals durchführen mussten, die Sie aber letztlich alle erfolgreich abschließen konnten.
Das Überwinden einer Simulation ist jedoch etwas völlig anderes, als die Realität der wir uns hier draußen jeden Tag gegenüber sehen. Hier kann man sich nicht mit Tricks und Kniffen aus der Affäre ziehen. In kritischen Situationen ist harte Arbeit und volle Konzentration gefragt.“
„Dessen bin ich mir bewusst Captain, ich diene schon mehr als zehn Jahre in der Raumflotte.“ antwortete van Dyke, der nicht wusste, wohin mit seinen Händen. Er hatte schon befürchtet, dass er wieder in diese Verlegenheit kommen würde. Üblicherweise nahm er immer irgendetwas zur Hand, ein PADD, einen Bericht, eine Speicherkarte oder ähnliches, an dem er sich festhalten konnte und somit eine Aufgabe für seine Hände hatte.Der Captain wollte allerdings noch einige weitere interessante Punkte geklärt wissen und griff nach seinem Glas, welches vor ihm auf dem kleinen Tisch stand.
„Im zeitlichen Ablauf Ihrer Akte ist für die Zeit von 18 Monaten keine Eintragung enthalten Commander. können Sie das bitte erklären?“
Van Dyke straffte sich, soweit das in der sitzenden Position überhaupt möglich war,
„Ja Sir, eines meiner Hobbys ist das Führen altertümlicher Personenkraftwagen aus dem späten 20. Jahrhundert. Bei einem Landurlaub, vor drei Jahren, bin ich mit meinem Oldtimer verunglückt und habe für lange Zeit im Koma gelegen. Dies müsste allerdings auch aus meiner medizinischen Akte hervorgehen.“ erwiderte van Dyke
„Die medizinische Datei, sowie eine weiterführende Akte erwarte ich in Kürze, ein mir verbundener Freund hat sich in dieser Angelegenheit für mich verwendet, da die Datenübertragung äußerst Lückenhaft war. Wie bereits gesagt, die Informationen über Ihren Dienstantritt waren mehr als spärlich.“
Der Captain setzte sich auf und drückte seinen Kommunikator „Wikland an Commander Robinson, bitte melden Sie sich in meinem Raum...“ und an van Dyke gewandt fuhr er fort,
„... Sie kennen sicher schon den Ersten Offizier, der mich auf diesem Schiff tatkräftig unterstützt.“ Ergänzte der Captain.
„Tut mir leid Sir, ich hatte bislang noch nicht das Vergnügen“ erwiderte van Dyke ruhig.
Bereits nach wenigen Sekunden öffnete sich die Tür und David Robinson trat ein. Der Captain und van Dyke standen auf und gingen auf David Robinson zu um ihn zu begrüßen.
„Ich dachte, Sie hätten unseren neuen Offizier an Bord begrüßt Commander?“ Wikland blickte Robinson fragend an, der mit entspannter Körperhaltung vor ihm stand und ihn gelassen anblickte. Er hatte schon immer eine etwas lockere Auffassung zu den Regeln der Sternenflotte gehabt und dokumentierte das meist durch die Ignoranz kleiner Vorschriften der Etikette.
„Nein Captain, ich hatte noch einige Dinge bezüglich meiner künftigen Dienstverpflichtungen zu erledigen, und habe daher Lieutenant Ran Byrell zum Empfang von Commander van Dyke abgestellt“ Robinson blickte den Captain ruhig an, der den ersten Halbsatz anscheinend noch gar nicht vollständig verarbeitet hatte. Denn er ging zunächst direkt zur Vorstellung über.
„Commander van Dyke, das ist unser erster Offizier Commander David Alexander Robinson, der mir in den letzten zwei Jahren bei der Schiffsführung beigestanden hat.“

Mit einer Geste seiner linken Hand wies er auf van Dyke, der neben ihm stand.
„Und das ist Commander Roger van Dyke, der neue Offizier an Bord, von dem wir leider nur wissen, dass er ab sofort zu unserer Crew gehört. Die Antwort von Starfleet, über den Hintergrund seiner Versetzung liegt bislang leider noch nicht vor.“
Robinson setzte ein wissendes Lächeln auf, und sagte:
„Nun, vielleicht kann ich da ein wenig aushelfen Captain, Sie wissen ja, dass ich schon länger den Wunsch hege mich weiterzuentwickeln und auch in meiner Position zu verändern.
Ich habe einige Fäden bei Starfleet gezogen und einige uralte Gefallen eingefordert.“
Wikland beschlich eine erste Ahnung was nun kommen würde. Er hoffte noch, dass er sich irren möge, aber die Ausführungen des ersten Offiziers waren schon mehr als eine Andeutung. In diesem Moment durchzuckte es ihn wie ein valerianischer Fächerblitz, die beiläufige Anmerkung über künftige Dienstverpflichtungen, nein, das konnte er nicht ohne sein Wissen und Einverständnis einfach durchgesetzt haben. Wikland wollte diesen Gedanken beiseite wischen, aber schon der nächste Satz von David Robinson klang wie die Detonation eines Torpedos in seinen Ohren.
„Captain, ich verlasse die Alexandria in Kürze. Commander Roger van Dyke ist mein Ersatz. Ich persönlich habe Ihn unter einer Vielzahl von möglichen Kandidaten ausgewählt und Sie werden mit Sicherheit mit seinen Fähigkeiten und Kenntnissen bestens zufrieden sein. Er ist für dieses Schiff die beste Wahl. Selbstverständlich werde ich Commander van Dyke noch Einweisen und erst nach der nächsten Mission von Bord gehen.“
Wikland machte den Eindruck einer Deuteriumbombe, deren Zünder auf wenige Sekunden beschränkt, gerade durch die Unachtsamkeit eines dahergelaufenen Passanten in Gang gesetzt worden war. Eine solche Unverfrorenheit und Anmaßung hatte er von seinem ersten Offizier nicht erwartet.
Es war eine Situation die jeden vernünftigen Menschen an den Rand des Ausbruches brachte, die Erkenntnis, dass man hintergangen worden war. An Wikland rauschten Bilder und Bemerkungen vorbei, die er in den vergangenen zwei Jahren gemeinsam mit Robinson erlebt hatte. Viel zu oft, so erkannte er, hatte er diesen Worten und Gesten keine große Bedeutung beigemessen. Es war einer dieser Momente, in denen er sich wünschte allein mit Robinson in einer dunklen verlassenen Seitengasse von Lower- Manhatten zu stehen und dann in einem Kampf ohne Waffen, nur mit den Händen, Mann gegen Mann herauszufinden, wer der Stärkere war.

Auch wenn er Robinson kannte, der gerne auf verborgenen Wegen seine oft weitreichenden Einflüsse geltend machte und manchmal ein fast untolerierbares Maß an Ignoranz gegenüber seinen Befehlen und Anweisungen an den Tag legte. So hatte er doch bislang großes Vertrauen in die Loyalität seines ersten Offiziers gesetzt.
Aber anstatt wütend und unbeherrscht loszubrüllen wandte er sich an van Dyke und sagte trocken zu Ihm:
„Nun Commander, dann werden Sie wohl ab sofort meine neue Nummer eins sein, ich gratuliere Ihnen.
Auch wenn Ihnen diese Position von der Sternenflotte ohne meinen ausdrücklichen Wunsch in den Schoß gelegt wurde, sollten Sie sich bewusst sein, dass ich mir meine Crew gerne selbst zusammenstelle. Die Wertschätzung innerhalb der Mannschaft müssen Sie sich selbst verdienen. Hier gibt es keinen Vorschußbonus.“
Die letzten beiden Sätze betonte er besonders und legte noch mehr Gewicht dadurch hinein, dass er sie sehr langsam aussprach. Es klang eher wie eine Warnung, fast schon wie eine Drohung und van Dyke spürte deutlich die Abneigung, die nun vom Captain ausging. Sie war sicher nicht gegen seine Person, sondern gegen die Umstände gerichtet, aber er wusste, dass er es nicht leicht haben würde.
Ein Teil dieser Crew, ja sogar dieses Teams zu werden war sicher eine der schwersten Herausforderungen, denen er sich bislang stellen musste.
Wikland tastete nach seinem Kommunikator,
„Computer, übernehme Personaldaten von Commander Roger van Dyke und führe Ihn ab sofort als ersten Offizier, das Patent von Commander David Alexander Robinson wird hiermit unwirksam. Freigabe für Computerzugriff und Kommandocodes. Autorisation Wikland, Alpha-Eins-Beta-Gamma-Drei.“
Wikland wartete erst gar nicht auf die Bestätigung der Sternenflotte, ob die Angaben von David Robinson ihre Richtigkeit hatten. Er handelte sofort und enthob ihn seines aktiven Amtes.
„Datenübertragung komplett, Offizierspatent installiert und aktiv, Zugriffsrechte freigeschaltet.“ kam die Stimme des Computers aus dem Audiosystem.
„Die restlichen Freigaben für Datenkommunikation und persönlichen Datentransfer wird K’Orak der Leiter der Wissenschafts-Abteilung gleich erledigen. Machen Sie sich mit den Mannschaftslisten, der Dienstplangestaltung, den Schiffssystemen und den sonstigen Gegebenheiten auf dem Schiff vertraut. Ihr erster Dienst beginnt morgen früh mit der Tagesschicht. Das ist alles, Sie können wegtreten.“
Van Dyke straffte sich nochmals und antwortete
„Danke Sir, ich freue mich darauf ein Mitglied in Ihrem Team zu sein.“ Damit wandte er sich um und wollte gemeinsam mit Robinson den Raum verlassen. Wikland aber, tippte Robinson auf die Schulter,
„Commander, ich möchte noch einige wichtige Dinge mit Ihnen besprechen bevor Sie sich zurückziehen...“ van Dyke konnte noch den Umschwung auf einen ärgerlichen Unterton in Wiklands Stimme erkennen, bevor sich die Türen des Bereitschaftsraumes hinter ihm schlossen und er auf der Brücke stand. Die anwesende Servicecrew beachtete ihn kaum. Mit wenigen Schritten war er zum Turbolift gelangt und gab das Kommando:
„Krankenstation“. Er hatte noch einen weiteren Termin wahrzunehmen.

Kapitel 7

Es waren zwei Tage vergangen, ohne dass sich etwas besonderes ereignet hatte. Commander van Dyke hatte den Dienst aufgenommen und die Reparaturarbeiten auf der Brücke und im Maschinenraum überwacht. Der Eifer, mit dem die Mannschaft an die Arbeit ging war enorm. Jeder Handgriff saß, jede Aufgabe wurde mit hohem Tempo und absoluter Präzision durchgeführt und ohne das viele Worte nötig gewesen wären verstand sich die Crew alleine durch Blickkontakte und kleine Gesten. Es war wirklich ein eingespieltes Team, eine eingeschworene Gemeinschaft.
Zu Beginn der Tagesschicht hatte man die Verankerung der defekten Warpgondel gelöst und sie vom Schiff getrennt. Nachdem sie mit den Workbees zur Raumbasis geschleppt und verankert worden war, hatte man die neue Gondel bereits bis auf wenige Meter an das Schiff herangeführt und war bereit sie mit dem Rumpf zu verbinden.
„Commander van Dyke, melden Sie sich auf Deck 4 im Haupthangar, Wikland, Ende“ kam die Stimme des Captains aus dem Audiosystem des Maschinenraumes.
„Bin auf dem Weg, Sir“ antwortete van Dyke, nachdem er seinen Kommunikator berührt hatte. Wortlos drehte er sich um und war kurz darauf durch die Haupttür des Maschinenraumes zum Turbolift unterwegs.
Bei seinem Eintreffen im Haupthangar wartete Wikland bereits an der Einstiegsluke zur Northlander, dem Captains Shuttle der Alexandria. Es war ein besonderer Luxus den sich der Captain hiermit leistete. Anstatt wie üblich eine Captains Yacht am Diskussegment des Schiffes unterzubringen hatte sich Wikland dafür entschieden ein Runabout als Captains Shuttle einzusetzen.
Die Northlander entsprach in ihrem äußeren Erscheinungsbild den normalen Schiffen der Danube Klasse, war jedoch auf Wunsch des Captains modifiziert worden und wies einige Sondereinrichtungen auf, zu denen auch ein hochleistungsfähiger Warpantrieb der Klasse 4 zählte, den die Ingenieure nur mit Mühe in den üblichen Warpgondeln unterbringen konnten.„Kommen Sie Mr. van Dyke, wir wollen uns dieses Schauspiel von draußen ansehen.“ kam der Captain auf ihn zu.
Sie stiegen in das Runabout, nach Einholen der Starterlaubnis verließen Sie den Hangar und steuerten am Rumpf der Alexandria auf die Warpgondel zu, die unter dem Schiff hing.
In respektvollem Abstand zum Schiff verlangsamten Sie den Flug und stoppten das Shuttle. Der Captain blickte auf das Schiff und die nun beginnende Zusammenführung von Warpgondel und Rumpf und sagte mit fester Stimme und voller Überzeugung:
„Dieses Schiff ist seit einigen Jahren mein Zuhause, meine Zuflucht und meine Arbeit. Es hat mir Schutz geboten, mir Herausforderungen gestellt an denen ich gewachsen bin und es hat mich vor Gefahren in dieser Unendlichkeit hier draußen beschützt. Es hat mich nie im Stich gelassen oder mich enttäuscht.
Und ebenso habe ich versucht mein Schiff und meine Mannschaft zu schützen, ich habe es gut und mit der nötigen Vorsicht behandelt und meinen Teil dazu beigetragen dass wir immer wieder unbeschadet nach Hause kommen konnten, auch wenn ich außer diesem Schiff keine Wurzeln mehr im Universum habe, zu denen ich zurückkehren könnte....“
Sein Blick glitt über den glatten Körper des Schiffes, das im Licht der Wesalan-Sonne glänzte und einen majestätischen Anblick bot. Die Service- und Reparatur-Workbees, die unablässig in der Nähe des Schiffes ihre Aufgaben verrichteten wirkten wie ein Bienenvolk, das sich um seinen Bau sorgt und mit gezielten Maßnahmen an der Vollendung arbeitet.
„Ich möchte, dass Sie sich das ansehen Nummer eins. Es ist eine große Verantwortung, die Sie mit ihrer neuen Position übernehmen. Sie sollen sich bewusst sein, dass über 1200 Personen ihr Schicksal in Ihre Hände und Entscheidungen legen, ohne zu wissen, ob Sie dazu in der Lage sind, jedwede Gefahr einzuschätzen und abzuwenden.“
Die Warpgondel war gerade an den Rumpf angelegt worden, doch in der lautlosen Stille des Alls konnte man das Einrasten der hydromechanischen Verbindungsklauen sowie das Einschnappen der Sicherungsvorrichtungen nicht wahrnehmen.
Dieses Geräusch war nur an Bord der Alexandria zu hören.
„Commander ich erwarte von Ihnen, dass Sie sich dieser hohen Verantwortung bewusst werden, und Ihre Handlungen daran orientieren, was das Beste für Crew und Schiff ist. Ich erwarte, dass Sie sich unterordnen und meine Anweisungen und Befehle befolgen, auch wenn Ihnen das manchmal schwer fallen sollte. Was immer Sie auch tun, denken Sie daran welche Verantwortung auf Ihnen lastet.“
Wikland wandte sich zu van Dyke um und blickte ihm in die Augen. Mit leiser und gesenkter Stimme fügte er hinzu:
„Noch etwas, wenn Sie sich entscheiden eine Aufgabe durchzuführen, erwarte ich, dass alles funktioniert. Ein Fehlschlag ist nicht akzeptabel. Haben wir uns verstanden?“
Roger van Dyke hatte seine Hände fest um die Rückenlehne des Pilotensitzes geschlossen und schaute auf das Schiff hinaus, das angedockt an die Sternenbasis vor Ihnen im Raum schwebte.
„Ja, Sir, ich habe verstanden. Ich werde alles tun, um mich Ihrem Vertrauen würdig zu erweisen.“ antwortete er ohne den Captain anzublicken.

Kapitel 8

Admiral Wilbur Jameson griff nach der Kanne mit dem Fruchtsaft und füllte das Glas von Captain Wikland. In dem großzügigen Büro des Admirals hatten beide am Konferenztisch Platz genommen, der vor den Fenstern aufgestellt war. Der Raum war geschmackvoll eingerichtet und mit einigen archäologischen Fundstücken ausgestattet.
Es war unverkennbar, das der Admiral eine Vorliebe für solche Gegenstände besaß. Die Plätze an den sie aufgestellt waren, waren mit viel Liebe ausgewählt und durch eigene Lichtquellen hervorgehoben. Alles erinnerte ein wenig mehr an eine exklusive Kunstausstellung als an ein Büro der Sternenflotte.
Besonders die Büste einer aridianischen Gottheit war auf einem Podest aus transparentem Aluminium aufgestellt und von vier Hyperlichtstrahlern perfekt in Szene gesetzt. Das Licht brach sich in den Kanten des hüfthohen Podests und tauchte mit seinen Reflektionen die Steinfigur in ein unwirkliches und mystisches Farbenspiel aus Licht.
Der Admiral hatte sich die Reparaturberichte der Alexandria lange Zeit angesehen, er legte das PADD auf dem Konferenztisch ab, griff nach seinem Getränk und nahm einen langen Zug aus seinem hohen und schlanken Glas.
„Captain, wie ich sehe, ist Ihr Schiff wieder voll einsatzfähig.“
Wikland setzte sich auf.
„Jawohl Sir, wir konnten die Reparaturen innerhalb kürzester Zeit abschließen. Wir hatten Glück, dass gerade die Teile für die Phoenix vorbereitet waren, die wir dann zur Instandsetzung verwenden konnten. Den Warpantriebstest und die vorgeschriebenen Einmessflüge haben wir bereits gestern abgeschlossen.“
Der Admiral blickte aus dem Fenster zur Alexandria hinüber, die nun in einem engen Orbit mit langsamer Geschwindigkeit die Station umkreiste.
„Die Sternenflotte möchte eines ihrer besten Schiffe im Sektor 325 einsetzen, da sich hier die Lage ein wenig verschärft hat. Die Föderation muss etwas mehr Präsenz zeigen, da in diesem Gebiet eventuell mit den Romulanern gerechnet werden muss. Man hat mich beauftragt mindestens ein Schiff der Galaxy oder Nebula Klasse zur Unterstützung des Außenpostens der Föderation abzustellen.“
„Normalerweise sollte die Phoenix diese Aufgabe nach ihrer Generalüberholung übernehmen...“ begann er und blickte Wikland dann eine ganz Weile schweigend an.
„... aber da Captain Galagher nicht rechtzeitig eintreffen wird, und der Nachschub der Teile erst noch sichergestellt werden muss, möchte ich gerne, dass Sie diese Aufgabe übernehmen.“
Wikland stellte sein Glas auf den Tisch und wandte sich dem Admiral zu.
„Natürlich Admiral, ich hoffe allerdings, dass diesmal keine Eskalationen drohen. Bitte verstehen sie mich nicht falsch, eine richtige Herausforderung ist schon etwas schönes, aber ein etwas ruhigerer Auftrag käme meiner Crew und ehrlich gesagt auch mir sehr gelegen. Die letzten Monate waren sehr turbulent, und der einzige Ausgleich den die Crew hatte, waren einige Stunden auf der Station und in den Vergnügungseinrichtungen.“
Der Admiral setzte ein freundliches Lächeln auf
„Es ist zwar kein Spaziergang, aber es wird sicherlich ruhiger, als die Feier von der sie letzte Woche zurückgekommen sind...“
Der Admiral stand auf und ging hinüber zum Wanddisplay. Er aktivierte eine Sternenkarte, die den Raum zwischen der Sternenbasis und dem Sektor 325 darstellte.
„...es gibt da allerdings ein Problem. Wir hatten die Ankunft der Verstärkung bereits angekündigt und waren uns sicher dass diese von heute an gerechnet in 3 Tagen dort sein würde. Wenn Sie umgehend starten und den üblichen Kurs nehmen, sind Sie mit Warp 9 allerdings frühestens in 5 Tagen dort.“
Wikland war dem Admiral gefolgt und stand ebenfalls vor dem Display, das einen großen Teil der Wand einnahm. Er betrachtete die Karte auf der die Grenzen des Alpha und Beta Quadranten eingezeichnet waren. Das Randgebiet der Föderation, das sich zum Zentrum der Galaxis erstreckte und sich zwischen dem bajoranischen Raum und den Romulanern befand.
Eine geschwungene Linie führte im weiten Bogen um einige Kugelsternhaufen und einen Sternencluster, welche wie eine große Hand in das Föderationsgebiet hineinragten und die direkte Linie zwischen den beiden Föderationszeichen behinderte.

Bislang war dieses Gebiet unerforscht und es war nur unvollständig mit Langstreckensensoren abgetastet worden. Die Berichte einiger Händler, die sich gelegentlich vom Randgebiet in die Sternencluster begaben deuteten auf bewohnte Welten in diesem Sektor hin, aber die Föderation hatte genug damit zu tun ihre Grenzen gegen das Romulanische Imperium zu schützen, und wollte vorerst keine nähere Untersuchung dieses Gebietes in Angriff nehmen.
Nachdem der Captain eine Weile schweigend vor dem Display stand, deutete er mit seiner rechten Hand auf die Kugelsternhaufen und Sternencluster und sagte:
„Nun, bei einer genauen Navigation sollte es doch möglich sein, den direkten Weg zu nehmen. Dadurch könnten wir problemlos 1 1/2 Tage sparen und fast rechtzeitig ankommen.“
Admiral Jameson winkte ab,
„Nein, das kommt nicht in Frage, dieses Gebiet ist noch nicht vollständig kartographiert, es könnten sich eventuell noch Planeten in den Sternenhaufen verbergen und das wäre ein zu großes Risiko.“
Wikland fühlte sich in seiner Ehre und seinen Fähigkeiten als Sternenflottenoffizier angetastet. Für ihn gab es grundsätzlich keine unlösbaren Probleme und er war ein gradliniger Mensch. Nur selten wich er vom direkten Weg und von seiner Vorgefassten Meinung ab. Schon oft war Wikland mit diesem Verhalten angeeckt, doch hatten ihn seine Erfolge immer wieder in die Sonnenstrahlen der Anerkennung gerückt. Mit einem Anflug von Stolz in seiner Stimme erwiderte er
„Nun Admiral, dann sind Sie über die Ausrüstung der Alexandria sicher nicht vollständig informiert worden. Wir haben eine neuentwickelte Version des Langstreckensensors an Bord, der dieses Risiko auf Null reduzieren kann. Unsere Sensoren sind in der Lage selbst bei Warp 9 eine detaillierte Vorausberechnung von 20 Minuten Flugstrecke zu erstellen, genug um einem Planeten oder anderen Unwägbarkeiten auszuweichen.“
Der Admiral schaute auf den Boden und es zeigte sich ein kleines Lächeln auf seinen Lippen. Dann blickte er auf das Display und betätigte die Kontrollen, die in einem Panel in der Wand neben dem Display eingelassen waren. Die geschwungene Linie wurde zu einem fast geraden Strich, der nur noch zwei kleine Bögen erkennen ließ um zwei Kugelsternhaufen auszuweichen, die den direkten Weg behinderten.
„Anscheinend kenne ich Sie doch besser als Sie glauben Captain Wikland...“ drehte er sich zum Captain,
„...man hat mir bereits mitgeteilt, dass Sie eine solche Zeitverschwendung sicherlich nicht akzeptieren würden, ich muss sagen, ich bin beeindruckt. Ein solcher Einsatz ist leider nicht bei allen Führungsoffizieren unserer Flotte zu finden“

Wikland sah den Admiral kurz in die Augen und erwiderte dann in einem ruhigen Ton: „Das ist eine bedauerliche Erkenntnis, die auch ich bereits vor einer ganzen Weile machen musste Admiral. Sie können sich auf uns verlassen, wir werden den Außenposten in weniger als vier Tagen erreichen. Die Alexandria startet noch heute.“
Der Admiral ging zu seinem Schreibtisch hinüber und warf einen weiteren Blick auf die Alexandria, die gerade wieder an der Sternenbasis vorüberzog. Es war wirklich ein erhabener Anblick den ein Schiff der Nebula Klasse dem Betrachter bot.
Die Außenbeleuchtung setzte wunderschöne Akzente auf der Hülle des Schiffes und ließ einen glauben, dass es ein lebendes Wesen sei, was nebenbei gesagt ohnehin jeder Captain von seinem Schiff dachte.
Es war ein uraltes und ungeschriebenes Ritual, dass jeden Captain schon zu Seefahrerzeiten auf der Erde dazu veranlasste an diese, wenn auch abwegige, Vorstellung zu glauben. Es gab ein wenig die Hoffnung, dass auch das Schiff alles für einen tun würde, wenn man es richtig behandelte.
Admiral Jameson nahm eine Speicherkarte vom Tisch auf und reichte Sie Wikland.
„Hier ist Ihre Flugroute, natürlich die direkte, welche Sie empfohlen haben und eine technische Datei von Admiral Parker. Er sagte, Sie wüssten bereits Bescheid.
Außerdem haben wir eine Übermittlung von Ihrem Freund Carter Wellington erhalten, Er hat einige persönliche Daten für Sie mitgeschickt, er sagte Sie warten bereits darauf.“
„Vielen Dank Admiral“ antwortete Wikland und steckte die Speicherkarte in seine Tasche.
„Wir werden in zwei Stunden aufbrechen, aber vorher möchte ich noch einen Spaziergang im Arboretum machen. Es ist immer sehr entspannend, wenn man sich vor einer wichtigen Mission noch einmal ein wenig Sammeln kann. Ein Holodeck ist gegen einen richtigen Garten immer noch ein nur schwacher Abklatsch.“
„Ich kann Sie gut verstehen. Viel Glück und gute Reise“
Jameson reichte Wikland die Hand und sah ihm nach als er aus seinem Raum trat und mit langen Schritten den Flur zum Turbolift entlangging.

Kapitel 9

„Commander, wie weit sind Sie mit den Vorbereitungen für den Start? Sie wissen, wir werden dringend erwartet.“
Der Captain, der gerade die Brücke betreten hatte sah van Dyke mit ernstem Blick an und wartete auf die Antwort.

„Sir, das Schiff ist voll einsatzbereit, die Kursdaten wurden in den Navigationscomputer übertragen und die gesamte Mannschaft ist bereits auf ihrem Posten. Wenn Sie wollen, können wir sofort starten.“
Der Captain ließ sich auf seinem Platz nieder. Ein Gefühl der Vertrautheit machte sich in seinem Inneren breit. Man konnte es sich vorstellen als wenn man sich in ein Bad mit angenehm temperiertem Wasser gleiten lässt und das Wohlbehagen einen umgibt, nur dieses Gefühl hier war viel stärker. An diesem Platz fühlte er sich mit dem Schiff regelrecht verbunden, eine Einheit bildend und meinte dass seine eigenen Sinne die gesamte Struktur des Schiffes umfassten und förmlich die Hülle der Alexandria seine zweite Haut sei.
„Brücke an Maschinenraum, Lt. Commander Jefferson wie ist der Status unseres Antriebs?“
„Hier Jefferson, Captain ich habe Commander van Dyke bereits vor einer Stunde berichtet, dass wir über volle Energie verfügen. Die Warpgondel scheint wie für uns gemacht. Alle Systeme laufen auf bestmöglichem Wirkungsgrad.“ tönte die Stimme aus dem Audiosystem.
Wikland blickte zufrieden nach vorn, ohne van Dyke mit einem Blick zu würdigen.
„Dann wollen wir uns mal auf den Weg machen. Commander K’Orak, berechnen Sie den bestmöglichen Detailkurs um die Sternenhaufen und die Cluster zu meiden. Achten Sie auf Protosterne und Pulsare, wir wollen unsere neuen Bauteile nicht gleich wieder in die Reparatur schicken.“
Der Klingone schaute zu Captain Wikland und bestätigte mit einem Kopfnicken, dass er die Anweisung verstanden hatte. Wer jedoch eine Meldung im Sinne von „Aye, Sir“ erwartet hatte wurde zumindest in diesem Moment enttäuscht. K’Orak wandte sich seinen Kontrollen zu und war für die nächsten Stunden weder ansprechbar noch am Austausch von Meinungen und Worten interessiert.
„Lieutenant Ramirez, verlassen Sie den Orbit um Sternenbasis 491 mit einem viertel Impuls und setzen Sie Kurs eins, eins, fünf, komma zwei, vier, neun“.
Die Stimme des Captains schien einen Hauch von Abenteuer zu verbreiten. Sie klang fest, fordernd, klar und hatte einen kleinen Anflug von Euphorie. Es ging wieder hinaus und man hatte nicht den einfachen Weg gewählt sondern denjenigen der den Idealen von Starfleet entsprach. Der schwere Weg, der noch Geheimnisse und Herausforderung für die Entschlossenen bereithielt.
„Captain wir haben den Orbit verlassen, Kurs liegt an.“
Ramirez wartete auf weitere Anweisungen. Die Brücke knisterte vor Spannung, jeder konzentrierte sich auf seine Aufgabe. Nur das Piepen der Kontrollen und das monotone leise Brummen der Maschinen war zu hören. Alle schauten gespannt auf den Hauptschirm, von dem gerade die Raumstation verschwunden war und der jetzt das weite Weltall zeigte. Auf der linken Seite war der Halatan Nebel zu sehen, der mit seinem farbenprächtigen Lichtspiel einen Abschiedsgruß zu geben schien.
„Ramirez, wir gehen auf Warp 9“ Die Stimme des Captains durchschnitt die Stille auf der Brücke.
„Aye Sir, Warp 9 bereit“ antwortete Ramirez von der Conn Station.
„Und Los!“ Wikland sprach diese Worte mit einer Energie aus, als könnte er allein durch diese zwei Worte das Schiff durch ein ganzes Sonnensystem schleudern. Im selben Moment bildeten sich auf dem Hauptschirm lange Striche und es zeigten sich die vorbeirasenden Warpsterne, die bei diesen Geschwindigkeiten typisch waren.
Roger van Dyke hatte rechts neben dem Captain Platz genommen und prüfte die Sensorenwerte und Flugdaten an dem Terminal neben sich. Er hatte die Situation richtig eingeschätzt. Der Captain vertraute ihm noch nicht. Er hatte seinen Bericht zwar entgegengenommen, es aber nicht ausgelassen, sich selbst noch einmal zu vergewissern, ob wirklich alles in Ordnung war.
Van Dyke der einen ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit hatte und sich über solchermaßen Verhalten ärgerte, war jedoch klug genug diese Situation nicht hier vor versammelter Crew zu diskutieren und Captain Wikland, der sich bereits innerlich auf ein entsprechende Reaktion vorbereitet hatte entspannte sich wieder, als er feststellte, dass van Dyke keine Anstalten machte mit ihm darüber zu diskutieren.
Aber aufgeschoben war nicht aufgehoben soviel war klar.
Van Dyke würde seine Meinung deutlich machen und er war fest entschlossen, dies zu tun um seinen Standpunkt klar zu machen und die Fronten zwischen sich und dem Captain zu klären.
Die folgenden zwei Tage waren angefüllt mit geschäftiger Betriebsamkeit auf dem ganzen Schiff, aber dennoch frei von jeder Hektik. Nachdem alle Systeme auf der Starbase repariert worden und die darauf folgenden Freischichten abgefeiert waren, hatte der Dienstplan wieder einen gleichmäßigeren Rhythmus angenommen. Alles verlief in geordneten Bahnen, während die Alexandria die Leere des Alls mit Warp neun durchschnitt.
Roger van Dyke gab sich alle Mühe die ihm übertragenen Aufgaben korrekt und effizient zu bewältigen und konnte seine Berichte oft schon Stunden vorher bereitlegen, bevor der Captain danach verlangte. Gemeinsam mit Cmdr. K’Orak hatte er die Analyse der Sternencluster durchgeführt und zusammen mit Lieutenant Ramirez den bestmöglichen Ausweichkurs für einen Protostern berechnet, der in der Nähe eines Zwillingssterns durch die dort herrschenden Neutrinowerte beinahe zu spät entdeckt worden wäre.
Auch den anderen Crewmitgliedern auf der Brücke fiel auf, dass van Dyke alles tat um bei Captain Wikland einen positiven Eindruck zu hinterlassen. Sie arbeiteten wie selbstverständlich mit ihm an gemeinsamen Aufgaben, blieben aber immer auf Distanz. Andy Duke der zweite Offizier und Ran Byrell waren jedoch der Ansicht, dass er eine Spur zu weit ging und werteten seine überaus korrekte Art und seinen extremen Einsatz als Streberei.

Als Roger van Dyke an diesem Abend in sein Quartier kam war er ausgelaugt von der ständigen Konzentration und dem langen Dienst. Aber dennoch hatte er eine gewisse Unrast in sich, er überlegte, ob er sich im Holodeck noch ein paar Übungsstunden im Kampfsporttraining gönnen sollte, entschied dann aber, dass ihm dazu wohl die nötige Aufmerksamkeit fehlte. Egal wohin er blickte, heute war ihm selbst dieser großzügig bemessene Raum einfach zu eng. Er nahm ein kurzes Duschbad bei dem er die angenehme Temperatur als überaus erfrischend empfand. Die Duschen mit Wasser standen selbst auf einem so großen Föderationsschiff nur den Mitgliedern der Führungsebene zur Verfügung, der Rest der Mannschaft musste sich mit Ultraschallduschen begnügen. Er beschloss anschließend in die Bar Lookout auf Deck neun zu gehen, die er noch nicht gesehen hatte.
Die Bar war gut besucht und in der halbrunden Sitzecke hatten sich wieder Andy Duke, Alisha und Carah Pehl zusammengesetzt und unterhielten sich angeregt. Einige taxierende Blicke trafen auf van Dyke, der sich an die Theke begab und auf einem freien Platz neben David Robinson niederließ.
Er bestellte einen Drink und drehte sich auf seinem Hocker um.
„Hatten Sie es auch so schwer, als Sie ihren Dienst auf diesem Schiff angetreten haben?“ fragte er David Robinson, der locker auf seinem Platz saß, sich mit den Ellbogen nach hinten auf der Barkante abstützte und in den Raum blickte.
„Ehrlich gesagt, nein. Aber ich bin auch nicht unter solchen Umständen an Bord dieses Schiffes gekommen wie Sie. Ich muss allerdings zugeben, dass ich an Ihrer Situation nicht unschuldig bin. Schließlich habe ich Sie von ihrer alten Position hierher auf die Alexandria versetzen lassen ohne dem Captain auch nur ein Sterbenswörtchen davon zu sagen.“
David Robinson griff nach seinem Glas, nahm einen kräftigen Zug und blickte nach vorn auf das Sternenpanorama dass ihnen entgegenflog.
„Wie können Sie sich über die Befehlskette des Captains, der Admiralität, ja sogar der ganzen Sternenflotte hinwegsetzen?
Einen Offizier kann man nicht so einfach abziehen und irgendwohin versetzen.“ Roger van Dyke blickte den neben ihm sitzenden Robinson fragend an.
„Sagen wir einmal ich bin der Ansicht, dass Ihr Talent auf der U.S.S. Lexington verschwendet wäre. Auf diesem alten Kutter wären Sie die nächsten Jahre sicher nur versauert. Der Captain ist ein feister fauler Sack und nur an seinen persönlichen Interessen orientiert. Der wusste nicht einmal was er an Ihnen hatte. Er hat Sie ohne weitere Nachfragen einfach gehen lassen.“
David Alexander setzte seinen besten Gesichtsausdruck auf, diesen -Ich habe es doch gewusst- Blick hatte er jahrelang geübt und er verfehlte auch heute seine Wirkung nicht.
Van Dyke war verwirrt. Er überlegte, wie ihn ein Offizier eines Raumschiffes einschätzen konnte, den er noch nie gesehen hatte, und wie Robinson über seine Fähigkeiten, Leistungen und Kenntnisse Bescheid wissen konnte. Diese Informationen waren üblicherweise Verschlusssachen, an die man nicht ohne umfangreiche Beziehungen herankam.
Im Übrigen erstaunte es ihn, dass ein Offizier der Sternenflotte so abfällig über eins der Flottenschiffe sprach, das ebenfalls zur Nebula Klasse zählte und von der Bezeichnung als alter Kutter ebenso weit entfernt war wie Risa vom bajoranischen Wurmloch.
„Wie Ihnen vielleicht schon bei unserem ersten Zusammentreffen in Captain Wiklands Bereitschaftsraum aufgefallen ist, lege ich die Regeln der Flotte Ab und An mal nach meinem Gutdünken aus. Ich nutze manchmal meine Kontakte bei der Sternenflotte, wenn ich meinen weiteren Lebensweg verändern will, oder bestimmte Probleme lösen möchte. Kennen Sie Admiral Henry Blackwood?“
Van Dyke schüttelte langsam den Kopf,
„Nein, ich weiß nur, dass er der Chef des Geheimdienstes der Föderation ist, aber ich hatte noch nicht das Vergnügen Ihm zu begegnen.“
David Robinson nahm einen weiteren Schluck aus seinem Glas und drehte seinen Kopf langsam zu van Dyke um.
„Nun, sagen wir mal, er ist ein alter Freund, den ich von der Sternenflotten-Akademie kenne. Wir haben in unserer Sturm- und Drangzeit einige brenzlige Situationen gemeinsam gemeistert und sind uns gegenseitig ein paar Gefallen schuldig. Einen winzig kleinen davon habe ich nun genutzt um Sie hierher zu holen. Ich möchte, dass Sie alles für den Captain und das Schiff geben, denn wenn ich meine neue Aufgabe übernehme, dann braucht der Captain jemanden, auf den er sich verlassen kann. Sie sind dazu in der Lage, ich weiß genau, was sie drauf haben, und mich können Sie mit Ihrer ruhigen Fassade nicht täuschen.“
Van Dyke überlegte, ob sich Robinson in seiner großspurigen Art nur wieder weiter profilieren wollte, oder ob er tatsächlich über derartig wichtige und unbestreitbar nützliche Verbindungen verfügte.
Robinson sah van Dyke an, der ruhig auf seinem Stuhl saß und das gehörte noch immer analysierte.
„Ich glaube sie rätseln immer noch ob das alles stimmt, nicht wahr Mr. van Dyke?
Nun, wenn dem so ist, dann sollte ich Ihnen vielleicht eine einfache Frage stellen. Haben Sie die Unterkünfte auf LK-147-1 vor zwei Jahren auch als so ungastlich empfunden wie es von den anderen Absolventen dieser Einrichtung hinter vorgehaltener Hand behauptet wird?“

Roger van Dyke zuckte ganz kurz mit dem linken Auge, aber es reichte damit Robinson es bemerken konnte.
„Tut mir leid, ich kann Ihnen nicht folgen...“ sagte er zu Robinson „...wie Sie wissen hatte ich einen schweren Unfall und lag zu dieser Zeit im tiefen Koma“
David Robinson richtete sich auf und trank sein Glas leer.
„Oh sicher, wie konnte ich das nur verwechseln, bitte entschuldigen Sie. Ich wünsche Ihnen noch einen angenehmen Abend.“
Damit erhob Robinson sich, grüßte die Kollegen in der halbrunden Sitzecke, die noch immer in Ihr Gespräch vertieft waren und verließ die Bar durch den Backbordausgang. * * *Captain Wikland saß in seinem Quartier und schaute auf das Display seines Tischcomputers. Die Darstellung zeigte die persönliche Akte von Roger van Dyke, seinem neuen ersten Offizier.
Er bedauerte, dass er erst jetzt über genügend Informationen verfügte um seinen neuen Offizier korrekt einschätzen zu können. Die Daten gaben Aufschluss über den Lebensweg und die Karriere bei der Sternenflotte.
Wie er es befürchtet hatte, war die Hauptakte angefüllt mit Auszeichnungen bezüglich der Leistungen von van Dyke. Alle Testergebnisse, die zugegebener Weise schon beachtlich waren, enthielten lobende Bemerkungen und erstklassige Benotungen.
Bemerkenswert war allerdings, dass van Dyke viele Möglichkeiten der Beförderung ausgelassen hatte oder sogar schriftlich darum gebeten hatte derartige Einträge zu löschen.
Nach mehreren Seiten der einzelnen Diensteintragungen und Schiffszugehörigkeiten kam ein kurzer Eintrag der Medical Devision der Sternenflotte, in welchem der Unfall und das 18 Monatige Koma beschrieben war. In knappen Worten wurde geschildert, dass im zentralen Hospital des Sternenflottenhauptquartieres alle Versuche, das Koma auf herkömmliche Weise zu beenden, fehlgeschlagen waren.
Ebenso hatten alle chemischen Mittel versagt und es blieb nur die Möglichkeit auf eigenständiges Erwachen zu hoffen, welches dann auch ohne vorherige Änderung seines Zustandes ganz unerwartet eintrat. Unterzeichnet war der Bericht von Admiral Walter Bennings, einem Arzt der Sternenflotte, der auf dem Gebiet der Komaforschung zu den Besten der Föderation zählte. Er selbst hatte Roger van Dyke die gesamte Zeit über betreut und jeden Eingriff, der das Koma beenden sollte durchgeführt. Danach kamen lediglich noch die Eintragungen über die Wiederaufnahme seines Dienstes und die Versetzung zur U.S.S. Lexington.
Wikland war ermüdet vom Studium der Daten, die nur wenig geeignet waren um ein reelles Bild zu zeichnen. Er trat an den Replikator um sich eine Erfrischung zu gönnen. Als alter Fan von klassischen Erfrischungsgetränken überlegte er kurz und gab dann seinen Wunsch an den Computer weiter:
„Eine Coca Cola Classic Light 2000, gekühlt auf 4 Grad Plus.“
Kurz darauf materialisierte sein Getränk stilgerecht in einem dieser Epoche angepassten Glas mit original Aufdruck der ausgewählten Marke. Ein Kunststück, das der Captain seinem persönlichen Replikator in einer ruhigen Stunde einmal beigebracht hatte.
Er ging zurück ans Terminal und wechselte auf die Daten, die Ihm sein Freund Admiral Wellington geschickt hatte.
Er nahm einen Schluck aus seinem Glas und öffnete die Datei, die mit dem Vermerk
„Interne Sonderakte Roger van Dyke“ sowie Streng Vertraulich gekennzeichnet war.
Ein Lächeln zeichnete sich auf seinem Gesicht ab, genau das hatte er gesucht. Eine nüchterne Beschreibung aller Leistungen und Akteneinträge, wie versprochen ohne Lobeshymnen und Ausschweifungen. Nur klare harte Fakten.

Nach oben

counter gratis